In Kellern und Garagen: Eine „Druckarmee“ versorgt die Ukraine mit wichtigen Bauteilen aus dem 3D-Drucker.
Die deutsche Drucker-ArmeeFreiwillige helfen der Ukraine mit Teilen aus 3D-Druckern

Freiwillige aus Deutschland haben Taschenlampen für ukrainische Einsatzkräfte entwickelt.
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In ganz Deutschland fertigen Freiwillige mit 3D-Druckern Bauteile für die ukrainische Armee. In Kellern und Garagen entsteht so Material, das im Kampf gegen Russland dringend gebraucht wird.
Auch in Deutschland ist eine ukrainische Armee präsent: Unter dem Namen „Drukarmija“ (Druckarmee) firmiert eine Organisation von Freiwilligen. Deren Mitglieder fertigen mit 3D-Druckern in großen Mengen kleine Komponenten aus Kunststoff an. Gedruckt wird nahezu alles, was ukrainische Streitkräfte und Rettungsdienste für die Verteidigung gegen die russische Invasion benötigen: Zubehör für Drohnen, Abdeckkappen, Halterungen für Tablets, Gehäuse für Akkus und Leuchten sowie Sanitätsmaterial.
Ehrenamtliche wie Chris, Yevhen oder Meister Will nehmen in Deutschland Druckaufträge an. Sie verwenden in ihrer Online-Kommunikation aus Sicherheitserwägungen Decknamen. Was treibt Chris an, sich für die Ukraine einzusetzen? «Für mich ist das eine Frage der Gerechtigkeit», äußert der Handwerker. Nach dem Einmarsch russischer Streitkräfte im Februar 2022 half er zuerst Geflüchteten. Anschließend suchte er nach einer Möglichkeit, weiterhin Unterstützung zu leisten, die über Geldspenden hinausging. «Da bin ich beim 3D-Druck hängengeblieben.»
Hoher finanzieller Einsatz der Helfer
In seiner Werkstatt sind vier Maschinen pausenlos im Einsatz. «Ich bin einer, der viel druckt», berichtet Chris. Jede Woche entstehen so 10 bis 15 Kilogramm an Bauteilen. Dies ist mit erheblichen Kosten verbunden, doch er betrachtet es als seinen persönlichen Beitrag zur ukrainischen Verteidigung. «400 bis 500 Euro im Monat sind das bei mir locker.»

Plastikrohstoff aus der Ukraine, Druck in Deutschland: Gehäuse für Powerbanks.
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Die Unterstützung für die Ukraine fing auch für Meister Will mit der Unterbringung von Geflüchteten an. Der Ingenieur erfuhr von Drukarmija und erinnerte sich an seinen 3D-Drucker im Keller. «Nun lasse ich ihn für einen guten Zweck laufen.» Er begründet sein Mitwirken damit, dass die Ukraine ebenfalls Deutschland vor der «diktatorische Regierung Russlands» schütze. «Es geht darum, unsere Freiheit zu bewahren.»
Soldaten ordern Bauteile über eine Online-Plattform
Zwar ist Drukarmija nicht die alleinige 3D-Druck-Initiative in der Ukraine, laut den Informationen auf ihrer Internetseite jedoch die umfangreichste. Mitbegründer Jake (Jewhen) Wolnow gibt an, dass die Organisation beinahe 3.000 aktive Drucker mit ungefähr 7.000 Maschinen zählt. Davon beteiligen sich circa 600 Personen aus dem Ausland. «Der deutsche Hub ist einer der größten.»

