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Brisante Mails und TelefonateNeue Epstein-Enthüllungen bringen Trump unter Druck

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Ein vom US-Justizministerium veröffentlichtes Foto zeigt den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zusammen mit Donald Trump. (Archivbild)

Ein vom US-Justizministerium veröffentlichtes Foto zeigt den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zusammen mit Donald Trump. (Archivbild)

Die „Epstein Files“ sorgen weiter für großen Wirbel – nun rückt die Rolle von US-Präsident Donald Trump erneut in den Fokus. 

Seit Wochen beschäftigen die „Epstein Files“ die Öffentlichkeit. Zahlreiche prominente Namen kommen in den unzähligen Akten vor, andere Persönlichkeiten sind auf Bildmaterial aus dem Nachlass des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu sehen. Zuvor hatte das US-Justizministerium am 30. Januar einen Großteil der bis dato zurückgehaltenen Akten veröffentlicht – nach monatelangem Tauziehen.

Auch jetzt sind die freigegebenen Dokumente von vielen Schwärzungen durchzogen, die dafür sorgen, dass manche Vorgänge weiterhin im Dunkeln bleiben. Während die US-Regierung um Donald Trump sich bemüht, vom Epstein-Skandal abzulenken, gibt es indessen neue Enthüllungen, die Trump direkt betreffen – und den Druck auf den Republikaner erhöhen, der einst mit Epstein gut befreundet war.

Epstein-Akten: Trumps Name taucht „mehr als eine Million Mal“ auf

Die großzügigen Schwärzungen hatten zuvor für scharfe Kritik an der US-Regierung gesorgt. Nun hat das US-Justizministerium einigen Kongressabgeordneten Zugang zu den ungeschwärzten Akten gewährt. Seit Montag (9. Februar) haben etwa die Mitglieder des Justizausschusses die Möglichkeit, die „Epstein Files“ einzusehen.

US-Präsident Donald Trump hört der Frage eines Reporters zu, während er an Bord der Air Force One von der Joint Base Andrews nach West Palm Beach fliegt. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump hört der Frage eines Reporters zu, während er an Bord der Air Force One von der Joint Base Andrews nach West Palm Beach fliegt. (Archivbild)

Mehrere demokratische Politiker nutzten diese Möglichkeit sofort – und berichten jetzt von ihren Erkenntnissen. So erklärte etwa der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin nach Einsicht der Akten, dass Trumps Name bei der Suche in den ungeschwärzten Epstein-Dokumenten „mehr als eine Million Mal“ aufgetaucht sei. Der Name sei „überall zu finden“, so Raskin. 

Zweifel an früheren Aussagen von Donald Trump werden laut

Bei der Auswertung der geschwärzten Akten hatten US-Medien zuvor lediglich von „mehreren Tausend Nennungen“ berichtet. Raskins Angaben legen also nahe, dass der Name des US-Präsidenten vor der Veröffentlichung der Akten in hoher Zahl geschwärzt wurde. 

Auch Zweifel an früheren Aussagen über Epstein und seine Mitgliedschaft in Trumps Klub in Mar-a-Lago wurden laut. Trump behauptet, er habe Epstein bereits frühzeitig aus seinem Klub in Florida verbannt. Laut Raskin widersprechen einige der Dokumente dieser Darstellung jedoch.

Mar-a-Lago: Hat Trump Epstein „nie aufgefordert zu gehen“?

Der demokratische Abgeordnete aus Maryland erklärte nun gegenüber Reportern, dass eines der Dokumente, die er eingesehen habe, eine E-Mail von Epstein an seine Komplizin Ghislaine Maxwell gewesen sei. Die E-Mail habe Details über ein Gespräch mit Trumps Anwälten aus dem Jahr 2009 enthalten, die von Epsteins Anwälten übermittelt worden seien, führte Raskin aus.

Trump sei darin mit den Worten zitiert worden, Epstein sei zwar nie Mitglied seines Klubs in Mar-a-Lago gewesen, aber dennoch Gast gewesen und sei „nie aufgefordert worden zu gehen“, zitierte etwa das US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“ den demokratischen Politiker.

„Das wurde aus unerfindlichen Gründen geschwärzt“

„Das wurde aus unerfindlichen Gründen geschwärzt“, fügte Raskin hinzu und betonte: „Es scheint im Widerspruch zu einigen Aussagen zu stehen, die Präsident Trump in letzter Zeit darüber gemacht hat, wie er Jeffrey Epstein aus seinem Klub geworfen hat.“

Der demokratische Politiker Jamie Raskin spricht im Kapitol in Washington mit Reportern. (Archivbild)

Der demokratische Politiker Jamie Raskin spricht im Kapitol in Washington mit Reportern. (Archivbild)

Fragen hinsichtlich Trumps tatsächlicher Beziehung zu Epstein wirft unterdessen auch ein anderes Dokument auf, über das US-Medien nun berichten. So habe Trump kurz nachdem die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden gegen Epstein Mitte der 2000er Jahre öffentlich wurden, bei der Polizei von Palm Beach in Florida angerufen, um seine Dankbarkeit auszudrücken, berichtet der Sender CNN. Epstein hatte einen Wohnsitz in dem Ort in Florida.

