Biarritz/Brasília – Die sieben führenden westlichen Industriestaaten wollen den Kampf gegen die Waldbrände im Amazonasgebiet unterstützen. Die finanzielle und technische Hilfe der G7-Gruppe solle den betroffenen Ländern „so schnell wie möglich“ zugutekommen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Rande des Gipfeltreffens der Staatengruppe am Sonntag in Biarritz.
Im ökologisch wichtigen Amazonasgebiet lodern derzeit tausende Waldbrände, vor allem Brasilien ist betroffen. Macron verwies darauf, dass das Amazonas-Anrainerland Kolumbien am Morgen die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten habe. „Deswegen müssen wir uns bereit zeigen“, sagte er in Biarritz. Die G7-Länder stünden „mit allen Ländern des Amazonasgebiets“ in Kontakt. In den Gesprächen gehe es nun darum, die Details der technischen und finanziellen Hilfen festzulegen. Geplant sei ein „internationaler Mobilisierungsmechanismus“.
Zusätzliches Geld aus Brasília
Die brasilianische Regierung stellt für die Bekämpfung der Brände zusätzliches Geld zur Verfügung. Das Wirtschaftsministerium habe mit sofortiger Wirkung 38,5 Millionen Reais (8,3 Mio Euro) freigegeben, berichtete das Nachrichtenportal G1 in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit).
Damit sei einer Anforderung des Verteidigungsministeriums entsprochen worden. Am Samstag hatte ein Militäreinsatz im Amazonasgebiet begonnen. Die Soldaten sollen bei den Löscharbeiten helfen und Brandstifter verfolgen.
Diplomatische Spannungen zwischen Bolsonaro und Europa
Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach aktualisierten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. Insgesamt wurden mehr als 79.000 Brände registriert.
Um die verheerenden Brände hatte es in den vergangenen Tagen diplomatische Rangeleien gegeben. Brasilien hatte empört auf Macrons Ankündigung reagiert, die Katastrophe auf dem G7-Gipfel zu thematisieren. Brasilien selbst ist dort nicht präsent, der rechte Präsident Jair Bolsonaro warf Macron deswegen eine „kolonialistische Mentalität“ vor.
Macron ließ daraufhin mitteilen, er fühle sich von Bolsonaro in Fragen des Klimaschutzes belogen. In Biarritz betonte Macron, dass die „nationale Souveränität“ der betroffenen Länder gewahrt bleiben solle. Bei den Waldbränden am Amazonas gehe es aber auch um Fragen von internationalem Belang - um „Biodiversität, um Sauerstoff, um den Kampf gegen die Erderwärmung“. Er verwies darauf, dass Frankreich durch sein südamerikanisches Übersee-Département Französisch-Guayana selbst zu den betroffenen Staaten zähle. (dpa/afp)
