Kommentar zu wachsender EinsamkeitSoziale Isolation ist noch zu wenig im Bewusstsein

Symbolbild.
Copyright: Frank Rumpenhorst
- Einsamkeit kann jeden Menschen treffen.
- Was viele Menschen aber nicht wissen, ist das Einsamkeit krank macht.
- Ein Kommentar über die Gefahren der sozialen Isolation.
Berlin – Zwei junge Menschen sitzen in der S-Bahn. Beide sprechen, aber nicht miteinander. Sondern per Kopfhörer, Mikro und Smartphone mit ganz anderen Menschen. Im nächsten Moment ist der Fernkontakt weg. Und beide schweigen sich an. Vielleicht fahren sie in ihre Wohnungen, gehen noch ein wenig online. Und vielleicht gehören beide zu den erstaunlich vielen jungen Leuten, die sagen, sie fühlten sich einsam.
Natürlich betrifft das Phänomen der Einsamkeit besonders ältere Menschen, die ihre Partner verlieren, ihren Freundeskreis, und die auch nur sporadisch von ihren Familien Besuch bekommen. Aber ein Befund betrifft alle: Einsamkeit kann krank machen. Abgerechnet wird bei den Kassen das, was die Ärzte an körperlichen oder psychischen Leiden therapieren.
Aber dass diese Erkrankungen oft auftreten und schlimmer verlaufen, wenn die Menschen zudem unter ihrer sozialen Isolation leiden, ist noch zu wenig im Bewusstsein. Das sollte sich rasch ändern. Gleichzeitig muss sich die Politik über die Dimensionen und Zusammenhänge mehr Klarheit verschaffen. Eine Enquetekommission des Bundestages wäre ein geeignetes Gremium.
Eine Prise Gemeinschaftserlebnis kann helfen
Die immer perfekter arbeitende medizinische Technik ist für eine effiziente Krankheitsbekämpfung optimiert. Die Beratung und Betreuung durch Arzt und Facharzt orientiert sich an der für das Erkennen und Behandeln von Erkrankungen notwendigen Zeit. Doch vielleicht würden in immer mehr Fällen die Menschen gesünder leben können, wenn sie statt Pillen und Pulver eine Prise Gemeinschaftserlebnis bekämen.
Das funktioniert bei vielen vermutlich auch durch Eigentherapie. Man könnte in der S-Bahn zum Beispiel auch anstatt gleichzeitig getrennt zu reden auch miteinander ins Gespräch kommen.
