Die USA erlauben kurzfristig den Kauf von russischem Öl. Während Moskau jubelt, wird im Westen scharfe Kritik an Washington laut.
Trotz Berichten über Hilfe für IranTrump stützt Putin – Jubel in Moskau und Empörung im Westen

US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
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Die Berichte über heimliche Hilfe aus Moskau für die iranische Armee scheinen die US-Regierung nicht zu beeindrucken – mit der jüngsten Entscheidung in Washington wird nun Russlands Kriegskasse gefüllt: Die USA erlauben angesichts des stark gestiegenen Ölpreises Ländern zeitlich befristet den Kauf von derzeit per Schiff transportiertem russischen Öl. Das teilte US-Finanzminister Scott Bessent auf der Plattform X mit. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll bis 11. April gelten – und bedeutet für Moskaus gebeutelte Wirtschaft einen Segen.
Denn Russland, das seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, dürfte damit kurzfristig seine Einnahmen aus dem Rohöl-Verkauf steigern können. Bessent argumentierte jedoch, Russland werde von dieser „eng gefassten“ Ausnahme nicht in bedeutender Weise finanziell profitieren.
Auswirkungen des Iran-Kriegs: USA erlauben Kauf von russischem Öl
Es gibt seit Jahren Sanktionen der USA, die den russischen Ölsektor betreffen. Auch deswegen ist Moskau für den Export auf hoher See häufig auf sanktionierte Schiffe angewiesen, die zur sogenannten Schattenflotte gehören. Länder und Unternehmen, die mit ihnen Geschäfte machen, könnten im Normalfall selbst Gefahr laufen, Ziel von Sanktionen zu werden.
Die globalen Energiemärkte sind infolge des Iran-Kriegs sehr volatil, die Preise für Öl und Gas sind seit Kriegsbeginn vor knapp zwei Wochen zuletzt stark angestiegen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Straße von Hormus – einer Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, durch die normalerweise ein bedeutender Teil des globalen Ölhandels verläuft. Der Schiffsverkehr dort ist nahezu zum Erliegen gekommen.
Jubelstimmung und Attacken auf Europa in Moskau
Die Reaktionen aus Russland wecken unterdessen erhebliche Zweifel an Bessents Behauptung, dass Moskau von der US-Entscheidung nicht profitieren werde. Bei Kirill Dmitrijew, einem Sondergesandten von Kremlchef Wladimir Putin, herrschte angesichts der Nachrichten aus den USA jedenfalls Jubelstimmung.
„Russische Energie ist unverzichtbar zur Bewältigung der weltweit größten Energiekrise“, schrieb Dmitrijew bei X und nutzte die Gelegenheit prompt für eine Attacke auf Europa. „Die EU-Bürokraten werden bald gezwungen sein, diese Realität anzuerkennen, ihre strategischen Fehler einzugestehen und Buße zu tun.“
Russland laut Analysten großer Gewinner des Iran-Kriegs
Auch ein Bericht der „Financial Times“ deutet darauf hin, dass Russland bisher der große Gewinner des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran sein könnte. „Russland erzielt durch seine Ölverkäufe zusätzliche Haushaltseinnahmen von bis zu 150 Millionen Dollar pro Tag und ist damit der größte Gewinner des Konflikts im Nahen Osten“, schreibt die Zeitung in einer aktuellen Analyse.
Demnach hat Russland bisher „schätzungsweise 1,3 bis 1,9 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen aus Ölexporten erzielt“, heißt es weiter. Bis Ende März – so die Prognose anhand von Branchenzahlen und Experteneinschätzungen – könne Moskau zusätzliche Einnahmen in Höhe von 3,3 bis 4,9 Milliarden US-Dollar erzielen – für Putins Kriegskasse ein unerwarteter Geldsegen.
