Paukenschlag bei der Bundeswehr: Verteidigungsminister Pistorius plant das Aus für das Marine-Milliardenprojekt Fregatte F 126.
2,4 Milliarden Euro VerlustPistorius stoppt Marine-Großprojekt – Kriegsschiff vor dem Aus

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister, spricht zur Kiellegung der Fregatte F126 „Niedersachsen“ auf der Peene-Werft. (Archivbild)
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Das bislang aufwändigste und größte Rüstungsprojekt in der Geschichte der deutschen Marine steht offenbar vor dem endgültigen Aus. Nach Informationen des „Spiegel“ plant Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius den Ausstieg aus dem Bau der neuen Fregatte 126. Das 166 Meter lange Kriegsschiff sollte das neue Flaggschiff der Bundeswehr werden, doch massive Verzögerungen und finanzielle Turbulenzen besiegeln nun wohl das Ende des Vorhabens.
Ursprünglich hatte die Marine sechs dieser High-Tech-Schiffe bestellt, die für die sogenannte dreidimensionale Seekriegsführung – also den gleichzeitigen Kampf gegen Ziele unter Wasser, auf dem Wasser und in der Luft – eingesetzt werden sollten. Die veranschlagten Gesamtkosten beliefen sich auf bis zu 10 Milliarden Euro. Obwohl die ersten Schiffe bereits 2024 auf der Peene-Werft in Wolgast auf Kiel gelegt wurden, verschob sich der geplante Auslieferungstermin immer weiter nach hinten, zuletzt auf das Jahr 2028.
Mehr als zwei Milliarden Euro verloren
Der vorzeitige Stopp kommt die Steuerzahler teuer zu stehen. Seit der Auftragsvergabe im Juni 2020 wurden nach Berichten aus Haushaltskreisen des Bundestags bereits zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro in das Projekt investiert – Geld, das nun größtenteils verloren sein dürfte. Selbst ein Wechsel des Generalunternehmers konnte das Vorhaben nicht mehr rechtzeitig stabilisieren.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister, spricht zur Kiellegung der Fregatte F126 „Niedersachsen“ auf der Peene-Werft.
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Kritik an dem Projekt gab es schon länger. Während sich das Verteidigungsministerium noch im Februar zuversichtlich zeigte, die Verzögerungen aufholen zu können, warnte der Unions-Chefhaushälter für den Wehretat, Andreas Mattfeldt, bereits frühzeitig vor tiefgreifenden Problemen.
Kleinere Alternative von TKMS im Blick
Als Ersatz setzt das Ministerium nach Informationen des „Spiegel“ auf acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU vom deutschen Hersteller Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Diese Beschaffung war bereits zuvor vorbereitet worden und gilt innerhalb der NATO als auf die U-Boot-Jagd spezialisierter Fähigkeitsbaustein.
Die Alternative im Vergleich: Die MEKO A-200 DEU sind mit rund 120 Metern Länge deutlich kompakter und leichter als die ursprünglich geplanten F126-Fregatten.
Die Führung der Marine trägt diese Planänderung dem Vernehmen nach mit. Günstiger wird die Neuorientierung für den Bund allerdings nicht: Die Kosten für die acht kleineren Kampfschiffe werden auf rund 1,6 Milliarden Euro pro Stück geschätzt, was einem Gesamtvolumen von etwa 12 Milliarden Euro entspricht. (jag/dpa)
