Die AfD feiert Erfolge in Deutschland – und Moskau kommt aus dem Jubeln kaum noch heraus. Experten sehen dahinter eindeutige Motive.
„Eine erbärmliche Schande“Moskau attackiert Merz – Putins Plan für Deutschland wird sichtbar

Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)
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Moskau attackiert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), zeigt sich offen für Gespräche mit der AfD – und bejubelt die Wahlerfolge der in Teilen rechtsextremistischen Partei in Deutschland. Die Äußerungen der Alternative für Deutschland zu einer Wiederaufnahme der Beziehungen mit Russland „imponieren uns“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nun russischen Nachrichtenagenturen zufolge.
Als politische Kraft zeige die Partei eine beständig wachsende Popularität, hieß es weiter. „Natürlich erscheinen uns solche Äußerungen vorteilhafter als jene von Merz, der sich im Grunde nur durch konfrontative Äußerungen gegenüber der Russischen Föderation hervorgetan hat“, fügte Peskow zudem mit Blick auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hinzu.
Alice Weidel spricht – und Kirill Dmitrjew jubelt
„Uns ist es wichtig, den Gesprächskanal, zusammen mit den Amerikanern, zur russischen Seite zu öffnen“, hatte AfD-Chefin Alice Weidel zuvor bei einer Pressekonferenz am Montag (21. September) erklärt und hinzugefügt: „Beide Seiten haben herauskristallisiert für sich, dass als verlässlicher Partner in Deutschland nur noch die Alternative für Deutschland in Frage kommt.“
Die Kontakte der AfD nach Moskau waren bereits in der vergangenen Woche in den Fokus gerückt. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte über die Planung eines Treffens zwischen der AfD-Spitze um Weidel und den Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla mit Wladimir Putins Sondergesandten Kirill Dmitrijew berichtet – und so alarmierte Reaktionen etwa von den Grünen hervorgerufen. Von „Verrat“ war die Rede.
Unterstützung für die AfD aus Moskau
Dmitrijew äußerte sich nun ebenfalls zu Weidels Worten, diese seien „wahr“, verkündete der Top-Wirtschaftsberater des Kremlchefs auf der Plattform X. Dort hat Dmitrijew die AfD in dieser Woche gleich in mehreren Beiträgen gefeiert – und gleichzeitig immer wieder Merz attackiert. Der deutsche Kanzler sei eine „Katastrophe“ und habe bei den jüngsten Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine „historische Demütigung“ erlitten, hieß es etwa.
Für Weidel gibt es unterdessen immer wieder Unterstützung aus Moskau – auch am Mittwoch verbreitete Dmitrijew einen Beitrag der AfD-Chefin über hohe Spritpreise in dem sozialen Netzwerk weiter und attestierte der Europäischen Union, die „konsequent falschen“ Entscheidungen in der Energiepolitik zu treffen.
Moskau attackiert Merz: „Nutzlosester Kanzler Deutschlands“
Gleichzeitig verschärft nicht nur Dmitrijew die Attacken auf den Bundeskanzler. „Merz ist eine erbärmliche Schande“, schrieb etwa der frühere Kremlchef und nunmehrige Vize des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, auf der Plattform X – und unterstellte Merz „Neonazismus, Russophobie und Ukraine-Besessenheit“.
Der CDU-Politiker sei der „nutzloseste Bundeskanzler Deutschlands“, polterte Medwedew, der seit Kriegsbeginn für schrille Töne bekannt ist. „Selbst Scholz sieht im Vergleich dazu besser aus“, betonte der langjährige Weggefährte Putins und fügte hinzu: „Deutsche, werdet ihn los, bevor er euch in einen Krieg mit Russland hineinzieht. Ihr wisst, welche Folgen solche Kriege haben.“
Russland setzt weiter auf Nazi-Narrativ
Mit seinen Verbalattacken ist Medwedew nicht allein in Moskau. Auch Wladimir Dschabarow, stellvertretender Vorsitzender des russischen Ausschusses für internationale Angelegenheiten, attackierte Europa – und bediente ebenfalls die Nazi-Unterstellungen, die Moskau seit Kriegsbeginn sowohl gegen die Ukraine als auch gegen Europa vorbringt. „Nazi Selenskyj zieht sie alle noch mit in den Abgrund“, hieß es von Dschabarow. In Europa herrsche eine „neue Phase des Wahnsinns“.
