Während Selenskyj von einem „sehr guten“ Treffen mit Trump berichtet, sorgen Putin und Lawrow mit ihren Äußerungen für Aufsehen.
Radikale Worte von Putin und LawrowTrump hilft Selenskyj – und Moskau gleitet in den „Strudel des Irrsinns“

Moskaus Machthaber Wladimir Putin im Gespräch mit Reportern im Kreml. (Archivbild)
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US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen im Weißen Haus die von Kyjiw vielfach geforderten Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesichert. „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte Selenskyj im Interview mit dem „Fox News“-Moderator Sean Hannity nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten.
Das Gespräch zwischen Trump und Selenskyj fand hinter verschlossenen Türen statt und endete US-Medien zufolge nach einer guten Stunde. Der US-Präsident ließ auf seiner Plattform Truth Social lediglich wissen, dass das Treffen mit Selenskyj „sehr gut“ gelaufen sei. Auch der ukrainische Staatschef sprach von einem „sehr guten“ Treffen.
Trump und Selenskyj melden „sehr gutes“ Treffen – Kreml auf Kriegskurs
Die Beziehung zwischen der Ukraine und den USA hat sich zuletzt spürbar entspannt. Trump und Selenskyj haben sich zuletzt häufiger gesehen: Anfang des Monats beim NATO-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Évian. Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zu Russlands Krieg gegen die Ukraine mit. Trump hob in Ankara zudem hervor, dass er ein gutes Verhältnis zu seinem ukrainischen Kollegen habe.
Während mit der angeblichen Freigabe der Patriot-Lizenzen der nächste Schritt der Annäherung zwischen Washington und Kyjiw folgt, deutet weiterhin nichts auf Bewegung in Moskau hin. Zunächst hatte Kremlchef Wladimir Putin den Kriegskurs des Kremls untermauert.
Wladimir Putin prophezeit Zerfall der gesamten Ukraine
Bei einem Auftritt am Sonntag beanspruchte der russische Machthaber die gesamte Ukraine östlich des Dnjprs als russisches Gebiet – und prophezeite dem Nachbarland, dass andere ukrainische Nachbarländer wie Ungarn oder Polen in der Zukunft auch die Westukraine erobern würden.
„Ich bin sicher, dass die Ukraine diese westlichen Gebiete früher oder später verlieren wird“, hatte Putin vor einer Rede vor russischen Militärs erklärt. „Was Polen, Ungarn und Rumänien gehörte, wird – vielleicht nicht morgen, nicht übermorgen, in einem Jahr, zwei, zehn, fünfzehn – aber alles wird sich historisch gesehen wieder an seinen Platz fügen.“
„Putin sieht den größten Teil der Ukraine als Russland an“
Der Kremlchef untermauerte laut Experten wie dem Politikwissenschaftler Nico Lange mit seinen Äußerungen seine Ansprüche – und seine unnachgiebige Haltung.
„Putin sieht den größten Teil der Ukraine als Russland an“, schrieb Lange auf der Plattform X zu den Worten des Kremlchefs. Die Ausführungen über angebliche Ambitionen Ungarns oder Polens seien „unsinnige Betrachtungen eines Hobbyhistorikers“, ordnete der Politikwissenschaftler ein.
Moskau will „gesunde Wut entwickeln“
Am Mittwoch (29. Juli) ließ dann der russische Außenminister Sergej Lawrow keinen Zweifel an Moskaus Motiven aufkommen: Angesichts der jüngsten ukrainischen Angriffe, die vom Kreml als „Terror“ bezeichnet werden, müsse Russland „sich konzentrieren und eine gesunde Wut entwickeln“, erklärte Lawrow in einem Interview mit russischen Staatsmedien, und gab erneut den Sieg über die Ukraine als Ziel aus.
Viele Russen würden zwar gerade „alle Härten des Kriegsrechts am eigenen Leib erfahren“, erklärte Lawrow mit Blick auf ukrainische Drohenangriffe in Metropolen wie Moskau oder St. Petersburg. Doch die Bevölkerung wisse, dass „unser Land im Grunde den Nachfahren und Anhängern der Nazis gegenübersteht“, so Lawrow. Seit Kriegsbeginn behauptet Moskau immer wieder wahrheitswidrig, in der Ukraine sei ein „Neonazi-Regime“ an der Macht.
„Lawrow gleitet immer weiter in den Strudel des Irrsinns ab“
Russland dürfe sich weiterhin nur „auf sich selbst verlassen“, hieß es weiter vom dienstältesten russischen Minister. Der „Kampf gegen den Nationalsozialismus“ müsse zu Ende geführt werden, bekräftigte Moskaus Chef-Diplomat den Kriegskurs des Kremls und wählte schließlich schrille Worte: Eine andere Option könne es für Russland nicht geben, erklärte Lawrow, „wenn wir unsere russische Zivilisation bewahren wollen“.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)
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Bei westlichen Experten sorgten auch diese Äußerungen für deutliche Kommentare. „Lawrow gleitet immer weiter in den Strudel des Irrsinns ab“, kommentierte etwa der Historiker und Russland-Experte Matthäus Wehowski die Ausführungen des russischen Ministers bei X.
Ukraine setzt Angriffe fort
Die Ukraine setzte ihre Angriffsserie auf Ziele in Russland unterdessen auch am Mittwoch fort – erneut wurde dabei auch ein Logistikzentrum des russischen Versandhändlers Wildberries getroffen. Auch eine Raffinerie, eine Radarstation und ein Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte wurden nach ukrainischen Angaben kritisiert.
„Russland muss spüren, dass jeder Tag dieses Krieges für das Land mit immer höheren Kosten verbunden ist“, kommentierte Staatschef Selenskyj die erneuten Schläge. „Wir müssen den Aggressor schwächen und den Druck aufrechterhalten, um das Ende dieses Krieges näher zu bringen.“
Selenskyj und Experten warnen vor möglicher Mobilmachung
Dafür, dass Moskau weiterhin kein Interesse an Frieden hat, hatte es indessen bereits vor den jüngsten Äußerungen von Putin und Lawrow deutliche Anzeichen gegeben.
Der Kremlchef sei „nicht bereit, den Krieg zu beenden“, erklärte Selenskyj kürzlich und warnte: „Unseren Geheimdienstinformationen zufolge bereitet er eine Mobilmachung vor.“ Auch Analysten des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien berichteten zuletzt von Hinweisen, die auf eine geplante Mobilmachung hindeuten könnten. (mit dpa)
