Der Kremlchef gibt sich zwar formal verhandlungsbereit, bekräftigt jedoch Moskaus imperialistische Ansprüche.
„Blut-und-Boden-Ideologie“Putin spricht von „Genstudien“ und erklärt Moskau für unbesiegbar

Kremlchef Wladimir Putin im Gespräch mit Reporter Pavel Zarubin.
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Kremlchef Wladimir Putin hat seine Kriegsziele trotz der jüngsten Gespräche über Friedensverhandlungen bekräftigt. „Wir werden auf jeden Fall unsere Aufgaben erfüllen und alle Ziele der militärischen Spezialoperation werden erreicht werden“, sagte der russische Machthaber am Donnerstag (22. Oktober) im Gespräch mit dem kremlnahen Korrespondenten des Staatsfernsehens Pavel Zarubin über Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Erneut erhob Putin dabei Ansprüche auf große Teile der Ukraine. „Meine Haltung zu dieser Angelegenheit ist erst mal, dass das nicht ihr Gebiet ist, sondern Gebiet des historischen Russlands“, sagte der Kremlchef mit Blick auf den Donbass und weitere Teile der Ostukraine, die Moskau ohnehin bereits als „Novorossija“ („Neurussland“) zum eigenen Staatsgebiet erklärt hat, obwohl es der russischen Armee bis heute nicht gelungen ist, die Gebiete vollständig zu erobern. Es sei unangemessen, wenn der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj von „Gebietsverlusten“ spreche, hieß es weiter von Putin.
Wladimir Putin bringt „Genstudien“ ins Spiel
Der Kremlchef stellte erneut auch die eigenständige Identität der Ukrainer infrage – und bemühte dafür angebliche DNA‑Untersuchungen. Die Ukrainer seien „ein Volk, das uns sehr nahesteht“, erklärte der Kremlchef. „Die neuesten Genstudien zeigen, dass Russen und Ukrainer ein und dasselbe Volk sind.“ Bereits in der Vergangenheit hatte Putin ähnliche Behauptungen aufgestellt, um Russlands illegale Landnahme im Nachbarn zu rechtfertigen.
Auch bei seinem jüngsten Interview setzte der Kremlchef auf gemischte Botschaften. Während Putin einerseits Moskaus Ansprüche und Kriegsziele klar untermauerte, zeigte er sich andererseits erneut angeblich verhandlungsbereit. „Wir haben vereinbart, dass wir bereit sind, unsere dreiseitigen Kontakte wieder aufzunehmen“, sagte Putin mit Blick auf frühere Gespräche mit US- und ukrainischen Vertretern.
Kremlchef Putin verlangt „endgültige Variante“
Der US-Unterhändler Steve Witkoff hatte sich nach Gesprächen mit Selenskyj und Europäern einen Tag später mit Putin in St. Petersburg getroffen. Nach dem Treffen hatte Putins Berater Juri Uschakow neue Verhandlungen mit Moskau, Kiew und Washington für Mitte November in Aussicht gestellt. Witkoff musste sich derweil Kritik für seine blumigen Worte in Richtung des Moskauer Machthabers gefallen lassen.
Das Ziel dieser Verhandlungen werde die Erörterung der Frage der Gewährleistung von Sicherheit der Ukraine und Russlands nach dem Abschluss eines Friedensabkommens sein, sagte Putin nun. Es gehe um eine „endgültige Variante“, nicht um eine vorübergehende infolge einer Einstellung der Kampfhandlungen. Damit erteilte der Kremlchef einer Waffenruhe erneut eine Absage.
Gleichzeitig erklärte Putin trotz einiger historischer Niederlagen für grundsätzlich unbesiegbar. „Es ist allen klar geworden, dass es unmöglich ist, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, und ihm eine strategische Niederlage zuzufügen, ist unrealistisch“, erklärte der Kremlchef, der zudem von „antirussischen Kampagnen“ und „politischer Schizophrenie“ in europäischen Staaten sprach, die Russland ungerechtfertigterweise als Bedrohung sehen würden.
Putin unterstreicht imperialistische Motive
Putin vollzieht mit seinen Äußerungen keinen Kurswechsel – vielmehr bekräftigte der Kremlchef mit seinen Worten die imperialistischen Motive Moskaus für den Krieg gegen das Nachbarland. Dass Putin einen Waffenstillstand weiterhin ablehne, sei „keine Überraschung“, kommentierte etwa der Historiker und Russland-Experte Matthäus Wehowski die jüngste Wortmeldung des russischen Machthabers.

Wladimir Putin brachte im Interview mit Pavel Zarubin auch angebliche „Genstudien“ ins Spiel.
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Für Aufsehen sorgten unterdessen auch Putins Ausführungen über angebliche „Genstudien“. John Foreman CBE, früherer britischer Verteidigungsattaché in Moskau und Kyjiw, sprach auf der Plattform X hinsichtlich Putins Worten von einer „biologisch/rassistischen Blut-und-Boden-Ideologie“. Diese Aussagen seien selbst „für einen schwafelnden Putin extrem“, fügte Foreman hinzu, der Putin damit in den Kontext des Nationalsozialismus rückte.
Putin spricht Ukrainern eigene Identität ab
„Blut und Boden“ war eine völkisch-rassistische Ideologie der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler, die ein naturverbundenes Bauerntum als Quelle der „reinen“ Volksgemeinschaft verklärte. Die Ideologie diente der Rassenpolitik und rechtfertigte zugleich die Eroberung von „Lebensraum“ im Osten.
Putin hat bereits 2021 in einem Essay „Zur historischen Einheit der Russen und Ukrainer“ bestritten, dass es eine eigenständige ukrainische Nation gibt. Die Ukrainer stellte der Kremlchef darin als Teil des russischen Volkes dar, ihre Staatlichkeit bezeichnete er als künstlich oder fremdgesteuert.
Diese Sichtweise zog der Kremlchef später zur Rechtfertigung des Angriffskriegs heran. Wissenschaftlich haltbar sind Putins Ausführungen nicht. Nationen sind politisch, kulturell und historisch geprägt, nicht genetisch.
