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Von KI bis SklavereiDie vier zentralen Botschaften aus Papst Leos erster Enzyklika

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Papst Leo XIV. bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz. (Archivbild)

Papst Leo XIV. bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz. (Archivbild)

Das Lehrschreiben des Papstes richtet sich nicht nur an Katholiken, sondern auch an Regierungen, Konzerne und die Zivilgesellschaft.

Papst Leo XIV. hat am Pfingstmontag das erste große Lehrschreiben seines Pontifikats vorgelegt. Das 235-seitige Dokument mit dem Titel „Magnifica Humanitas: Über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ richtet sich nicht nur an die weltweit 1,4 Milliarden Katholiken, sondern auch an Regierungen, Technologiekonzerne und die Zivilgesellschaft. Vier Themen stehen im Mittelpunkt:

Künstliche Intelligenz: Babel oder Jerusalem?

Das Herzstück der Enzyklika ist eine eindringliche Warnung vor den Risiken der KI. Der Papst schreibt, die Menschheit betrete eine „neue Situation“, in der digitale Systeme zunehmend Alltag und Entscheidungsprozesse durchdrängen. Er fordert staatliche Regulierung, unabhängige Aufsichtsbehörden und gesetzliche Rahmenbedingungen für KI-Unternehmen, außerdem Umschulungsprogramme für von Automatisierung betroffene Arbeitnehmer sowie Schutz für Kinder vor schädlichen KI-generierten Inhalten. Mit dem Bild des Turmbaus zu Babel warnt Leo vor Systemen, die auf Beherrschung statt auf Zusammenarbeit ausgerichtet sind.

„Gerechter Krieg“ ist überholt

Leo erklärt die jahrhundertealte Lehre vom „gerechten Krieg“ für überholt. KI-gestützte Waffensysteme machten Gewalt zunehmend ferngesteuert und unpersönlich – und senkten damit die Hemmschwelle für militärische Eskalation. Letale Entscheidungen dürften nie autonomen Systemen überlassen werden, so der Pontifex. Die Aussagen kommen auch vor dem Hintergrund öffentlicher Differenzen mit US-Vizepräsident JD Vance, der Leo nach dessen Verurteilung des US-israelischen Krieges gegen den Iran kritisiert hatte.

Papst Leo XIV. kommt zu seiner wöchentlichen Generalaudienz auf den Petersplatz. (Archivbild)

Papst Leo XIV. kommt zu seiner wöchentlichen Generalaudienz auf den Petersplatz. (Archivbild)

Umgang mit Migranten als „Lackmustest“

Der Papst bezeichnet die Behandlung von Migranten und Flüchtlingen als moralisches Maß einer Gesellschaft. „Ob ein Gemeinwesen sie mit Würde oder aus Angst behandelt, zeigt, ob sein Gerechtigkeitssinn von Brüderlichkeit geleitet wird“, schreibt Leo. Er fordert sichere und legale Migrationswege sowie Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Integration – und mahnt zugleich, die Ursachen von Flucht, darunter wirtschaftliche Ungleichheit und den Klimawandel, anzugehen.

Kirchliche Mitschuld an der Sklaverei

Zum ersten Mal bittet mit Leo zudem ein Papst in einer Enzyklika ausdrücklich um Vergebung für die Rolle der Kirche in der Geschichte der Sklaverei und des Kolonialismus. „Dies ist eine Wunde im christlichen Gedächtnis, von der wir uns nicht lossagen können“, schreibt Leo. Er erinnert daran, dass päpstliche Dekrete des 15. Jahrhunderts Portugal und Spanien die Versklavung von Nicht-Christen erlaubten – die Grundlage der späteren „Doktrin der Entdeckung“. Der Vatikan hatte diese Doktrin erst 2023 offiziell widerrufen.

Papst Leo XIV: Digitalminister reagiert auf Lehrschreiben

In Deutschland sorgt die Lehrschrift des Pontifex unterdessen schnell für politische Reaktionen. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) forderte mit Blick auf die Worte Leos mehr Künstliche Intelligenz aus Deutschland und Europa.

„Wenn wir wollen, dass Technologie dem Menschen dient, dann müssen wir sie selbst gestalten. Nicht nur regulieren. Sondern entwickeln, prägen und verantworten“, sagte Wildberger der „Rheinischen Post“ am Dienstag (26. Mai). „Ethische KI aus Deutschland und Europa ist deshalb eine Voraussetzung für demokratische Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter.“ (das/dpa)