Abo

Lawrow will „alles zerstören“Moskau droht Europa und Ukraine – und kassiert hämischen Konter

3 min
Kremlchef Wladimir Putin (l.) spricht mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin (l.) spricht mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)

Russland lehnt einen Waffenstillstand im Schwarzen Meer ab – und droht allen Unterstützern der Ukraine mit „verschärften Methoden“.

Moskau bleibt auf Kriegskurs – und droht den Unterstützern der Ukraine: Das russische Außenministerium hat am Freitag (14. August) ein Waffenstillstandsangebot für zivile Ziele im Schwarzen Meer von der Ukraine abgelehnt.

Russland sei regelmäßig mit „ungezügelten Terroranschlägen durch Drohnen der ukrainischen Streitkräfte“ gegen zivile Schiffe konfrontiert, erklärte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Moskau sehe „keine Grundlage für halbherzige Maßnahmen, die dem Kyjiwer Regime eine vorübergehende Atempause verschaffen“, hieß es weiter.

Moskau droht den Unterstützern der Ukraine

Zuvor hatte die US-Nachrichtenagentur Reuters über das ukrainische Angebot berichtet, das die gegenseitige Einstellung von Angriffen auf zivile Ziele im Schwarzen Meer umfasst habe. Vor der Offerte hatte die Ukraine erneut Russlands wichtigsten Schwarzmeer-Hafen in Novorossijsk angegriffen. 

Moskau lehnte das Angebot am Freitag jedoch nicht nur ab, sondern ließ prompt auch neue Drohungen gegen die Ukraine folgen. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte in den sozialen Medien ein Bild, das mehrere Shahed-Drohnen im Flug zeigt. „Aus heiterem Himmel – ihr werdet im Winter frieren“, schrieb das Ministerium dazu. 

Sergej Lawrow will „alles zerstören“, was die Ukraine unterstützt

Noch deutlichere Worte wählte unterdessen Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Vesti. „Wir werden uns nicht beugen, sondern unsere eigenen Methoden deutlich verschärfen, um alles zu zerstören, was die Kriegsmaschinerie Kyjiws vom Westen aus unterstützt“, kündigte Lawrow an und fügte hinzu: „Genau das tun wir bereits. Sie fangen schon an zu stöhnen.“

Was Moskaus Top-Diplomat mit „das tun wir bereits“ konkret meint, blieb offen. In der vergangenen Woche hatte ein Drohnenvorfall am Flughafen in Leipzig für Aufsehen gesorgt – dort wurde ein Fluggerät samt Sprengsatz nahe ukrainischer Antonow-Maschinen aufgefunden und schließlich entschärft. Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauern an. Russland bestreitet, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben.

Moskau schließt schnelles Ende der Kampfhandlungen aus

Brüssel habe „einen sehr gefährlichen Weg“ eingeschlagen, indem es sich das Recht anmaße, Schiffe, die es als unerwünscht erachte, als Teil einer „Schattenflotte“ zu bezeichnen, führte Lawrow zudem aus. Mehrere westliche Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich und Schweden, setzten bereits für Russland fahrende Öltanker wegen des Verdachts der Sanktionsumgehung kurzzeitig fest. Moskau sieht darin „Piraterie“.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)

Der russische Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)

Ein schnelles Ende der Kampfhandlungen schloss Lawrow indes aus. „Würden wir jetzt plötzlich an der Kontaktlinie innehalten, würden wir im Grunde den Heldenmut unserer Großväter und Urgroßväter, die den Nationalsozialismus besiegt haben, auslöschen.“ Das sei undenkbar. Russland werde erst aufhören, „wenn eine langfristige, zuverlässige und nachhaltige Einigung“ vorliegt, bekräftige Lawrow.  

Ukraine kontert: „Wir wärmen uns am Feuer der russischen Raffinerien“

Die Ukraine reagierte unterdessen am Freitag auf die Drohungen aus Russland – und konterte insbesondere das Bild, das vom russischen Außenministerium zuvor veröffentlicht worden war, mit hämischen Worten. „Wir wärmen uns am Feuer der russischen Raffinerien“, hieß es dazu von der strategischen Kommunikationsabteilung der ukrainischen Streitkräfte bei Telegram. 

Damit spielen die Ukrainer auf die jüngste Angriffsserie gegen Ölraffinerien in Russland an. Seit Anfang August haben mindestens vier russische Raffinerien nach ukrainischen Angriffen die Verarbeitung von Rohöl eingestellt, darunter Anlagen in den Regionen Orenburg, Tjumen, Saratow und Wolgograd.

Laut einer von der „Moscow Times“ zitierten Analyse von S&P Global waren im Jahr 2026 durch ukrainische Angriffe die Betriebsabläufe in mindestens 26 russischen Ölverarbeitungsanlagen gestört. Sieben dieser Anlagen hatten die Produktion bis Ende Juli nicht wieder aufgenommen. Einer anderen Analyse zufolge soll die Ölproduktion in Russland auf den niedrigsten Stand seit Mai 2002 gesunken sein.