„Leben nicht weniger wert“Über 230 Theologen protestieren gegen Segnungsverbot

Lesezeit 2 Minuten
Neuer Inhalt

Eine Regenbogenfahne schmückt die Pfarrkirche in Breitenfeld/Österreich. Auch in weiteren Ländern gibt es Kritik am Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Partnerschaften. (Symbolbild)

Münster – So etwas hat es in der katholischen Kirche lange nicht mehr gegeben: Mehr als 230 Theologieprofessoren und -professorinnen aus dem deutschen Sprachraum protestieren in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare. 

Vorwurf des Paternalismus und Diskriminierung homosexueller Menschen

Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei „von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt“ und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe, kritisieren die Experten. „Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Die von einer Arbeitsgruppe der Universität Münster entworfene Stellungnahme war bis Montagnachmittag von 233 Theologieprofessoren unterzeichnet worden. Die römische Glaubenskongregation hatte am Montag vergangener Woche klargestellt, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürften, da dies „objektiv“ nicht Gottes Wille sei.

Der konservative Bischof von Passau, Stefan Oster, hatte danach erklärt, er sei dankbar für die Klarstellung und verbinde damit „die Hoffnung, dass sie Orientierung gibt, die angenommen wird, und damit auch größere Einmütigkeit befördert“. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil eingetreten: Das Vorgehen des Vatikans hat in der katholischen Kirche in Deutschland einen Proteststurm entfacht. 

Der mittlerweile 92 Jahre alte Hünermann, ein einflussreicher Dogmatiker, ist auch diesmal wieder einer der Unterzeichner.

Bekannte Namen unter den Theologen

Weitere bekannte Namen unter der Stellungnahme sind unter anderem Julia Knop und Gregor Maria Hoff, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Dogmatik und Fundamentaltheologie, Johanna Rahner, Vorsitzende des Katholischen Fakultätentags, der Münchner Fundamentaltheologe Thomas Schärtl-Trendel, der Neutestamentler Michael Theobald aus Tübingen und der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf.

Auch mehrere Vertreter kirchlicher Hochschulen haben unterzeichnet, darunter Jesuiten aus St. Georgen und Lehrende von den katholischen Hochschulen in Eichstätt und Linz. (dpa)

Nachtmodus
Rundschau abonnieren