Donald Trump mahnt zu einer Abkehr von Angriffen auf russische Raffinerien – kurz darauf gehen die nächsten Anlagen in Flammen auf.
„Verdammtes Chaos, zum Teufel“Putins Raffinerien stehen in Flammen – Trumps Worten zum Trotz

Ein vom ukrainischen Verteidigungsministerium veröffentlichtes Foto soll einen Brand auf dem Gelände einer Raffinerie im russischen Samara zeigen.
Copyright: Ukrainisches Verteidigungsministerium
Die ukrainischen Streitkräfte haben erneut russische Ölraffinerien angegriffen – den Mahnungen von US-Präsident Donald Trump zum Trotz. Berichten zufolge schlugen in der Nacht auf Dienstag (22. September) Drohnen in einer Raffinerie in der russischen Stadt Samara an der Wolga ein. In der Anlage entstand ein Brand, wie russische und ukrainische Telegramkanäle berichteten. Russische Behörden schrieben auf Telegram von einem Drohnenangriff auf Industriebetriebe, der abgewehrt worden sei. Ein Mensch sei getötet worden.
Kursierende Aufnahmen von Augenzeugen, die von ukrainischen Telegram-Kanälen verbreitet wurden, zeigten einen großen Feuerball, der den Himmel in der Nähe der Raffinerie erhellte. Später aufgenommene Videos schienen Rauch und Brände im Kraftwerk zu zeigen. Der russische oppositionelle Nachrichtenkanal Astra berichtete ebenfalls über einen Angriff auf die Raffinerie in Samara.
Ukraine greift zwei russische Raffinerien an
Auch der ukrainische Generalstab bestätigte die Attacke und verkündete zudem, dass auch eine Raffinerie in Ufa attackiert worden sei. Ein Drohnenangriff traf demnach auch die Ölraffinerie Bashneft-Ufa in der russischen Republik Baschkortostan, rund 1300 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Auch dort sei in der Folge ein Brand ausgebrochen, hieß es aus Kyjiw.
Bereits seit Monaten nimmt die Ukraine systematisch russische Raffinerien ins Visier – mittlerweile kommt es in Russland landesweit deshalb zu Treibstoffengpässen und einem starken Rückgang der Raffinerieproduktion. Zahlreiche russische Raffinerien mussten die Produktion nach ukrainischen Drohnenangriffen drastisch reduzieren oder vollständig einstellen.
„Die Raffinerie ist im Arsch, Scheiße“
Immer wieder kursieren Aufnahmen von langen Schlangen vor russischen Tankstellen. Insbesondere im Netz wird der Frust der Bevölkerung über die Lage nahezu nach jeder Attacke aufs Neue sichtbar. Auch am Dienstag wurden Videos in russischen Telegram-Kanälen veröffentlicht.
„Die Raffinerie ist im Arsch, Scheiße“, hört man dort etwa einen Russen sagen, während Explosionen zu sehen sind, die vom Angriff in Samara stammen sollen. „Zum Teufel, da drüben herrscht jetzt verdammtes Chaos“, heißt es derweil in einem anderen Video, das weiter entfernt aufgenommen wurde. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen nicht.
Donald Trump: „Russland hat die Kontrolle verloren“
Auch eine Mahnung von Donald Trump in der vergangenen Woche konnte die Angriffe nicht stoppen. „Herr Selenskyj muss eines tun: Er muss aufhören, die Dieselversorgung in Russland zu unterbrechen“, hatte der US-Präsident am 13. September gefordert. Sowohl die Ukraine als auch Russland setzten die Angriffe jedoch kurz nach Trumps Wortmeldung unbeirrt fort.
Am Montag (21. September) meldete sich der US-Präsident dann erneut zu Wort. „Russland hat aufgrund seines Krieges gegen die Ukraine leider die Kontrolle über seine Dieselölindustrie verloren“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. „Eine große Anzahl seiner Dieselraffinerien wurde gesprengt und ist zumindest vorübergehend außer Betrieb.“
Der „lächerliche und endlose“ Krieg gegen die Ukraine müsse beendet werden, forderte der Republikaner zudem. „Die ganze Welt leidet darunter, dass jeden Monat 25.000 Menschen, vor allem Soldaten, getötet werden. Was für eine Schande“, fügte Trump hinzu.
US-Präsident macht Druck auf Selenskyj
Die „Financial Times“ berichtete zudem, dass der US-Präsident den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat dazu gedrängt habe, die Angriffe auf russische Energieinfrastruktur einzuschränken – offenbar ohne Erfolg, wie die jüngsten ukrainischen Angriffe zeigen. Selenskyj hat unterdessen Gespräche mit Trump am Rande der UN-Generaldebatte in New York angekündigt.
„Der Energiesektor der Ukraine, ihre kritische Infrastruktur und unsere Lebensmittelexporte dürfen nicht länger Ziele Russlands sein, dies wird zu entsprechenden Deeskalationsmaßnahmen unsererseits führen“, schrieb Selenskyj zudem bei X und erinnerte an die zahlreichen Waffenstillstandsangebote, die von der Ukraine unterbreitet, von Russland jedoch abgelehnt wurden. „Es wird nicht mehr so sein, dass nur das angegriffene Land leidet“, stellte Selenskyj klar. Die Ukraine sei aber weiterhin zu „Lösungen“ bereit.
Moskau lehnt Waffenstillstand erneut ab
Aus Moskau kommen derweil auch am Dienstag andere Töne. „Was Selenskyjs Äußerungen betrifft, so ist klar, dass sich die Lage in der Ukraine, wie bereits erwähnt, von Tag zu Tag verschlechtert“, behauptete etwa Kremlsprecher Dmitri Peskow und wies eine Waffenruhe zurück. „Präsident Putin und die russische Seite haben immer gesagt, dass wir einen dauerhaften Frieden befürworten und nicht einen Waffenstillstand, der im Grunde nichts bewirken würde.“
Die Ukraine wisse „genau, welche Entscheidungen getroffen werden müssen, um einen Weg einzuschlagen, der zu einem nachhaltigen Frieden führt“, behauptete Peskow weiter und bekräftigte somit indirekt die russischen Maximalforderungen, die von der Ukraine als inakzeptabel abgelehnt werden.
Russland-Experten wie der Historiker Matthäus Wehowski zeigen sich davon nicht überrascht. „Wie erwartet lehnt Putins Sprecher Peskow erneut das Angebot der Ukraine für einen Waffenstillstand ab“, kommentierte Wehowski die Äußerungen aus Moskau auf der Plattform X und fügte hinzu: „Russland fordert nach wie vor die bedingungslose Kapitulation.“
