Abo

Missbrauch im Bistum AachenKirchenrechtler Schüller sieht Namensliste mit „gemischten Gefühlen“

Lesezeit 2 Minuten
ARCHIV - 11.10.2021, Nordrhein-Westfalen, Münster: Thomas Schüller, Theologe und Kirchenrechtler, steht vor dem Münsteraner Dom. (zu dpa: «Woelki geht gegen Kirchenrechtler Schüller und "Bild" vor») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Thomas Schüller: Der Kirchenrechtler wirft dem Bistum Aachen „Schaufensterpolitik“ vor.

Betroffene und Laienvertreter loben die Entscheidung des Bistums Aachen, die Namen von – überführten oder mutmaßlichen –Missbrauchstätern zu veröffentlichen. Aber es gibt auch Kritik von prominenter Seite.

Die Entscheidung des Bistums Aachen, die Namen von 53 überführten oder mutmaßlichen Missbrauchstätern zu veröffentlichen, ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während nach dem Betroffenenrat des Bistums auch der Diözesanrat, die oberste Laienvertretung, den Schritt begrüßte, hält der in Münster lehrende Kirchenrechtler Thomas Schüller dem Bistum „Schaufensterpolitik“ vor.

Angesichts der Presseveröffentlichungen mit Namen von Missbrauchstätern habe man reagieren müssen – und setze damit letztlich auch andere Bistümer unter Druck, sagte Schüller der Rundschau. Er habe Verständnis für andere Bistümer wie die Erzdiözese Köln, die auf Einzelfallprüfung vor jeder Namensnennung setzen: Letzten Endes müssten die juristischen Fragen von Fall zu Fall bewertet werden. Das sei auch „effektiver“ als die geschlossene Veröffentlichung in einer Liste, durch die man sich durchklicken müsse. „Kernproblem“ sei: „Die Gemeinden wurden überhaupt nicht vorbereitet.“

Gemeinden eine Stunde vorab informiert

Dazu erklärt das Bistum, die Pfarrgemeinden und alle ihre Mitarbeitenden hätten Anfang der Woche erneut einen überarbeiteten Leitfaden zum Umgang mit Missbrauchsfällen erhalten. Eine Stunde vor der Veröffentlichung seien die Gemeinden, auf deren Territorium die in der Liste erwähnten Personen ihre Delikte begangen haben sollen, informiert worden. In der Liste beigefügten Dokumenten werden Tatorte und -zeiträume dokumentiert.

Schüller sagte, er verfolge das Aachener Vorgehen mit „gemischten Gefühlen“. Der Diözesanrat sprach von einem tiefen Einschnitt und forderte Bischof Helmut Dieser auf, die Vorschläge des Synodalen Weges zu einer „partizipativen Kirche mit Gewaltenteilung“ zur Blaupause für sein Bistum zu machen.

Durch die Liste belastet wird neben dem verstorbenen Weihbischof August Peters auch Ulrich Thomaßen, der zeitweise zur Bundesleitung der Katholischen Jungen Gemeinde gehörte. Auch Pfarrer Leo Bell (Blankenheim) sowie der lange in Heimbach tätige Joseph Olivier (wegen eines Falls aus Viersen) gelten nun als „mutmaßliche Täter“.

Rundschau abonnieren