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Ende des StreiksDie Kita-Erzieherinnen sind enttäuscht

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Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für kommunale Kita-Erzieher und Sozialarbeiter haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaften nach stundenlangen, zähen Gesprächen auf eine Schlichtung geeinigt.

Berlin – Frank Bsirske ist unzufrieden. „Die Stimmung könnte besser sein“, räumt er ein, als er das Ergebnis des Verhandlungsmarathons in Frankfurt vor rund 300 Verdi-Leuten vorstellt: die Schlichtung. Nach über 16 Stunden Gesprächen mit den Arbeitgebern in Berlin kann der Verdi-Chef das Ende der Kita-Streiks verkünden. Doch was rauskommen wird für die 240 000 kommunalen Erzieher und Sozialarbeiter, ist weiter offen. Jetzt sind die Schlichter am Zug. Bsirske hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht, sagt er. Doch der Druck - vor allem der Eltern - war immer größer geworden.

Es ist eine Überraschung: Die vierwöchigen bundesweiten Streiks sollen am Montag vorerst zu Ende gehen - trotz des Scheiterns der Tarifverhandlungen für die kommunalen Erzieher und Sozialarbeiter. Beide Seiten verständigen sich auf eine Schlichtung, damit gilt eine Friedenspflicht. Ob sich das Schlichtergespann - Hannovers früherer Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) und ein noch nicht benannter Schlichter der Arbeitgeberseite - viel leichter tut als die Verhandler, ist fraglich. „Wir hoffen, ich denke gemeinsam, dass wir dann im Schlichtungsverfahren zu einer endgültigen Befriedung kommen können“, sagt der Präsident des kommunalen Arbeitgeberverbands VKA, Thomas Böhle. Und wenn nicht? Dann könnte wieder gestreikt werden.

Bei Eltern stößt das vorläufige Ende des Streiks noch nicht auf Erleichterung. „Wir sind jetzt erstmal zufrieden, dass die beiden (Seiten) miteinander sprechen“, sagt der Initiator von Mainzer Aktionen gegen den Kita-Streik, Christian Weiskopf. „Wir sind aber weiter kampfbereit.“ Denn die geplante Schlichtung heiße noch nicht, dass es zum Ende der Auseinandersetzung gekommen sei. Bei der Verdi-Tagung in Frankfurt sagt eine Sozialarbeiterin aus Lehrte bei Hannover: „Jetzt müssen wir Angst haben, dass bei der Schlichtung etwas herauskommt, was weit weg ist von den Forderungen.“

Bei den Verhandlungen steckt der Teufel einerseits im Detail. 102 unterschiedliche Monatsgehälter umfasst die gültige Tariftabelle, je nach Berufsgruppe - also etwa Erzieher oder Sozialarbeiter, und nach Berufsjahren. Gibt es hier für einige deutlich mehr, könnte das jene mit nur geringen oder gar keinen Erhöhungen auf die Palme bringen. Außerdem sind die finanziellen Auswirkungen für die Kommunen ganz unterschiedlich - je nachdem, in welchen Städten besonders viele Vertreter der einzelnen Berufsgruppen arbeiten.

Andererseits geht es ums Grundsätzliche. Die Interessensgegensätze seien einfach zu groß gewesen, heißt es nach der Verhandlungsnacht von einem Teilnehmer. Aber, wie es von anderer Seite heißt: „Ein Streik hätte nicht mehr gelohnt.“ Mehr hätten die Gewerkschaften dadurch wohl nicht herausholen können. Unterschiedliche Sichtweisen prallen aufeinander. Beispiel: Eine Erzieherin mit schwierigen Aufgaben verdient nach 16 Jahren 3732 Euro im Monat. Bei einem Arbeitgeberwechsel rutscht sie aber auf das Anfangsgehalt von 2657 Euro brutto zurück, außer der Arbeitgeber zahlt freiwillig mehr - für die Gewerkschaften ein Unding. Die Arbeitgeber argumentieren hingegen: Viele vor allem Ältere bekämen den Job sonst gar nicht.

Erfahrung mit Schlichten

Vor allem aber sehen Bsirske und Co. die öffentliche Meinung auf ihrer Seite mit der Forderung nach einer „nachvollziehbaren Aufwertung des gesamten Berufsfeldes“, also bei allen kommunalen Erziehern, Sozialarbeitern und anderen. Dass kleine Kinder in der Kita nicht nur betreut werden, sondern ihnen auch viel beigebracht wird, ist eine heute weit verbreitete Erkenntnis. Und dass die Mitarbeiter von Jugendämtern etwa bei Verdacht auf Vernachlässigung eines Kindes mehr Zeit und eventuell auch manchmal mehr Motivation brauchen, dürfte ebenfalls eine verbreitete Ansicht sein.

Dennoch: Die VKA sieht die Betroffenen gar nicht schlecht bewertet, auch im Verhältnis etwa zu Feuerwehrmännern und anderen Beschäftigten der Kommunen. Deswegen sind beide Seiten an diesem Kernpunkt auch nicht weitergekommen. Bisher jedenfalls.

Herbert Schmalstieg hat Erfahrung mit dem Schlichten. Zuletzt gelang es ihm 2010, in den festgefahrenen Verhandlungen im öffentlichen Dienst zu verhandeln. Im Fall der Erzieher ist das Ende offen. Eine Kita-Leiterin aus Nürnberg wünscht sich jedenfalls dies: „Ein gutes Ergebnis ist, wenn alle ein Plus bekommen.“ (dpa)