In der Ukraine sind Hunderttausende von der Stromversorgung abgeschnitten. Dnipro hat es besonders hart getroffen.
„Nationaler Notstand“Hunderttausende haben in Kölns Partnerstadt Dnipro nach russischen Angriffen keinen Strom

Bei den russischen Attacken auf Dnipro wurden erneut Wohnhäuser zerstört.
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Russische Angriffe haben in der Nacht zu Donnerstag zu massiven Stromausfällen im Süden der Ukraine geführt. Die Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja waren nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums fast vollständig von der Stromversorgung getrennt. Noch etwa 800.000 Verbraucher waren demnach am Morgen im Gebiet Dnipropetrowsk weiterhin davon abgeschnitten. Reparaturarbeiten zur Versorgung mit Licht und Wärme dauerten den Angaben nach an.
Der Bürgermeister der Stadt Dnipro, Borys Filatow, verlängerte die Schulferien aufgrund der aktuellen Lage um zwei Tage. Er bezeichnete die Situation zudem als „technisch sehr schwierig“. Der Bürgermeister sprach von einem „nationalen Notstand“. „Dies war der erste vollständige Stromausfall in der gesamten Region seit Jahren“, sagte der Gouverneur des Gebiets Saporischschja, Iwan Fjodorow, laut „Kyiv Independent“. Alle Einsatzkräfte seien aber direkt vor Ort gewesen, um die Infrastruktur wiederherzustellen.
Im Gebiet Saporischschja läuft die Strom- und Heizungsversorgung nach Behördenangaben inzwischen wieder.
Krankenhäuser in Dnipro zeitweise ohne Strom
Eine Bewohnerin von Dnipro berichtet dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Donnerstagnachmittag von der Lage vor Ort. Der Strom sei am Mittwochabend um 22 Uhr Ortszeit ausgefallen. Die Wasserversorgung laufe bei ihr aber dank eines eigenen Brunnens. Viele Einwohner versuchten sich mit Notstromaggregaten zu behelfen, ihr eigenes sei aber ausgefallen, so Inna K. Daher setze ihre Familie jetzt auf eine kleine batteriebetriebene Station.
Ein großes Problem sei, dass viele Krankenhäuser keinen Strom und kein Wasser hätten, so Inna K., die selbst im medizinischen Bereich arbeitet. Schulen und auch Kindergärten hätten bis Montag geschlossen, wie es auch schon der Bürgermeister mitgeteilt hatte. Filatow meldete bei Telegram, die Elektrizität in den Klinken würde nach und nach wieder laufen, auch gebe es allmählich wieder Wasser.
Filatow dankte den verantwortlichen Politikern auf Landes- und regionaler Ebene am Nachmittag für ihren Einsatz, zudem den Einsatzkräften von Polizei und Nationalgarde, den Rettungskräften und den Mitarbeitern bei den Energieversorgern.
Am Abend dankte der Bürgermeister allen Bürgerinnen und Bürgern für ihre „Standhaftigkeit und Menschlichkeit“. Frustration und Müdigkeit seien sehr verständlich, aber es sei sichtbar, dass in dieser schweren Situation die Solidarität groß sei. Er beschreibt fröhliche Kinder in den Notunterkünften und ältere Damen, die Lebensmittel spenden.
Die Millionenstadt Dnipro ist seit August 2024 offiziell Partnerstadt von Köln, bereits zuvor gab es eine Projektpartnerschaft. Köln leistet viel humanitäre Hilfe für die Bevölkerung, zudem gab es bereits einen Schüleraustausch und weitere partnerschaftliche Projekte. So schenkte Köln Dnipro mehrere Krankenwagen. Die Projekte werden auch mithilfe des Vereins Blau-Gelbes Kreuz umgesetzt.
Selenskyj: keine militärischen Gründe für solche Angriffe
Das sei Russlands Krieg gegen das ukrainische Volk und das Leben in der Ukraine, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien nach den Angriffen auf die Infrastruktur – ein Versuch, die Ukraine zu brechen. Es gebe keine militärischen Gründe für solche Angriffe auf den Energiesektor, die Menschen ohne Elektrizität und Heizung im Winter zurücklassen.
Neben den russischen Angriffen macht auch das Wetter der Energieversorgung der Ukraine zu schaffen. Dadurch seien Siedlungen in den Gebieten Tschernihiw, Kiew, Iwano-Frankiwsk und Transkarpatien ganz oder teilweise ohne Strom, hieß es vom Energieministerium.
Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Russland zielt dabei immer wieder auf die Energieinfrastruktur des Nachbarlandes. Kiew drängt bei seinen internationalen Partnern fortwährend auf die Lieferung weiterer Flugabwehrsysteme. (mit dpa)