„Der US-Präsident füllt die Kriegskassen des Kremls“
Entsprechend groß ist der Ärger bei Kremlgegnern und Trump-Kritikern. „Während Putin dem Iran dabei hilft, Amerikaner im Nahen Osten ins Visier zu nehmen, füllt der US-Präsident jetzt die Kriegskassen des Kremls“, schrieb etwa die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen. „Statt die angeschlagene russische Wirtschaft zu belasten, beschert der schlecht geplante Krieg des Präsidenten Putin einen unerwarteten Geldsegen, während amerikanische Familien mit höheren Preisen konfrontiert werden“, fügte sie hinzu.
Andere Kritiker fassten sich kürzer: „Der große Gewinner von Trumps Iran-Krieg? Russland“, schrieb etwa der demokratische Kongressabgeordnete Brendan Boyle bei X. Deutliche Worte kamen unterdessen auch von Russland-Kenner Michael McFaul. „Einfach nur verrückt“, sei die Entscheidung, schrieb der ehemalige US-Botschafter in Moskau.
„Der bisherige Gewinner von Trumps Krieg im Iran ist Putin“
„Der Präsident der Vereinigten Staaten sollte die amerikanischen Nationalinteressen vertreten, nicht die russischen“, kritisierte McFaul weiter. Mit dem Krieg gegen den Iran habe Trump dem Kremlchef einen „Rettungsring“ zugeworfen, hieß es zudem in weiteren Beiträgen des Ex-Botschafters. „Der bisherige Gewinner von Trumps Krieg im Iran ist Putin“, lautete auch bei McFaul das Fazit.
Auf ein Bild statt viele Worte setzte unterdessen Trumps derzeit lautstärkster Widersacher: Gavin Newsom, der Gouverneur von Kalifornien. Der Demokrat gilt als aussichtsreicher Kandidat bei den nächsten US-Wahlen – und liefert sich seit Wochen heftige Scharmützel mit dem US-Präsidenten.
Auf einen schriftlichen Kommentar zu der für Russland hilfreichen Entscheidung verzichtete Newsom nun – stattdessen veröffentlichte sein Presseteam ein offensichtlich mit KI generiertes Bild mit klarer Aussage. Dort ist Kremlchef Putin zu sehen, wie er auf einer verschneiten Straße Gassi geht. Statt eines Hundes ist jedoch ein kriechender Trump an seiner Leine zu sehen.
Kremlkritiker Kasparow flüchtet sich in Sarkasmus
Der russische Kremlgegner Garri Kasparow flüchtete sich unterdessen in Sarkasmus. „Falls ihr dachtet, meine regelmäßigen Beiträge à la ‚Nur Trump kann Putin retten‘ wären ein Witz – bitteschön“, kommentierte Kasparow die Entscheidung der US-Regierung bei X.
Dass Russland gleichzeitig den Iran mit Geheimdienstinformationen versorgt, die dazu dienen, die US-Armee im Nahen Osten zu bekämpfen, scheint im Weißen Haus unterdessen weiterhin auf Ignoranz zu stoßen.
US-Medien: Moskau unterstützt Iran mit Geheimdienstinformationen
Nachdem Trumps Sondergesandter Steve Witkoff verkündet hatte, dass der Kreml bestritten habe, den Iran zu unterstützen, und man diesen Angaben Glauben schenken könne, erklärte inzwischen auch der amerikanische Nato-Botschafter Matthew Whittaker, dass es keine Beweise für eine russische Unterstützung gebe. Zuvor hatten mehrere US-Medien unabhängig darüber berichtet, dass Moskau dem Iran mit Geheimdienstinformationen zur Hilfe geeilt sei.
Auch kurz vor der Entscheidung der US-Regierung hat es am Donnerstag erneut entsprechende Berichte gegeben. „Moskau stellt dem Iran derzeit verschiedene Formen von Geheimdienstinformationen zur Verfügung, darunter Satellitenbilder und Informationen über Drohnenzieltaktiken, um dem Iran zu helfen, die US-Streitkräfte in der Region anzugreifen, so Personen, die mit US-amerikanischen und westlichen Geheimdiensten vertraut sind“, hieß es etwa in einer Analyse der US-Nachrichtenagentur Bloomberg.
