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Satellitenbilder zeigen Putins Augen und OhrenRussland baut gewaltige Anlagen an der NATO-Grenze

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Satellitenbilder zeigen eine Radaranlage in der Oblast Kaliningrad: Sie hat einen Durchmesser von rund 1,6 Kilometern.

Satellitenbilder zeigen eine Radaranlage in der Oblast Kaliningrad: Sie hat einen Durchmesser von rund 1,6 Kilometern.

Russland baut seine Exklave Kaliningrad zur Festung aus. Neue Spionageanlagen dienen als Putins Augen und Ohren, um die NATO auszukundschaften.

Satellitenbilder legen gewaltige Radarsysteme in der russischen Exklave Kaliningrad offen. Diese Einrichtungen sind in der Lage, tief in europäisches Gebiet zu blicken.

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 verschärft sich die Lage im baltischen Raum sowie in Nordeuropa. Wiederholt finden Provokationen durch russische Kampfflugzeuge in der Nähe der NATO-Luftraumgrenze statt. Zugleich wird vermutet, dass Drohnen und Schiffe bedeutende Infrastruktureinrichtungen auskundschaften.

Eine eindringliche Warnung äußerte unlängst Vizeadmiral Axel Deertz, der Befehlshaber der deutschen Marine, auf dem Kiel International Seapower Symposium (KISS). Er thematisierte die zunehmende „Aggressivität im Ostseeraum“ und erklärte: „Es muss sich jetzt keiner Sorgen machen, dass er morgen angegriffen wird. Aber wir müssen die Augen eben aufhalten.“

Wie sehr Russland bereits die Augen und Ohren offenhält, wird kurz hinter der Grenze zu Kaliningrad deutlich. Die russische Exklave wird immer mehr zu einer stark befestigten Festung ausgebaut und von Präsident Wladimir Putin gern als sein „Außenposten im Westen“ betitelt. Russland verwendet diesen strategischen Ort nicht nur zur Stationierung von Truppen und Waffensystemen, sondern ebenso für Aufklärungsoperationen unter Einsatz modernster Technik.

Hochmoderne Radartechnik mit großer Reichweite

Aktuelle Satellitenbilder zeigen den Bau neuartiger Radarsysteme, darunter des „Container-Radars“ im Gebiet Kaliningrad. Diese moderne Form der russischen Radartechnik soll in der Lage sein, Hyperschallraketen sowie Marschflugkörper in einer Entfernung von 3000 Kilometern zu erfassen, und praktisch einen Blick „hinter den Horizont“ zu gewähren. Russland wäre damit fähig, den Luftraum über Gebieten bis nach Island, Spanien und sogar Tunesien zu überwachen, und kann etwa Starts von Kampfflugzeugen erfassen.

Aufnahmen aus dem All zeigen das Bauvorhaben zwischen Litauen und Polen. Die Errichtung des Senders erscheint bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Russland unterhält in den Gebieten Amur und Mordwinien bereits zwei ähnliche Anlagen. Ziel sei laut der russischen Nachrichtenagentur TASS ein geschlossenes Radar-Netzwerk entlang der russischen Grenze. Das Land plant dafür vergleichbare Stationen auch in der Arktis.

Blick auf die Anlage eines Woronesch-Radars in der Region Kaliningrad.

Blick auf die Anlage eines Woronesch-Radars in der Region Kaliningrad.

Ergänzt werden die gigantischen Antennensysteme von sogenannten Woronesch-Radargeräten. Dabei handelt es sich um Frühwarnsysteme, die an strategisch bedeutsamen Standorten wie Murmansk, St. Petersburg und eben Kaliningrad errichtet wurden. Auch sie ermöglichen die Luftraumüberwachung vor Angriffen mit ballistischen Raketen und die Überwachung von Flugzeugen über Tausende Kilometer hinweg.

Die in Kaliningrad installierte Variante (Woronesch-DM) wird als besonders leistungsfähig eingestuft. Sie soll fähig sein, Objekte von der Dimension eines Fußballs sogar aus einer Distanz von 8000 Kilometern zu identifizieren.

Ringförmige Antennenanlage mit 1,6 Kilometer Durchmesser

Ein weiterer gigantischer Antennenkomplex liegt in der Nähe der polnischen Ostgrenze, nur rund 25 Kilometer entfernt. Die Anlage wurde von Analysten des Projekts „Tochnyi“ bewertet. Aufgrund ihrer gigantischen Ausmaße erregte die Anlage früh die Aufmerksamkeit der Experten: Die sogenannte Circularly Disposed Antenna Array (CDAA), auch Wullenweber-Antenne genannt, ist mit 1,6 Kilometern Durchmesser die größte ihrer Art.

Tief in einem dichten Wald in Kaliningrad, nur 25 Kilometer von der polnischen Ostgrenze entfernt, befindet sich diese kreisrunde Radaranlage.

Tief in einem dichten Wald in Kaliningrad, nur 25 Kilometer von der polnischen Ostgrenze entfernt, befindet sich diese kreisrunde Radaranlage.

Die Einrichtung soll in der Lage sein, Funksignale aus allen Richtungen gleichzeitig zu erfassen, ihre Herkunft zu lokalisieren und sie über Entfernungen von bis zu 7400 Kilometern abzufangen. Dies ermöglicht eine Überwachung, die sich über ganze Kontinente erstreckt. Derartige Systeme werden vom Militär oder von Nachrichtendiensten genutzt und erlauben neben der elektronischen Aufklärung auch die Kommunikation mit Unterseebooten.

Eine Abfolge von Sentinel-2-Satellitenaufnahmen dokumentiert den Beginn der Bauarbeiten im Frühling 2023, die mit der Abholzung des Waldes und der Errichtung einer Zufahrt starteten. Im Juli 2025 war der Baufortschritt so weit, dass die Installation sechs konzentrische Antennenringe, eine Umzäunung mit einem Kontrollpunkt sowie diverse Wege aufwies. Nach Einschätzung von „Tochnyi“ ist der Standort ideal gewählt, um die elektronische Nachrichtenübermittlung der NATO im osteuropäischen und baltischen Raum zu observieren. (mg)