Nach der UN-ResolutionEin Stufenplan für Gaza? Nicht mit der Hamas

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Setzt auf möglichst viel Blutvergießen: Jihia al-Sinwar, Chef der Hamas im Gazastreifen.

Setzt auf möglichst viel Blutvergießen: Jihia al-Sinwar, Chef der Hamas im Gazastreifen.

Waffenstillstand und Wiederaufbau: Der UN-Sicherheitsrat hat einen Stufenplan für Gaza beschlossen, die Hamas geht aufs Ganze und will viel mehr als angeboten. Warum sie glaubt, sich das leisten zu können. Und was das mit der Stimmung unter den Palästinensern zu tun hat.

Seine Organisation habe Israel exakt dorthin gebracht, wo sie Israel haben wolle, hat Hamas-Drahtzieher Jihija al-Sinwar kürzlich Unterhändlern erzählt. Entsprechend selbstbewusst ist die Reaktion der Islamisten auf die Gaza-Resolution des UN-Sicherheitsrates: Statt der dort vorgesehenen stufenweisen Regelung verlangt die Hamas sofort die dauerhafte Einstellung aller Kämpfe und offenbar auch den kompletten Abzug Israels, ferner die Freilassung von Terroristen nach Hamas-Wunschliste, ohne dass sie selbst ernsthafte Gegenleistungen zu erbringen gedenkt.

Durch ihre Kriegführung, die bewusst auf möglichst viele zivile Opfer setzt, hat die Hamas Israel international so unter Druck gesetzt, dass sie glaubt, sich dieses Verhalten erlauben zu können. Zugleich zeigt eine aktuelle, in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung erstellte Umfrage, wie erfolgreich die Hamas-Propaganda in den Palästinensergebieten wirkt: Die Mehrheit dort lehnt eine Zweistaatenlösung, also die Existenz Israels, ab und ist auf Hamas-Kurs – im Westjordanland, wo man nur an einzelnen Brennpunkten real mit der Terrorgruppe konfrontiert ist, noch stärker als im Gaza-Streifen.

Hamas hat gezielt Illusionen erzeugt

Diese palästinensische Mehrheit lebt in einer Welt voller Illusionen, die von der Hamas gezielt erzeugt werden. Was bedeutet das für den von den USA durchgesetzten UN-Plan? Wer soll denn die Kontrolle über von Israel geräumte Gebiete übernehmen? Das hat der UN-Sicherheitsrat nicht festgelegt – und ein Vakuum würde der bewaffnete Arm der Hamas sofort füllen, gestützt auf Hunderttausende Sympathisanten, darunter Kollaborateure wie jene angeblichen Zivilisten, die heute jüdische Geiseln im Hamas-Lohnauftrag bewachen.

Ein Wiederaufbau unter Hamas-Regiment wäre chancenlos, vielmehr begänne der Kreislauf aus Hamas-Angriffen und israelischen Gegenschlägen von vorn. Eine erträgliche Zukunft hat Gaza nur, wenn passiert, was die Mehrheit der Bevölkerung laut Umfrage ablehnt: die Entsendung einer von arabischen Staaten gestellten Friedenstruppe, die Sicherheit und Ordnung durchsetzt. Nur dann ist eine wirtschaftliche Entwicklung denkbar, von der die Mehrheit der Palästinenser profitiert. Und allenfalls dies könnte die Stimmung ändern und der Hamas dann auch politisch den Boden entziehen.

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