Was hat Sie an der Ausstellung besonders beeindruckt?
Sie zeigt, wie wir in unserem Land mit Migration umgegangen sind, was wir zum Teil ganz gut gemacht haben, zum Beispiel Wohnungen zu schaffen oder den Menschen das Erlernen der Sprache zu ermöglichen. Wer will, kann hier im Haus der Geschichte auch eine Anschauung finden, wie wir ein modernes Einwanderungsgesetz in Deutschland gestalten und formulieren können. Denn das brauchen wir. Von daher hoffe ich, dass viele nach Bonn kommen und sich die Ausstellung anschauen. Hier können sie etwas aufnehmen.
Sollten jene, die in Dresden demonstrieren, auch herkommen?
Sie sollen wissen, dass es diese Ausstellung gibt. Sie bietet ihnen die Möglichkeit, viel zu erfahren und mehr kennenzulernen von Menschen, die zu uns gekommen sind, weil sie zum Beispiel in Not waren und hier Hilfe gesucht und auch gefunden haben. Wenn das mehr an sie herangetragen wird, so glaube ich, werden sie auch offener sein für eine Diskussion, wie man sich in Deutschland bemüht hat, Fremde aufzunehmen. Das wäre ein wichtiger Schritt, eine offene Diskussion mit allen Menschen in unserem Land zu führen.
Ist Pegida demzufolge eine Bewegung der Unwissenden?
Ich bin gegen jede pauschale Qualifizierung, möchte aber doch meinen, dass häufig schlicht ein Mangel an Kenntnissen, auch von Details, zu pauschalen Urteilen bei den Demonstranten führen kann. Es gibt sehr gute Gründe, warum Menschen, die andere kulturelle Wurzeln haben, heute bei uns sind. Diese Menschen haben unserem Land oft viel gegeben. Und es muss vielleicht manchmal noch besser vermittelt werden, dass es ohne Zuzug weiterer Menschen nicht möglich sein wird, unseren Wohlstand in Zukunft zu erhalten.
Wie fanden Sie, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ihrer Neujahrsansprache die Bürger aufgerufen hat, nicht zu den Demonstrationen zu gehen?
Ich bin froh, dass es die Kanzlerin so deutlich ausgedrückt hat: Es gibt radikale Stimmen, die müssen eindeutig einen Widerstand bekommen. Was ich für wichtig halte, ist, dass man den vielen, die auch da mitdemonstrieren, eine Gelegenheit gibt, ihre Bedenken, Sorgen und Ängste anzuhören.
Ich finde, wir müssen uns in diesem Land alle gegenseitig besser zuhören.
