Die Pläne der AfD, eine Halle zu kaufen, sind geplatzt. Es ist nicht das einzige Immobilien-Projekt, das auffällt: Die Landesgeschäftsstelle zieht um.
Immobilien-ProjekteWieso die AfD in NRW nun doch keine Halle kauft

Listenaufstellung der AfD im Eventzentrum NRW in Marl
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Fast so schnell, wie die Pläne für das Immobilien-Projekt der AfD aufkamen, waren sie schon wieder vom Tisch. Noch im Juli bat der NRW-Landesverband seine Mitglieder in einem Brief um Spenden. Unterzeichner: Landesparteichef Martin Vincentz und Schatzmeister Christian Blex.
Man habe eine konkrete Möglichkeit, eine Halle für Parteiveranstaltungen zu kaufen. Drei Millionen Euro solle die Immobilie kosten. Eine Million wolle die AfD NRW über Spenden finanzieren. Sollte das klappen, „wird uns auch die Bundespartei in geeigneter Weise mit einem Darlehen unterstützen“, hieß es weiter in dem Schreiben.
Offenbar hoffte man in der AfD, außerhalb von Parteitagen Geld mit der Vermietung der Halle einzunehmen. Es war ein ungewöhnlicher Plan. Parteien mieten in der Regel Veranstaltungshallen für Parteitage, sie kaufen sie nicht. Die NRW-AfD hielt Parteitage zuletzt im Eventzentrum NRW in Marl ab – zum Unmut eines Teils ihrer Mitglieder. Zu wenige Parkplätze, zu trist, zu teuer, murrten manche Delegierte.
Auf der Suche nach Alternativen steht die AfD jedoch vor einem Problem: Nur wenige Betreiber möchten an eine in Teilen rechtsextreme Partei vermieten. Manche wollen ihr aus persönlicher Ablehnung keine Räume zur Verfügung stellen, andere befürchten einen Reputationsschaden und Geschäftsrisiken.
Vorerst muss die AfD NRW nun wahrscheinlich im Eventzentrum bleiben. Sie wird keine Hallenbesitzerin. Denn die Bundesspitze in Berlin hatte dem Immobilienprojekt offenbar nie verbindlich zugestimmt.
Bundes-AfD gibt kein Darlehen für Halle in NRW
Mitte August schickte die NRW-AfD eine Richtigstellung per Mail an ihre Mitglieder. Zum Zeitpunkt des Briefversands habe es keinen Beschluss des Bundesvorstands über ein Darlehen an den Landesverband gegeben. „Ebenso bestand weder eine verbindliche Darlehenszusage noch eine Darlehensvereinbarung zwischen dem AfD-Bundesverband und dem AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen.“
Der Landesverband spricht von einem „Missverständnis“. „Dem Versand des Schreibens gingen in den letzten anderthalb Jahren konstruktive Beratungen zwischen der Landesgeschäftsstelle und dem ehemaligen Bundesschatzmeister Carsten Hütter voraus.“ Dabei sei der falsche Eindruck entstanden, eine Unterstützung durch ein Darlehen des AfD-Bundesvorstands sei bereits zugesagt. „Dies war nicht der Fall.“
Hütter wurde auf dem Bundesparteitag im Juli nicht wiedergewählt. Sein Nachfolger Hannes Gnauck gehört zum Lager um Parteichefin Alice Weidel, das eine Mehrheit im AfD-Bundesvorstand stellt. Mit dieser Mehrheit hatte sich die NRW-AfD im Juli überworfen. Allein deshalb scheint ein Millionen-Darlehen aus Berlin auch in Zukunft unwahrscheinlich. Ein Sprecher der NRW-AfD teilte auf Anfrage mit: „Die Überlegungen zum Erwerb einer eigenen Halle werden derzeit nicht weiterverfolgt.“
Großspenderin soll womöglich Vermieterin für die AfD werden
Es ist nicht das einzige Immobilien-Vorhaben, das derzeit in der NRW-AfD kursiert. Die Landesgeschäftsstelle zieht offenbar um. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ liegt der Entwurf eines Mietvertrags vor für ein Gebäude in Düsseldorf-Lohausen, in Flughafennähe am Rande eines Gewerbegebiets. 10.500 Euro Kaltmiete monatlich, Vertragslaufzeit: 10 Jahre. Die potenzielle Vermieterin will demnach das Gebäude bis Ende des Jahres für zwei Millionen Euro erwerben und anschließend an die AfD vermieten. Auffällig ist der Name der dort genannten Interessentin: Es handelt sich um Daniela End, eine Großspenderin an die AfD. 2025 gab sie der Partei 50.000 Euro.
Auf Nachfrage bestätigt die NRW-AfD Umzugspläne. Der Mietvertrag für die derzeitige Landesgeschäftsstelle laufe bald aus, von einer Verlängerung könne nicht ausgegangen werden. Die Suche nach einem neuen Gebäude sei noch nicht abgeschlossen und „nicht auf das von Ihnen genannte Objekt beschränkt“, so ein Sprecher. „Für eine neue Immobilie wurde bislang kein Mietvertrag unterzeichnet.“ Die Suche nach geeigneten Vermietern sei gerade für die AfD keine Selbstverständlichkeit.
Daniela End spendet für die AfD
Daniela End sei eine „großzügige Unterstützerin der AfD NRW“, schreibt die AfD weiter. „Auf die Herausforderungen bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten angesprochen, hat sie freundlicherweise in Aussicht gestellt, sich grundsätzlich auch ein Mietverhältnis zu günstigen ortsüblichen Konditionen vorstellen zu können.“ Einen Interessenkonflikt aufgrund ihrer früheren Spenden sehe die Partei nicht. „Ihre Unterstützung unserer Arbeit war zu keinem Zeitpunkt an Bedingungen gekoppelt.“ Sollte es zu einem Mietverhältnis kommen, seien die „Eignung der Immobilie und wirtschaftlich angemessene Konditionen maßgeblich“.
Die Immobilien der AfD bergen seit Langem Konfliktpotenzial. Zuletzt landete ein Streit zwischen der AfD und dem Vermieter, in dem ihre Bundesgeschäftsstelle sitzt, vor Gericht. Der österreichische Immobilienunternehmer Lukas Hufnagl hatte der AfD fristlos gekündigt, weil sie am Abend der Bundestagswahl eine Party mit Hunderten Gästen im Innenhof schmiss. Hufnagl sah darin einen Bruch des Mietvertrags sowie eine Möglichkeit, die AfD loszuwerden, und strengte eine Räumungsklage an. Die AfD zog vor das Landgericht Berlin, das den Rauswurf bestätigte, der Partei aber ein Jahr Zeit einräumte, um eine neue Bleibe zu finden.