Trump und Putin haben ein langes und offenbar freundschaftliches Telefonat geführt. Das Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht nicht nur der Ukraine.
Diesel für Amerika„Pakt mit dem Teufel “ – US-Abgeordnete entsetzt über Trumps Deal mit Putin

US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin im August 2025 auf der Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska.
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US-Präsident Donald Trump hat einen Deal mit Wladimir Putin abgeschlossen und die Lieferung von hunderttausenden Tonnen Diesel aus Russland in die USA verkündet. Trump schrieb zunächst auf seinem Netzwerk Truth Social, es sei unerlässlich, die Treibstoffpreise in den USA zu senken. Trump dankte Putin später vor laufenden Kameras und versprach „massive amounts of oil“ („riesige Mengen“), die in die USA gelangen würden. Der Kreml bestätigte die „Bereitschaft, den US-Markt und die globalen Märkte mit Öl und Erdölprodukten zu beliefern“, es sei eine Vereinbarung getroffen worden.
Die Reaktionen auf dieses Ergebnis eines langen Telefonats zwischen den beiden Machthabern sind in und außerhalb der USA heftig, denn es unterläuft die Sanktionspolitik des Westens gegenüber dem Aggressor Russland. Trump hatte erst im September ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz unterzeichnet, das ihm weitreichende Befugnisse für neue Sanktionen gegen Moskau in die Hand gibt. Ziel war es, die russischen Öl- und Gas-Exporte stärker einzudämmen, mit denen Russland seinen Krieg gegen die Ukraine finanziert.
Demokraten sprechen von „Schande“ und „Pakt mit dem Teufel“
Entsprechend kritisch fallen die Äußerungen nicht nur aus der demokratischen Partei aus. Auch führende Politiker aus der eigenen Partei verurteilten den Deal. Der Republikaner Don Beacon schrieb bei X: „70 % der Amerikaner unterstützen die Ukraine. Die Stützung der Kriegsökonomie Putins ist moralisch falsch, da er dieses Geld nutzt, um Städte zu bombardieren. Die Politik des Präsidenten gegenüber Russland und der Ukraine ist ein Fehlschlag.“ Der frühere republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger forderte nach der Ankündigung sogar die Ukraine auf, ihre Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur zu verstärken.
Führende Demokraten zeigten sich entsetzt von Trumps Politik. Minderheitsführer Chuck Schumer sprach von einem „Pakt mit dem Teufel“ („deal with the devil“), den Trump eingegangen sei. Das schmutzige Geschäft werde allein Putin helfen.
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren schrieb: „Diese Ankündigung ist eine Schande.“ Trump finanziere Putins Kriegsmaschinerie, statt den Krieg im Iran zu beenden.
Trump steht wegen Preisen unter Druck
Klar ist: Trump steht massiv unter Druck, da seinen Republikanern bei den Midterm-Wahlen Anfang November eine empfindliche Niederlage droht. Viele Amerikaner leiden unter den hohen Preisen, insbesondere Kraftstoff ist teuer. Neben Wahlkampf-Getöse sei die Idee hinter dem Deal mit Putin nicht, die Spritpreise wirklich zu senken. Dies sei kurzfristig gar nicht möglich, so die Analysen auch vom Kölner Politologen Thomas Jäger. Der Dieselpreis sei ohnehin für die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht so wichtig wie der Benzinpreis.
Ohnehin ergibt eine einfache Recherche, dass die 300.000 Tonnen, von denen aktuell die Rede ist, noch nicht einmal den Dieselverbrauch eines einzigen Tages in den USA decken würden. Auch die 500.000 Tonnen, die für November angekündigt wurden, fallen kaum ins Gewicht. Ohnehin hat Russland selbst zu wenig Sprit und muss diesen selbst aus dem Ausland importieren.
Selenskyj: Deal ist „nicht fair und nicht ehrlich“
Daher richtet sich Trumps Deal vor allem in Richtung Ukraine und ist eine Botschaft an Kiew: Die US-Regierung will die erfolgreichen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Russland stoppen. Dies hatte Trump in den vergangenen Monaten immer wieder gefordert. Der US-Präsident argumentiert, das verknappe das Angebot auf dem Weltmarkt und treibe die Preise auch für US-Verbraucher hoch. Mit dem Finger auf die Ukraine zu zeigen, lenkt zudem vom selbst verschuldeten Desaster mit dem Iran und der Straße von Hormus ab.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte entsprechend wütend auf Trumps Deal mit Putin. Er bezeichnete Trump als „schwach“, Russland würde so weiter Respekt vor den USA verlieren. In einem Interview des US-Nachrichtenportals „Axios“ erklärte Selenskyj, die Vereinbarung sei „nicht fair und nicht ehrlich“. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner parallel zu der Vereinbarung mit Putin in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Ende des Krieges verhandelten. Von dem geplanten Diesel-Abkommen sei dabei keine Rede gewesen.
Am Samstag (10. Oktober) schrieb Selenskyj mit bitterem Sarkasmus auf X: „Heute hat Russland seinen Dank für die Aufhebung der Sanktionen gegen Diesel-Exporte dadurch zum Ausdruck gebracht, dass es fünf Gleitbomben auf Wohnhäuser in Saporischschja abgeworfen hat. Bislang wurden leider zwölf Todesopfer bestätigt, darunter drei Kinder.“
Gleichzeitig dankte Selenskyj einer Delegation von demokratischen und republikanischen Abgeordneten des US‑Repräsentantenhauses, die sich derzeit in der Ukraine aufhalten und „an der Seite unseres Volkes stehen“, so Selenskyj – anders als offensichtlich der US-Präsident. (mit dpa)
