Das Geheimnis um die offenbar bevorstehende Abberufung des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk aus Deutschland ist gelüftet: „Er hat keinen Bock auf kaltes Wasser beim Duschen“, heißt es auf Twitter in Anspielung auf den drohenden Gasmangel hierzulande infolge des Ukraine-Kriegs. An Spott und Häme mangelt es zu dem Vorgang beim Kurznachrichtendienst nicht. Das kommt nicht von ungefähr.
Über Monate hinweg wurde Melnyk nicht müde, von Deutschland mehr Einsatz bei der Verteidigung seines Landes gegen Russland einzufordern. Dabei schreckte er weder vor Beleidigungen zurück noch vor einer Wortwahl, die eines Diplomaten unwürdig ist. Damit hat er viel Sympathie verspielt.
Mit der Verteidigung des ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera, der Historikern als Nazi-Kollaborateur, Antisemit und Massenmörder von Juden und Polen gilt, hat Melnyk jüngst den Bogen aber überspannt. Mit der Verharmlosung von Banderas Taten und der damit verbundenen Geschichtsklitterung hat der Botschafter der russischen Propaganda in die Hände gespielt, wonach der Krieg gegen die Ukraine ein Einsatz gegen Neo-Faschisten sei.
Wie schädlich Melnyks Einlassungen sind, hat man offenbar endlich auch in Kiew erkannt. Mit einer derart penetrant-provokativen Art, wie sie der Topdiplomat an den Tag legt, sichert man sich nicht die Solidarität der Deutschen, auf die Kiew im Kampf gegen Russland doch so sehr angewiesen ist. Je eher Präsident Wolodymyr Selenskjy also einen Nachfolger für Melnyk präsentiert, der ein wenig mehr Gespür für deutsche Empfindlichkeiten beweist, umso besser für die ukrainische Sache.

