Wie politisch darf die Kirche sein? Beim Katholikentag in Würzburg suchen Kirche und Politik nach einer gemeinsamen Linie.
Kirche soll sich einmischenPolitiker und Bischöfe debattieren auf dem Katholikentag

Würzburg ist Gastgeber für den Katholikentag.
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Beim Katholikentag in Würzburg wird die politische Rolle der Kirche verhandelt. Während aus der Politik Appelle zur Zuversicht kommen, stellt sich die Frage nach den Grenzen kirchlicher Einmischung.
In einer für Kirche sowie die Gesellschaft turbulenten Phase richtet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) seinen Katholikentag in Würzburg aus. In der mainfränkischen Metropole, wo das kirchliche Leben noch relativ intakt erscheint, waren es insbesondere politische Vertreter, die Optimismus signalisierten. So mahnte etwa Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU): „Die Polarisierung ist eine unserer größten Krankheiten“.
Passivität und das ständige Beklagen der Situation in Deutschland seien keine Lösung. Vielmehr komme es speziell für Politiker darauf an, Zuversicht auszustrahlen, um die Gesellschaft zu stabilisieren. „Ansonsten gewinnen die, die die Polarisierung vorantreiben“, konstatierte Dobrindt.
Appell zur Verteidigung der Demokratie
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ergriff bei seinem letzten Katholikentag im Amt ebenfalls die Gelegenheit, die Bevölkerung zu ermutigen. Vor über eintausend Anwesenden erklärte er: „Die Demokratie geht nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Nötig sei „so etwas wie gesellschaftliche Gegenwehr“, etwa gegenüber extremistischen Tendenzen oder systemkritischen Parteien. Vertreter der AfD, die in diesem Zusammenhang erwähnt wurde, hatte man zu der fünftägigen Großveranstaltung gezielt nicht zugegen sein lassen.
Die Auseinandersetzung um den Grad der politischen Einmischung der Kirche hatte schon im vergangenen Jahr für Diskussionen gesorgt. Auslöser waren kritische Äußerungen von Kirchenvertretern zur Migrationspolitik der Union, auf die Politiker der Partei teilweise scharf antworteten.
Wünsche an eine „lautere“ Kirche
Dobrindt formulierte auf dem Katholikentag nun präzise Erwartungen: „Ich würde mir beim Lebensschutz eine viel lautere Stimme der Kirche wünschen.“ Im Bereich Klimaschutz agiere die Kirche jedoch eher wie eine „Klimareligion“. Generell erhoffe er sich in zahlreichen Anliegen eine vernehmbarere Kirche, weil diese eine erhebliche integrative Kraft in der Gesellschaft besitze.
Die Präsidentin des Bundestages, Julia Klöckner (CDU), äußerte die Auffassung, dass Kirchen sich nicht permanent am Zeitgeist orientieren sollten. „Viele Menschen erwarten von der Kirche vor allem spirituelle Impulse, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit“, zitierte die „Augsburger Allgemeinen“ die Politikerin. Eine fortwährende Anpassung an neue Strömungen führe zum Verlust des Alleinstellungsmerkmals der Kirche. Ihre Aufgabe sei es stattdessen, Orientierung in fundamentalen Fragen des Lebens zu geben.
Bevölkerung gespalten über politische Rolle des Papstes
Eine Betrachtung der Situation in Rom offenbart, dass Papst Leo XIV. deutliche politische Positionen nicht meidet. Er setzt sich für den Frieden ein, thematisiert Armut und macht auf die Gefahren von KI aufmerksam. Seine konfrontative Haltung gegenüber US-Präsident Donald Trump stößt in Deutschland auf positive Resonanz.
Einer repräsentativen Erhebung des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zufolge begrüßt über die Hälfte der deutschen Bevölkerung die politischen Stellungnahmen von Leo XIV. 46 Prozent der Umfrageteilnehmer halten es für korrekt, wenn der Papst sich prinzipiell zu politisch relevanten Sachverhalten äußert. Zusätzliche 25 Prozent meinen, seine Kommentare sollten auf spezifische Themen wie Krieg und Frieden beschränkt sein. Dagegen sind 17 Prozent der Ansicht, der Papst solle von politischen Äußerungen absehen, und 12 Prozent äußerten keine Präferenz. Die Online-Befragung von 2.179 Personen fand vom 8. bis zum 11. Mai statt.
„Wir müssen uns einmischen“
In seiner Predigt vor der Residenz in Würzburg sprach der gastgebende Bischof Franz Jung eine deutliche Warnung vor der religiösen Legitimation von Gewalt aus. Er sagte: „Überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet.“

Bischof Jung spricht im Gottesdienst.
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Die Kirche engagiere sich für den Schutz des Lebens, was Ungeborene ebenso einschließe wie Kranke, Menschen mit Behinderungen und Sterbende.
Die Präsidentin des ZdK, Irme Stetter-Karp, betonte bei der Eröffnung, dass es die Aufgabe von Christen sei, „nicht hinter Kirchentüren zu verschwinden“. Das Motto der Veranstaltung – „Hab Mut, steh auf!“ – interpretiere sie als Aufforderung: „Wir müssen uns einmischen.“ Eine Kirche, die für Menschenwürde und Solidarität eintrete, sei zwangsläufig eine politische Kirche. (dpa/red)
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