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Mysteriöser Fall im MittelmeerRussischer Frachter gesunken – Atomreaktoren an Bord?

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Ein russisches Frachtschiff in der Nähe von Kaliningrad. (Symbolbild)

Ein russisches Frachtschiff in der Nähe von Kaliningrad. (Symbolbild)

Nach dem Untergang sollen US-Flugzeuge im Einsatz gewesen sein, die Proben zur Erkennung nuklearer Explosionen sammeln können.

Ein russisches Frachtschiff ist Ende 2024 unter mysteriösen Umständen rund 100 Kilometer vor der spanischen Küste gesunken – und es könnte Komponenten von zwei Atomreaktoren für U-Boote an Bord gehabt haben, die mutmaßlich für Nordkorea bestimmt waren. Das ergab eine aufwendige Recherche des US-Senders CNN, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Bei dem Schiff handelt es sich um die „Ursa Major“. Der Frachter soll zur sogenannten russischen Schattenflotte gehört haben – jener Gruppe von Schiffen, mit der Russland westliche Sanktionen zu umgehen versucht. An Bord befanden sich laut spanischen Ermittlern mutmaßlich zwei Reaktorgehäuse, baugleich mit jenen, die in russischen Atom-U-Booten eingesetzt werden.

Hatte die „Ursa Major“ sogar nuklearen Brennstoff geladen?

Der Kapitän des Schiffes habe gegenüber Ermittlern eingeräumt, Komponenten für zwei Nuklearreaktoren transportiert zu haben, sei sich jedoch nicht sicher gewesen, ob diese bereits nuklearen Brennstoff enthielten.

Einer mit den Ermittlungen vertrauten Quelle zufolge habe der russische Kapitän geglaubt, er werde zum nordkoreanischen Hafen Rason umgeleitet, um die Reaktoren zu liefern. Ein weiteres Indiz: Die „Ursa Major“ legte rund zwei Monate nach dem Beginn des nordkoreanischen Truppeneinsatzes zur Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine ab – ein Zeitpunkt, der auf einen Deal zwischen Moskau und Pjöngjang hindeutet.

Zeitpunkt deutet auf Deal zwischen Russland und Nordkorea hin

Dass Nordkorea im Gegenzug für seine militärische Unterstützung Russlands Zugang zu fortschrittlicher Militärtechnologie erhalten haben soll, wurde bereits damals mehrmals berichtet. Pjöngjang hatte die russische Armee mit rund 12.000 Soldaten im Kampf gegen die Ukraine unterstützt. Ukrainischen Angaben zufolge kam es in der Folge zu hohen Verlusten in den Reihen der nordkoreanischen Truppen.

Besonders brisant: Laut CNN waren nach dem Untergang des Schiffes spezialisierte US-Aufklärungsflugzeuge im Einsatz, die atmosphärische Proben zur Erkennung nuklearer Explosionen sammeln können – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die USA die mögliche Gefahr einer radioaktiven Kontamination sehr ernst nahmen. Das Wrack liegt allerdings in einer Tiefe, die eine Bergung erheblich erschwert.

NATO-Geheimdienst könnte für Sabotage verantwortlich sein

Spanische Ermittler verdächtigen Medienberichten zufolge ein NATO-Mitglied, das Schiff sabotiert zu haben. Welcher Staat dahinterstecken soll, wurde bislang nicht öffentlich benannt. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würde dies auf eine gezielte verdeckte Operation eines westlichen Geheimdienstes hindeuten – mit dem Ziel, den Transfer sensibler Nukleartechnologie an das Regime von Kim Jong Un zu verhindern.

Weder die spanische Regierung noch russische oder nordkoreanische Stellen haben sich bislang offiziell zu den Vorwürfen geäußert. Sollte sich der Verdacht eines gezielten Reaktorentransfers bestätigen, wäre der Vorfall ein eklatanter Verstoß gegen internationale Sanktionen gegen Nordkorea und würde die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang auf eine neue Stufe heben. (das)