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„Die Straßen sind voller Blut“Trump erhöht Druck auf Teheran – und stellt Verhandlungen in Aussicht

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US-Präsident Donald Trump spricht mit Reportern während des Fluges in der Air Force One auf dem Rückflug zur Joint Base Andrews, Maryland. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump spricht mit Reportern während des Fluges in der Air Force One auf dem Rückflug zur Joint Base Andrews, Maryland. (Archivbild)

Die Proteste im Iran eskalieren weiter. Internationale Warnungen häufen sich – und plötzlich steht Diplomatie im Raum.

Die Massenproteste im Iran halten an – und rücken die Islamische Republik weiter ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. US-Präsident Donald Trump erklärte nun, Teheran habe sich gemeldet. „Der Iran will verhandeln“, sagte Trump an Bord der Air Force One. Ein Treffen mit iranischen Vertretern werde vorbereitet. Worum es bei möglichen Gesprächen gehen soll, ließ er offen.

Zugleich verschärfte Trump den Ton. Angesichts dessen, was derzeit im Iran geschehe, müssten die USA womöglich „vor einem Treffen handeln“, warnte er. Er sprach davon, dass die iranische Führung „es leid“ sei, von den USA geschlagen zu werden – eine Anspielung auf die israelischen Angriffe auf das iranische Nuklearprogramm, an denen sich auch das US-Militär beteiligt hatte.

Proteste weiten sich über das Land aus – Beobachter sind erschüttert

Im Iran selbst gehen die Proteste gegen die autoritäre Führung unvermindert weiter. Aktivisten zufolge haben sich die Demonstrationen auf 186 Städte ausgeweitet. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA berichtete von 483 getöteten Demonstranten und insgesamt 544 Todesopfern, darunter auch Kinder sowie 47 Angehörige der Sicherheitskräfte. Rund 10.700 Menschen seien festgenommen worden. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Dieser Ausschnitt aus Aufnahmen, die in den sozialen Medien kursieren, zeigt Demonstranten, die um ein Lagerfeuer herum tanzen und jubeln, während sie trotz der zunehmenden Razzien auf die Straße gehen, während die Islamische Republik vom Rest der Welt abgeschnitten bleibt, in Teheran, Iran.

Dieser Ausschnitt aus Aufnahmen, die in den sozialen Medien kursieren, zeigt Demonstranten in Teheran (Iran), die um ein Lagerfeuer herum tanzen und jubeln, während sie trotz der zunehmenden Razzien auf die Straße gehen, während die Islamische Republik vom Rest der Welt abgeschnitten bleibt.

Aus Teheran kommen Berichte über massive Gewalt. Der britische Sender BBC zitierte eine Quelle mit den Worten: „Die Lage hier ist sehr, sehr schlimm.“ Sicherheitskräfte hätten mit scharfer Munition geschossen, „die Straßen sind voller Blut“. Auch diese Berichte konnten zunächst nicht verifiziert werden.

Hilfe für blockiertes Internet in Aussicht – Druck auf Teheran

Die iranische Führung hat den Internetzugang im Land weitgehend gesperrt, um die Kommunikation der Protestierenden zu unterbinden. Trump erwägt nach eigenen Angaben, die Demonstranten mit Satelliteninternet zu unterstützen. Er wolle mit Tech-Milliardär Elon Musk sprechen, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt. Ziel sei es, „das Internet wieder zum Laufen zu bringen“, wenn das möglich sei.

International wächst der Druck auf Teheran. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „schockiert“ über Berichte zu staatlicher Gewalt und forderte ein Ende des Vorgehens gegen Demonstranten sowie „maximale Zurückhaltung“ der Sicherheitskräfte. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola ermutigte die Protestierenden, weiterzumachen, und rief die Führung in Teheran zu einem Kurswechsel auf.

Neue Eskalationen drohen – Staatstrauer im Iran

Zugleich drohen neue Eskalationen. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warf der Protestbewegung vor, eine US-Intervention provozieren zu wollen, und warnte, die „Feinde“ würden vernichtet. Die iranische Regierung rief drei Tage Staatstrauer für die „Märtyrer des Widerstands“ aus und bezeichnet das Vorgehen gegen die von ihr als „Unruhen“ bezeichnete Protestwelle als „nationalen Widerstandskampf“ gegen die USA und Israel. 

Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, verkündete derweil in einer Botschaft auf X die nächste Phase des Aufstands, „um die Islamische Republik zu stürzen“. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf drohte den USA mit Vergeltung im Falle eines militärischen Eingreifens. US-Militärstützpunkte in der Region und die US-Schifffahrt wären dann „legitime Ziele“, sagte er vor dem Parlament.

Trump wiederum erklärte, die USA prüften „sehr drastische Optionen“ und erhalte stündlich Berichte zur Lage. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ berät die US-Regierung über weitere Schritte – von Sanktionen und Cybermaßnahmen bis hin zu möglichen Militärschlägen. (dpa/afp/sbo)