Drukarmija (Druckarmee) nennt sich selbst die größte 3D-Druck-Initiative der Ukraine.
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Wolnow koordiniert die Drucker-Armee von einem Bunker in Kiew aus. Die Organisation agiert ähnlich einem Webshop, jedoch ohne Kosten. Frontsoldaten, Sanitäter oder Brandbekämpfer übermitteln ihre Anforderungen. Anschließend veröffentlichen sogenannte Kuratoren die Druckaufträge im Internet. Ehrenamtliche laden die entsprechenden Dateien für ihre Geräte herunter und beginnen mit der Fertigung. Die produzierten Komponenten werden an die Kuratoren gesendet, dort geprüft und im Anschluss an die Front weitergeleitet. Die Kunststoffteile aus Deutschland gelangen zumeist als zusätzliche Fracht in Kleintransportern oder Sammeltaxis in die Ukraine.
Reaktion auf Kritik aus der Rüstungsindustrie
Drukarmija ist eine von Tausenden zivilgesellschaftlichen Organisationen, deren ehrenamtliches Wirken das Fortbestehen der Ukraine im Krieg sichert. Gleichzeitig gehört sie zu einem innovativen Rüstungssektor mit Gründergeist. Armin Papperger, der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, bezeichnete dies kürzlich geringschätzig als «ukrainische Hausfrauen», welche in ihren Küchen Bauteile für Drohnen auf 3D-Druckern herstellen würden.
Darüber haben Wolnow und seine Mitstreiter gelacht. «Dieser Krieg hat gezeigt, dass millionenteures Gerät nichts taugt gegen eine Drohne, die nur 1.000 Dollar kostet», erklärt Wolnow. Der Zugang zu kostspieligen Waffensystemen ist für die Ukraine stark limitiert. Deshalb konstruiert sie Waffen, die anpassungsfähiger, preiswerter und in großer Menge verfügbar sind – wie die Drohnen, welche den russischen Vormarsch zunächst aufhielten.

Venensucher helfen Rettungskräften in der Ukraine, im Dunkeln die Venen von Verletzten zu finden.
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Deutsches Waffenrecht setzt klare Grenzen
Die ehrenamtlichen Helfer in Deutschland dürfen für Drukarmija nicht sämtliche Komponenten produzieren. «Wir geben keine Aufträge ins Ausland für Teile, die theoretisch als Waffen eingestuft werden könnten», stellt Wolnow klar. Probleme mit dem deutschen Kriegswaffenkontrollgesetz möchte niemand riskieren. Kunststoffkomponenten für Waffen und Munition werden daher in der Ukraine gefertigt – so lautet zumindest die offizielle Angabe.
Im Gegensatz dazu stammen Attrappen von Munition für Schulungszwecke sehr wohl aus Deutschland. Dazu gehören Panzerminen oder gefährliche Streumunition mit farbigen Kunststoffflügeln, die oft von Kindern aufgehoben werden. «Es geht darum, Zivilisten zu zeigen, dass man so etwas nicht anfasst», erläutert Yevhen. Er war an der Entwicklung solcher Modelle beteiligt, die beispielsweise in Schulen vorgeführt werden. Der aus der Ukraine stammende Informatiker, der heute in Süddeutschland lebt, druckt seit drei Jahren. «Ich habe nie gedacht, dass es diesen Krieg geben wird. Ich habe nie gedacht, dass ich daran teilnehmen werde. Das ist gegen meine Werte als Wissenschaftler», teilt er mit. «Aber ich kann nicht an der Seitenlinie stehen.»

Das Rotlicht eines Venensuchers hilft, die Venen zu erkennen.
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Ein kürzlich erteilter Auftrag umfasste Modelle von menschlichen Knochen, die Suchtrupps auf den Schlachtfeldern als Vergleichsmaterial dienen. In seiner Werkstatt präsentiert Chris orthopädische Hilfsmittel aus seinem Drucker. Soldaten mit amputierten Gliedmaßen erhalten dadurch Schutzabdeckungen für ihre Prothesen. Für das Projekt „Energy for Ukraine“ aus München fertigt Chris Kunststoffgriffe für Venenfinder. Mithilfe von Rotlicht können Sanitäter so auch bei Dunkelheit die Venen von Verletzten lokalisieren.
Recycelte Akkus für die Energieversorgung
«Wir entwickeln und bauen elektrische Hilfsgeräte für die Ukraine», berichtet Max Uzunov von „Energy for Ukraine“. Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen lötet er nicht nur Venenfinder, sondern auch Taschenlampen und Powerbanks. Der raue grüne Kunststoff für die Ummantelungen wird aus der Ukraine geliefert. In den Powerbanks finden wiederverwertete Akkus von E-Bikes Verwendung. «Das Hauptproblem ist, gebrauchte Akkus zu bekommen», erklärt Uzunov.
Die Ausrüstung wird genutzt, wenn ukrainische Rettungskräfte nach Luftschlägen Verwundete behandeln. Alternativ werden die Komponenten per Drohne über ukrainischen Positionen abgeworfen, um den Soldaten eine Stromquelle zu bieten. «Ich löte fast jeden Tag und verstehe, wofür das ist», sagt Uzunov. Eine Rückmeldung aus der Ukraine sei für ihn die größte Anerkennung: «dann ist das die Belohnung». (dpa/red)

Ständig in Bewegung: Der 3D-Drucker eines Freiwilligen stellt Plastikkleinteile für die Ukraine her.
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