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Flamingos treffen WolgogradWut und Druck auf Putin in Russland – Atom-Eskalation gefordert

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Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)

Erst Meuterei-Drohungen, nun Rufe nach Eskalation. Die ukrainischen Angriffe sorgen in Russland für Druck auf Kremlchef Putin. 

Die Ukraine hat in der Nacht und am frühen Morgen eigenen Angaben nach eine Rüstungsfabrik in der russischen Millionenstadt Wolgograd angegriffen. Marschflugkörper des Typs Flamingo hätten die Anlagen des Betriebs Titan-Barrikady getroffen und in Brand gesetzt, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. In der Fabrik würden Artilleriesysteme und auch Elemente für die Abschussrampen von Raketen produziert, so Selenskyj.

Der Gouverneur der Region Wolgograd bestätigte Schäden an den „Produktionsanlagen eines Unternehmens“, machte aber keine genaueren Angaben dazu, was dort produziert wird. Den russischen Angaben nach wurden mindestens zehn Menschen verletzt. Es war von „Flugobjekten mit Hochgeschwindigkeit“ die Rede – damit dürften die ukrainischen Marschflugkörper gemeint sein. Mehrere lokale Brände seien gelöscht worden. Wohngebäude waren demnach nicht betroffen. 

Fabrik soll an Produktion von Oreschnik beteiligt gewesen sein

Titan-Barrikady stellt Medienberichten nach Komponenten für die Raketenkomplexe Iskander, Jars und Topol-M her, die prinzipiell auch Atomwaffen tragen können. Zudem soll die Fabrik auch an der Produktion der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik beteiligt sein.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. In den vergangenen Monaten hat sie sich dabei verstärkt auf Attacken gegen strategisch wichtige Objekte im russischen Hinterland verlegt – zumeist mit Drohnen, mehrfach inzwischen aber auch mit den selbst entwickelten Marschflugkörpern Flamingo.

Ukraine überzieht Russland mit Angriffen im Hinterland

Ins Visier geraten sind neben Militäreinrichtungen und Rüstungsbetrieben auch Anlagen der Ölindustrie. Damit will die Ukraine den angreifenden russischen Truppen die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung erschweren. 

Ein Video-Screenshot soll den Einschlag von Flamingo-Marschflugkörpern in Wolgograd zeigen.

Ein Video-Screenshot soll den Einschlag von Flamingo-Marschflugkörpern in Wolgograd zeigen.

Die fortwährenden ukrainischen Angriffe zeigen unterdessen deutliche Wirkung in Russland. Auf der illegal besetzten ukrainischen Halbinsel Krim wurde am Freitag nach ukrainischen Angriffen der Ausnahmezustand ausgerufen. Ein Kriegsblogger drohte Kremlchef Wladimir Putin zudem jüngst mit einer Meuterei.

Russische Hardliner fordern Putin zur Eskalation auf

Andere russische Hardliner und „Falken“ rufen unterdessen dazu auf, die Diplomatie aufzugeben, und fordern Kremlchef Putin zu einer massiven Eskalation auf. Die Forderungen nach härteren Maßnahmen sind in Russland nicht neu, werden nun jedoch wieder lauter.

Nationalistische Stimmen fordern die Generalmobilmachung, die Zerstörung des Kyjiwer Regierungsviertels, die Ermordung Selenskyjs und Angriffe auf europäische Drohnenfabriken. Einige Hardliner fordern den Kremlchef sogar dazu auf, den Einsatz taktischer Atomwaffen in Erwägung zu ziehen.

„Warum setzen wir keine Atomwaffen ein?“

„Was muss noch geschehen, bevor wir wirklich kämpfen? Krieg bedeutet Sieg um jeden Preis. Die Ukrainer befinden sich im Krieg, also kämpfen sie mit allem, was sie haben“, sagte etwa der nationalistische Oligarch Konstantin Malofejew angesichts der jüngsten Angriffe auf Moskau und fügte hinzu: „Warum setzen wir keine Atomwaffen ein, die unsere Vorfahren mit der gesamten Macht der Nation genau für diesen Zweck entwickelt und gehortet haben?“

Der russische Blog „Besessen vom Krieg“, der mehr als 650.000 Leser hat, rief unterdessen dazu auf, ukrainische Großstädte durch Flächenbombardements unbewohnbar zu machen. Bislang hat sich der Kreml den Forderungen der russischen Hardliner nach einem Abbruch aller Friedensgespräche widersetzt. Hochrangige Regierungsbeamte erklärten kürzlich jedoch, die Gespräche mit den USA seien zu keinem Ergebnis gekommen. 

Wladimir Putin bleibt auf Kriegskurs

Auch Kremlchef Putin hat die Forderungen der Kriegsblogger und Falken in Moskau bisher nicht in die Tat umgesetzt – der russische Machthaber scheint jedoch weiterhin von seinem Kriegskurs überzeugt zu sein. Noch in dieser Woche berichtete Putin von neuen Erfolgen bei seinem Vorhaben, die gesamte ukrainische Donbass-Region einzunehmen. „Am Ende wird alles gut werden“, sagte Putin vor Absolventen einer Militärakademie.

Auch Experten sehen den Kremlchef weiter auf Kriegskurs: „Die Eskalationsspirale dreht sich weiter. Putin kämpft nicht um sein Überleben, er hat noch genug Ressourcen, um diesen Krieg eine ganze Weile weiterzuführen“, erklärte etwa Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik gegenüber „Focus Online“. Die Unsicherheit in Russland wachse zwar spürbar, eine „Alternative zu Putin“ gebe es jedoch weiterhin nicht. 

Auch der Russland-Experte Matthäus Wehowski sieht keinen Kurswechsel in Moskau. „Der Kreml will nicht nur Territorien, sondern die politische Kontrolle über die Ukraine“, schrieb Wehowski auf der Plattform X angesichts der jüngsten Signale aus Moskau. Gleichwohl verliere Russland nun „zunehmend die Kontrolle über die okkupierte Krim“, stellte Wehowski fest. (mit dpa)