Brisantes Trump-Telefonat: „Jeder wusste, dass er das tut“

Brisant ist jedoch nicht der ausgedrückte Dank Trumps, sondern eine Aussage, die in diesem Telefonat ebenfalls gefallen sein soll. „Gott sei Dank stoppen Sie ihn“, habe der Republikaner laut dem Dokument in dem Telefonat mit der Polizei damals gesagt und hinzugefügt: „Jeder wusste, dass er das tut.“

Die Leute in New York wüssten, dass Epstein „widerlich“ sei, soll Trump damals zudem gesagt haben. Auch Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell kam demnach zur Sprache. Maxwell sei die „Agentin“ des Finanzmoguls gewesen, erklärte Trump demnach und fügte hinzu: „Sie ist böse, und wir sollten uns auf sie konzentrieren.“

US-Regierung reagiert schmallippig: „Ich kenne die Antwort nicht“

Trump gab laut dem Dokument auch an, sich einmal in Epsteins Nähe aufgehalten zu haben, als Teenager anwesend waren. Er sei „sofort verschwunden“, sagte der nunmehrige US-Präsident den Berichten zufolge damals. Trump gehörte dem Dokument zufolge zu den „allerersten Personen“, die die Polizei von Palm Beach kontaktierten, als bekannt wurde, dass gegen Epstein ermittelt wurde.

Das Weiße Haus reagierte am Dienstag auf die neuen Enthüllungen. „Es war ein Telefonat, das möglicherweise 2006 stattfand. Ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht“, erklärte Pressesprecherin Karoline Leavitt gegenüber Reportern. „Was ich Ihnen sage, ist das, was Präsident Trump immer gesagt hat: Er hat Jeffrey Epstein aus seinem Club Mar-a-Lago geworfen, weil Jeffrey Epstein ein widerlicher Kerl war, und das stimmt nach wie vor“, fügte Leavitt hinzu.

Epstein-Skandal überschattet zweite Amtszeit von Donald Trump

Auch das US-Justizministerium gab sich schmallippig angesichts der Berichte über den damaligen Anruf Trumps bei der Polizei in Palm Beach: „Uns liegen keine Beweise dafür vor, dass der Präsident vor 20 Jahren Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden aufgenommen hat“, zitierte CNN einen Mitarbeiter des Ministeriums. 

Eine undatierte Aufnahme zeigt Donald Trump zusammen mit Jeffrey Epstein. (Archivbild)

Eine undatierte Aufnahme zeigt Donald Trump zusammen mit Jeffrey Epstein. (Archivbild)

Die Frage, was Trump über Epstein und dessen Verbrechen wusste, überschattete die zweite Amtszeit des Präsidenten. Trump gab bisher an, die beiden Männer seien in den 1990er Jahren befreundet gewesen und hätten sich in Palm Beach in denselben Kreisen bewegt. Anfang der 2000er Jahre sei es schließlich zum Bruch gekommen, woraufhin Trump Epstein aus seinem Klub Mar-a-Lago geworfen habe, so die Darstellung des US-Präsidenten, der stets bestritten hat, von Epsteins Verbrechen gewusst zu haben. 

Donald Trump über Ghislaine Maxwell: „Ich wünsche ihr alles Gute“

Auch die deutlichen Worte, die Trump laut dem nun veröffentlichten Dokument für Ghislaine Maxwell gefunden haben soll, stehen im Kontrast zu wohlwollenden Aussagen des US-Präsidenten über die Epstein-Komplizin kurz nach ihrer Verhaftung im Jahr 2020.

„Ich wünsche ihr alles Gute“, hatte der Republikaner damals noch erklärt. Auch über eine mögliche Begnadigung Maxwells hatte Trump in der Vergangenheit bereits gesprochen. „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht“, sagte der US-Präsident dazu im letzten Sommer. „Ich dürfte es tun, aber ich habe noch nicht darüber nachgedacht.“

Scharfe Kritik an US-Regierung: „So sieht eine Vertuschung aus“

Bei den Demokraten ebbt die Kritik am Vorgehen der US-Regierung unterdessen nicht ab. „Das Justizministerium stellt den Kongressabgeordneten lediglich vier Computer in einem Satellitenbüro zur Verfügung, um die ungeschwärzte Epstein-Akte mit über drei Millionen Dokumenten zu lesen“, erklärte etwa der Demokrat Raskin nach Einsicht der ungeschwärzten Epstein-Dokumente. 

„Wenn man 40 Stunden pro Woche nur damit beschäftigt wäre, würde es mehr als sieben Jahre dauern, bis die 217 Abgeordneten, die die Entlastungsinitiative des Repräsentantenhauses unterzeichnet haben, allein die Dokumente gelesen hätten, deren Veröffentlichung sie beschlossen haben (und es gibt noch 3 Millionen, die weiterhin zurückgehalten werden)“, schrieb Raskin außerdem auf der Plattform X. „So sieht eine Vertuschung aus“, fügte der Demokrat hinzu.