Merz sei nur noch ein „Unter-Kanzler“, erklärte auch der Sprecher der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, russischen Nachrichtenagenturen zufolge. „So wie übrigens auch Selenskyj schon seit Langem keine Legitimität mehr besitzt“, fügte er hinzu. Merz und andere europäische Regierungschefs würden sich „an die Macht klammern“ und hätten ihren Staaten „Unglück und Probleme gebracht“, teilte auch Wolodin aus. „Dafür werden sie zur Rechenschaft gezogen.“
Liebesgrüße von der AfD: Abgeordneter spricht mit Tass
Von der AfD gibt es für diese Propaganda derweil Unterstützung. So berichtete Tass am Mittwoch etwa, dass sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfuss gegenüber der russischen Nachrichtenagentur für direkte Gespräche zwischen Berlin und Moskau ausgesprochen habe. Die Zitate, die Tass verbreitet, enthalten zudem Attacken auf Merz, die ähnlich zu jenen aus Moskau klingen.
„Für uns Deutsche wären direkte Verhandlungen mit Putin sehr wertvoll“, zitierte Tass den AfD‑Politiker. „Doch angesichts des Vorgehens von Merz können wir nur schlussfolgern, dass solche Verhandlungen nicht im Interesse von BlackRock liegen“, hieß es weiter von Rothfuss, der so auf Merz’ frühere Tätigkeit für den US-Fonds anspielte. Zudem werde in Deutschland und im Westen „ein falsches Narrativ über einen ‚gefährlichen Russen‘ verbreitet, der bald NATO-Staaten angreifen wird“, beklagte der AfD-Politiker.
Experten warnen vor Putins Plan: „Gefahr für die nationale Sicherheit“
Überraschend kommt die offen zur Schau gestellte Nähe zwischen Moskau und der AfD unterdessen nicht. Bereits zur Amtszeit von Olaf Scholz hatte der Russland-Experte und Historiker Matthäus Wehowski im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor einer solchen Annäherung gewarnt – und dabei Moskaus Motiv klar benannt. „Wenn Putin sagt, Russland habe ja noch Freunde in Deutschland, dann meint er genau diese politischen Bewegungen, die Demokratie, liberale Ordnung, Westbindung und Co. abschaffen wollen“, erklärte Wehowski.
Demokratische Regierungschefs in Europa wie Merz oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wolle der Kreml „loswerden“, warnte Wehowski zudem. Parteien, die russische Narrative im Westen verstärken, sollen bei diesem Vorhaben offenbar helfen, hieß es weiter. Moskaus Ziel sei es, die demokratischen Regierungschefs „im besten Fall durch Leute wie Viktor Orbán zu ersetzen, die sich relativ leicht durch Geld korrumpieren und kontrollieren lassen“, sagte Wehowski bereits vor zwei Jahren.
Ähnlich äußerte sich nun auch die Forscherin Julia Smirnova im Gespräch mit der „Zeit“. Die russische Regierung erhoffe sich vom AfD-Erfolg bei den Landtagswahlen „offenbar eine tiefere Krise der Bundesregierung“, sagte die Expertin vom Thinktank Center für Monitoring, Analyse und Strategie. Der Wahlausgang in Deutschland sei „freilich nicht nur durch russische Desinformation zu erklären, aber er bringt dem Kreml viele Vorteile“, betonte Smirnova und fügte hinzu: „Die Verbindungen der AfD zu Russland sind eine Gefahr für die deutsche nationale Sicherheit.“