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Duell der KandidatenFünf Dinge über Armin Laschet und Markus Söder

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Laschet und Söder im Duell

Markus Söder (CSU, l), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, und Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Armin Laschet kann Fünfe gerade sein lassen und war mal Fan der Solidarnosc-Bewegung. Markus Söder kann angeblich einen Hundekuchen als Sachertorte verkaufen. Wir haben je fünf Dinge über die beiden Kandidaten zusammengestellt. Armin Laschet macht den Anfang.

Kirche und Journalismus

Armin Laschet kam über die katholische Kirche zur Politik. In seiner Heimatstadt Aachen sang er im Kinderchor, wo er auch seine spätere Frau kennenlernte, als Jugendlicher engagierte er sich in der Gemeindearbeit, dachte sogar darüber nach, später Priester zu werden. Man musste ihn überreden, mit 18 Jahren in die Junge Union einzutreten. Ein „junger Wilder“ sei er gewesen, so sagt er. In seinem Zimmer hing beispielsweise1 ein Poster der polnischen Solidarnosc-Bewegung. Wie Markus Söder arbeitete Armin Laschet nach seinem Jura-Studium als Journalist: beim bayerischen Rundfunk und beim Münchener Hit-Radio „Charivari“.

Fünfe gerade sein lassen

2015 gibt Laschet nach 15 Jahren seinen Posten als Lehrbeauftragter der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen überstürzt ab. Ihm war ein Stapel Klausuren von Studenten abhandengekommen, aber statt das Missgeschick zuzugeben, verteilte er trotzdem an alle Noten - allerdings auch an Studenten, die an der Klausur gar nicht teilgenommen hatten. So flog der Schwindel auf - und Laschet von seinem Posten als Lehrbeauftragter.

Karl der Große

Eine goldene Büste von Karl dem Großen ziert Laschets Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Es handelt sich nicht allein um ein Andenken an seine Heimatstadt Aachen. Die Familie Laschet sieht sich als direkte Nachkommenschaft des mächtigsten Kaisers des Mittelalters. Sein Bruder Patrick will das in mühevoller, jahrelanger Ahnenforschung nachgewiesen haben, aus Spaß daran, wie er selbst sagt. Bitterernst nimmt die Familie die mögliche berühmte Verwandtschaft wohl nicht, aber Laschet freut's: den Europäer Karl den Großen bewundert er.

Sattelfest bei Schlagern

Dass Armin Laschet als Rheinländer im Karneval gern schunkelt, ist bekannt. Er ist den vergnüglichen Seiten des Lebens nicht abgeneigt und macht daraus anders als andere Politiker auch kein Geheimnis. Er raucht gerne Zigarillos, und das nicht nur bei besonderen Gelegenheiten. Laschet kann so ziemlich jeden Schlager der 70er-Jahre auswendig mitsingen. Er ist sogar stolzer Besitzer eines lebenslangen Backstage-Passes für Konzerte von Peter Maffay.

Sein Corona-Kurs

Laschet schlingert durch die Corona-Pandemie. Seine letzte Kehrtwende: die Forderung nach einem Brücken-Lockdown. Auf den womöglich letzten Metern schlägt sich Laschet nun deutlich auf die Seite Merkels und Söders, die stets einen harten Kurs vertreten, wenn auch nicht immer umgesetzt haben. Jetzt drückt Laschet der Bundes-Notbremse flugs seinen Stempel auf, als sei die schon immer seine Idee gewesen. Das stimmt so nicht: Laschet hatte über viele Monate stets auf regionale Maßnahmen beharrt und die Abwägung zum obersten Gebot erklärt. Es passt nicht ins Bild, jetzt den Hardliner geben zu wollen.

Nun zu Markus Söder

Gelernter Journalist

Söder kann in Überschriften sprechen, auch weil er nach seinem Jura-Studium eine Ausbildung zum Fernsehredakteur beim Bayerischen Rundfunk machte. Als er in seiner Heimatstadt Nürnberg schon heftig mitmischt im politischen Geschäft, wird er mitten im Landtagswahlkampf Redakteur. Sein Gespür für gute Bilder hat er bis heute behalten, siehe Merkel und Söder beim Besuch der Kanzlerin auf Schloss Herrenchiemsee. Allerdings heißt es von langjährigen Verhandlungspartnern, dass er es auch gern bei Überschriften belässt und die Detailarbeit in mancher Angelegenheit anderen überlässt.

Kühne Träume

Der Star-Trek-Fan Söder trinkt nicht nur gerne Cola-Light aus den Motivbechern seiner Lieblingsfilme, er setzt seine persönliche Faszination für den Weltraum auch in politische Vorhaben um. Während seine bayerische Initiative namens „Bavaria One“ gern mal belächelt wird, ist es Söder damit todernst. 700 Millionen Euro soll Bayern in den nächsten Jahren für die Entwicklung von Raumfahrttechnologie ausgeben. Unter anderem in Planung: Eine Hyperloop-Teststrecke und eine riesige Fakultät für Raumfahrt an der Uni München.

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Wahrheiten seiner Corona-Politik

Es ist ein Phänomen, dass Söder es geschafft hat, als der zupackendste und konsequenteste Corona-Bekämpfer gleich nach Angela Merkel zu gelten. Stichwort: „Team Vorsicht“. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Bayern hat eine Sieben-Tage-Inzidenz von 160 und liegt damit deutlich über der bundesweiten Inzidenz von 140 - und deutlich über der von Nordrhein-Westfalen (135). Die Notbremse, deren konsequente Einhaltung er fordert, hat er in Bayern selbst aufgeweicht.

Außenseiter und Strauß-Fan

Söders politischer Durchsetzungswille hat seine Wurzeln in frühester Kindheit. Seine Biografen schildern, dass er als Kind der Außenseiter-Typ war, mit dem keiner spielen wollte. Er liebte es, seinen linksliberalen 68er-Lehrern Paroli zu bieten. Als junger Konservativer war er der junge Wilde, die Rolle hat ihm gefallen. Über seinem Bett im Jugendzimmer hing ein Poster von Franz Josef Strauß.

Söders Doktorarbeit

Söder hat eine Doktorarbeit verfasst, deren Titel nach aufwendiger Archivarbeit klingt: „Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt: die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“. Dazu war es notwendig, Hunderte Akten aus dem 19. Jahrhundert in schwer zu entziffernder Kanzleischrift auszuwerten. Söder hat erst fünf Jahre nach dem ersten Staatsexamen promoviert, als er schon umtriebiger Politiker mit mehreren Ämtern war. Wie er dies ganz allein geschafft haben will, war bereits Gegenstand mehrerer Untersuchungen. Ein vermuteter Betrug war Söder nie nachzuweisen. Es heißt, er habe sich die Kanzleischrift selbst angeeignet.