Düsseldorf/Köln – Wenige Tage vor dem Ende der Osterferien ist unklar, wie es in den Schulen angesichts der aktuellen Infektionslage weitergehen wird. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sprach am Mittwoch darüber mit Lehrer-, Schulleiter- und Elternverbänden, am heutigen Donnerstag verhandeln die Kultusminister der Länder. Danach dürfte verkündet werden, ob NRW auf Wechselmodelle oder angesichts der Corona-Lage wieder verstärkt auf Distanzunterricht setzt. Bisher steht nur fest, dass es keinen Regelbetrieb mit vollständigem Präsenzunterricht geben wird.
„Hitzig“ sollen die Gespräche mit den Verbänden gewesen sein, berichten Teilnehmer. Am Nachmittag zeichnete sich dann aber ein vorläufiger Fahrplan ab. Demnach könnten die Klassen 5 bis 9 nach Ferienende noch für eine Woche in den Distanzunterricht geschickt werden, Grundschüler erhielten Wechselunterricht, Abschlussklassen womöglich auch.
Laschet verlangt eine einheitliche Lösung
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Mittwoch eine bundeseinheitliche Lösung verlangt und gesagt, Schulen könnten nur geöffnet werden, wenn dort „das Testen zweimal in der Woche“ funktioniere. NRW hat schon eine Testpflicht für die Zeit nach den Osterferien angekündigt. Noch ist aber ungewiss, ob überall genügend Schnelltest zur Verfügung stehen werden.
Denn aus einem Erlass des NRW-Schulministeriums geht hervor, dass sich der Beginn der Schnelltest-Lieferungen verzögert. Frühestens am Donnerstag werde ausgeliefert. Der NRW-Städtetag hatte bereits bezweifelt, dass genügend Tests in den Schulen ankommen. Mehrere Lehrerverbände teilen diese Skepsis.
Schulen und Kitas der Region
Die Stadt Köln weist derzeit 304 infizierte Schülerinnen und Schüler aus, das sind zwei Promille dieser Personengruppe. Der Anteil der Infizierten in der Gesamtbevölkerung ist etwas höher (2,4 Promille). Ähnlich sieht es an den Kitas aus: 88 infizierte Kita-Kinder entsprechen 2,1 Promille, auch das liegt leicht unter dem Schnitt in der Gesamtbevölkerung. 140 Schulen und 71 Kitas sind betroffen. 74 Schul-Mitarbeiter und 64 Angehörige des Kita-Personals sind betroffen. Hier gibt es aber keine Vergleichszahl, wie viele Angehörige dieser Gruppen es insgesamt in der Stadt gibt.
Im Rhein-Erft-Kreis wurden in der Woche vor den Osterferien 89 Schüler (von insgesamt kreisweit 55 134, also 0,16 Promille) und sieben Lehrer positiv auf Corona getestet. Ferner meldete der Kreis 28 Kita-Kinder und 18 Erzieherinnen mit einer Infektion. Betroffen waren 39 Schulen und 24 Kitas. (EB)
Aus dem Schulministerium hieß es gestern dazu, die Landesregierung gehe von einem wöchentlichen Bedarf von 5,5 Millionen Tests bei zwei wöchentlichen Testungen aus. Diese Menge sei auch für die nächsten Wochen bestellt. „Der Beginn der Auslieferung an die Schulen ist nach aktueller Planung für morgen vorgesehen. Allein in dieser Woche ist geplant, diese 5,5 Millionen Selbsttests an die Schulen zu versenden.“ Bereites vor den Ferien habe man 3,3 Millionen Sets ausgeliefert und die Lieferungen in den Ferien fortgesetzt. Zweimal Testen pro Woche ist laut Maike Finnern, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „unabdingbar“ für eine Schulöffnung. Viele Pädagogen hätten Sorge davor, morgens bis zu 15 Schüler in einer Gruppe testen zu müssen, zumal nicht geklärt sei, wie man mit positiv getesteten Kindern umgehen müsse, um eine Stigmatisierung zu verhindern. Eigentlich, bemerkte Finnern, seien Corona-Tests eine Aufgabe für Fachleute.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) erklärte ebenfalls: „Pädagogen sind kein Testpersonal.“ Die derzeitigen Corona-Schnelltests seien außerdem nicht geeignet für Grundschüler. Wenn NRW-Ministerpräsident Laschet jetzt einen „Brücken-Lockdown“ fordere, dürfe dieser die Schulen und Kitas nicht außen vorlassen, verlangte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau.
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Der Philologenverband NRW sieht unterdessen die Abiturprüfungen in Gefahr. Sollte nach den Osterferien Präsenzunterricht möglich sein, müssten Quarantänen und Ansteckungsmöglichkeiten für Lehrer und Schüler so gering wie möglich gehalten werden, damit ordnungsgemäße Abiturprüfungen durchführbar blieben, mahnte die Lehrerorganisation.

