Abo

Nachfolger von Carsten BreuerFreuding wird neuer Generalinspekteur der Bundeswehr

4 min
Generalleutnant Christian Freuding bei einer Militärübung auf Kreta

Generalleutnant Christian Freuding bei einer Militärübung auf Kreta

Der 55-Jährige übernimmt den Posten im Februar. Carsten Breuer wurde zuvor Vorsitzender des Nato-Militärausschusses.

Verteidigungsminister Boris Pistorius ernennt den 55-jährigen Heereschef Christian Freuding zum neuen Generalinspekteur und damit zum ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr. Der Generalleutnant übernimmt den Posten im Februar von General Carsten Breuer, der bereits zum Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses gewählt wurde, wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte.

Vor seinem jetzigen Posten als Heeresinspekteur war Freuding bereits Koordinator der deutschen Militärhilfe für die Ukraine und verfügt daher über tiefe Einblicke in den Kriegsverlauf. Er ist enger militärischer Berater des Verteidigungsministers.

Christian Freuding wird Generalinspekteur der Bundeswehr

SPD-Politiker Pistorius lobte den Offizier bei der Bekanntgabe der Personalie in höchsten Tönen. Als Leiter des Ukraine-Sonderstabs habe Freuding die rasanten technischen Entwicklungen in Russlands Krieg gegen die Ukraine analysiert und Rückschlüsse für die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr gezogen. Innerhalb kürzester Zeit habe er als Inspekteur des Heeres die richtigen Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt. So lasse er nun das erste Drohnenregiment im Heer aufstellen.

„Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass er auch in Zeiten großer Veränderungen und Herausforderungen einen kühlen Kopf bewahrt, schnell richtige Entscheidungen trifft und umsetzt“, so Pistorius.

Außerdem stehe Freuding für Kameradschaft und die Werte der Bundeswehr. „Ihn leitet ein klarer Kompass“, so der Minister. „Generalleutnant Freuding ist international hoch anerkannt, bestens vernetzt und hat zudem eine gewinnende Persönlichkeit.“

Thomas Röwekamp lobt Christian Freuding als ausgezeichneten Offizier

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), bezeichnete Freuding als ausgezeichneten Offizier mit tiefem Verständnis für die sicherheitspolitischen Herausforderungen dieser Zeit. Er sagte der „Rheinischen Post“: „Als künftiger Generalinspekteur steht er vor einer gewaltigen Aufgabe: Er muss die Zeitenwende konsequent in die Truppe tragen und dafür sorgen, dass aus politischen Entscheidungen konkrete militärische Fähigkeiten werden.“

Den Generalleutnant selbst und die Führung des Heeres erreichte die Nachricht in Koblenz, wo vor dem Ehrenmal des Deutschen Heeres auf der Festung Ehrenbreitstein einmal im Jahr der Toten gedacht wird. Erste Gratulanten traten an ihn heran.

Christian Freuding erreicht die Nachricht in Koblenz

Freuding, einst Jahrgangsbester seines Generalstabslehrgangs in Hamburg, hat in weniger als zehn Jahren eine militärische Blitzkarriere hingelegt. Von 2017 bis 2019 war er Adjutant der Bundesministerin der Verteidigung, danach folgte eine Station als Kommandeur der Panzerlehrbrigade in Munster. Anschließend wurde er Ukraine-Koordinator und Leiter des von Pistorius neu geschaffenen Planungs- und Führungsstabes im Verteidigungsministerium. Im vergangenen Jahr übernahm er die Führung des Heeres.

Hinter Boris Pistorius (SPD, l.), Bundesminister der Verteidigung, steht Brigadegeneral Christian Freuding, Leiter Sonderstab Ukraine. Freuding wird im kommenden Jahr neuer Generalinspekteur der Bundeswehr. (Archivbild)

Hinter Boris Pistorius (SPD, l.), Bundesminister der Verteidigung, steht Brigadegeneral Christian Freuding, Leiter Sonderstab Ukraine. Freuding wird im kommenden Jahr neuer Generalinspekteur der Bundeswehr. (Archivbild)

In der vergangenen Woche bereiste er die Nato-Ostflanke im Baltikum. Mehr als 70 Generale aus Deutschland und den Niederlanden – praktisch die gesamte Militärführung der Landstreitkräfte beider Partnerstaaten – erkundeten mögliche Brennpunkte in einem bewaffneten Konflikt mit Russland. Von den baltischen Verbündeten Estland, Lettland und Litauen ließen sie sich die Details ihrer Verteidigungsplanungen erklären, um eigene Vorbereitungen darauf abstimmen zu können.

Freuding an der Nato-Ostflanke: Die Lage ist angespannt

Auch neue Waffensysteme wurden den Militärführern vorgestellt, sowie deren künftige Integration in die Truppe. Darunter waren Kamikazedrohnen und Abfangsysteme gegen feindliche Luftangriffe, ferngesteuerte Kettenfahrzeuge zum Transport von Munition und Verwundeten sowie moderne Führungssysteme, die mithilfe von KI Ziele ausfindig und bekämpfbar machen.

Freuding bringt zudem seine Erfahrungen aus der Ukraine-Hilfe ein. „Natürlich sind wir uns unserer Defizite bewusst, unser Ziel ist es, diese zu beheben. Für die Bundeswehr, für das Heer, habe ich hier fünf Handlungsfelder definiert, die wir mit Nachdruck vorantreiben müssen“, sagt er dazu der Deutschen Presse-Agentur.

Christian Freuding nennt fünf Handlungsfelder für das Heer

Er nennt den elektromagnetischen Kampf und unbemannte Systeme, die in die Landkriegsführung integriert werden müssen. „Darüber hinaus der Schutz gegen Bedrohung aus der Luft, insbesondere aus dem bodennahen Luftraum“, sagt er. Außerdem nennt er das „indirekte Wirken“, auch mit der Fähigkeit zum Kampf in der Tiefe des gegnerischen Raumes. Dafür werden neue, weitreichende Waffensysteme entwickelt.

„Der Ausbau all dieser genannten Fähigkeiten gewinnt zusätzlichen Wert, wenn wir sie über ein digitalisiertes, KI-unterstütztes Führungssystems miteinander verbinden. Daher überprüfen wir aktuell all unsere Beschaffungsprozesse und versuchen, diese Fähigkeitslücken so schnell wie möglich zu schließen“, sagt Freuding.

Digitalisierung der Bundeswehr gerät ins Stocken

Das milliardenschwere Programm zur Digitalisierung der Streitkräfte ist allerdings ins Stocken geraten und bereitet technisch erhebliche Probleme. Der sogenannte Aufwuchs der Bundeswehr, also mehr Soldaten in der Truppe, liegt dagegen zunächst im Zielkorridor.

Derzeit dienen etwa 186.000 Männer und Frauen in der Truppe, und es sollen deutlich mehr werden. Geplant sind 260.000 Soldaten in der aktiven Truppe, denen 200.000 Reservisten zur Seite gestellt werden sollen. Damit leistet Deutschland seinen Beitrag zur Erfüllung der Nato-Ziele und rückt die Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Mittelpunkt des Militärs. (dpa/red)