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Mbappé mit klaren WortenSuperstar legt sich mit Frankreichs Rechten an – Le Pen reagiert mit Spott

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Kylian Mbappé; Der Franzose hat sich gegen das Rassemblement National positioniert.

Kylian Mbappé; Der Franzose hat sich gegen das Rassemblement National positioniert.

Kylian Mbappé kritisiert in einem Interview offen das Rassemblement National – wie er es bereits 2024 getan hatte.

Kylian Mbappé hat sich gegen rechte Parteien in seinem Heimatland Frankreich ausgesprochen. Für seine offenen Worte gab es nun Gegenwind: Jordan Bardella, Chef des Rassemblement National, griff den Fußball-Superstar scharf an. In den sozialen Medien schoss Bardella mit einem hämischen Kommentar zurück. Auch Marine Le Pen reagierte.

Mbappé wird derzeit eine besondere Ehre zuteil: Der Franzose ist auf dem Cover der US-Ausgabe von „Vanity Fair“ zu sehen, zumindest auf einem Teil der Auflage. Verbunden ist das Shooting mit einem großen Interview. Das Magazin widmet sich nicht allzu oft Profisportlern – und schon gar nicht ausländischen Athleten.

Der Fußball-Nationalspieler äußert sich ausführlich zu seiner Karriere, berichtet aber auch über einige Details aus seinem Privatleben. Und es geht um Gesellschaft und Politik. Das Magazin nennt Mbappé Frankreichs „Weltbotschafter“, und dieser schwärmt von der Ehre, bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in den USA sein Land vertreten zu können. Auch unbequeme Fragen zu Rassismus im Fußball und den Sorgen über das politische Klima im Gastgeberland beantwortet der 27-Jährige offen und gelassen. 

Mbappé über seine Haltung gegenüber dem Rassemblement National

Bereits bei den Parlamentswahlen 2024 hatte der Sportler zur Mobilisierung im Kampf gegen den Extremismus aufgerufen. Auch jetzt sagt der Mbappé, der 2024 von PSG zu Real Madrid wechselte: „Wir müssen gegen die Vorstellung ankämpfen, dass ein Fußballer nur spielen und schweigen sollte. Auch wenn wir Fußballspieler sind, sind wir in erster Linie Bürger. Wir sind nicht von der Welt abgekoppelt. Wir sind nicht abgekoppelt von dem, was in unserem Land passiert“.

Er wisse, sagt Mbappé mit Blick auf das Rassemblement National, welche Folgen es für Frankreich haben könne, „wenn solche Leute die Macht übernehmen. Wir sind Bürger. Wir haben das Recht, unsere Meinung zu äußern, genau wie jeder andere“, sagt der Spieler, dessen Eltern aus Kamerun und Algerien stammen.

Jordan Bardella, seit 2022 Vorsitzender der Rechtspopulisten und Nachfolger von Marine Le Pen, reagierte mit einem hämischen Kommentar auf X auf Mbappés Aussagen. 

Er selbst habe erkannt, welche Folgen für PSG der Abgang von Mbappé gehabt habe: Der Klub habe die Champions League gewonnen, so Bardella. Und vielleicht würde PSG es ja bald zum zweiten Mal schaffen, kontert Bardella auf sportlicher Ebene.

Bardella wollte offenbar den Umstand nutzen, dass Mbappés Popularität aufgrund seines Wechsels nach Spanien, seiner oft als arrogant empfundenen Haltung und seiner enttäuschenden Leistungen bei Real Madrid nachließ. Ob es allerdings bei der Mehrzahl der Franzosen gut ankommt, das Sportidol offen anzugreifen, ist unklar.

Marine Le Pen ist verärgert über Mbappé

Im französischen Fernsehen legten andere RN-Politiker später nach. Parteisprecher Julien Odoul sagte, es gebe ein „Problem, wenn der Kapitän der französischen Nationalmannschaft zu einem politischen Aktivisten wird“ .

Marine Le Pen sagte beim Sender RTL verärgert: „Ehrlich gesagt denke ich, dass Fußballfans völlig frei entscheiden können, wen sie wählen, ohne sich von Herrn Mbappé beeinflussen zu lassen“.

Auch sie reagierte mit Spott: „Wenn Kylian Mbappé sagt, dass er nicht will, dass wir die Wahlen gewinnen, beruhigt mich das. Er ist von PSG zu Real Madrid gegangen, um die Champions League zu gewinnen. In der Zwischenzeit hat PSG gewonnen.“

In Frankreich finden 2027 Präsidentschaftswahlen statt. Ob Bardella für das RN antritt, hängt davon ab, ob und in welcher Form Marine Le Pen im Juli im Berufungsverfahren um veruntreute EU-Gelder erneut verurteilt wird. Falls sie infolge des Urteils nicht antreten darf, will der RN Bardella ins Rennen um die Nachfolge von Emmanuel Macron schicken. (mit afp)