Dass der CIA-Direktor für Gespräche nach Russland gereist ist, sorgt für Aufsehen. Kreml und Trump äußern sich – doch es bleibt vage.
Deutschland könnte Faktor seinSpekulationen nach rätselhafter Reise – was wollte Trumps „Falke“ in Moskau?

US-Präsident Donald Trump (r.) mit CIA-Direktor John Ratcliffe. (Archivbild)
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Die Visite des Direktors des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, in Moskau sorgt weiterhin für Aufsehen – und für Spekulationen, bei denen auch Deutschland eine Rolle spielt. Nachdem am Dienstag lange Unklarheit darüber geherrscht hatte, wer in einem US-Flugzeug in Moskau gelandet ist, bestätigte Kremlsprecher Dmitri Peskow schließlich, dass Ratcliffe zu Gesprächen „zwischen den Geheimdiensten“ in die russische Hauptstadt gekommen sei.
Der Vertraute von Wladimir Putin betonte jedoch, dass es kein Treffen des Kremlchefs mit Ratcliffe gegeben habe. Peskow sagte weiter, der Kreml plane momentan auch keine Begegnungen mit anderen hochrangigen Vertretern der USA. Putin sei jedoch „selbstverständlich umgehend über alles informiert“ worden, berichtete Peskow.
Kremlsprecher sorgt mit Aussagen für Verwunderung
Am Vortag hatte der Kremlsprecher nach der Landung eines US-Militärflugzeugs in Moskau noch behauptet, ihm sei nichts dazu bekannt. Russische Kommentatoren amüsierten sich über die Äußerungen, weil es Aufnahmen von dem Flugzeug in den sozialen Netzwerken gab.
Viele fragten sich, wie eine solch riesige Maschine mit dem CIA-Chef an Bord ohne Wissen der russischen Staatsführung einfach auf dem Flughafen Wnukowo landen könne. In sozialen Medien gab es zudem Berichte über eine auffällige Fahrzeugkolonne mit Diplomatenkennzeichen in der Moskauer Innenstadt. Auf seine vorherigen Aussagen ging Peskow nun nicht mehr ein.
CIA-Chef in Moskau: Visite sorgt für Spekulationen
Über den Anlass der jüngsten Gespräche wird derweil viel spekuliert. Bekannt ist dazu offiziell nichts. Gemutmaßt wurde vielfach, dass Ratcliffe Russland vor einer weiteren Eskalation im Krieg gegen die Ukraine warnen wollte.
Das angegriffene Nachbarland hatte unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mitgeteilt, Putin plane eine Mobilmachung nach der Parlamentswahl im September. Kremlsprecher Peskow wies das am Dienstag als Falschinformation – als eine „Ente“ – zurück, die nur das Ziel habe, die Lage in Russland vor den Wahlen zu destabilisieren.
Ging es in Moskau auch um Deutschland?
Der kremlnahe Politologe Sergej Markow äußerte derweil auch noch andere Thesen, etwa zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Moskau unterstützt die Führung in Teheran. Möglich sei auch eine Verbindung zu dem Fund von Sprengstoff-Drohnen auf dem Flughafen Halle-Leipzig, meinte Markow außerdem. Die US-Behörden vermuten, dass Russland hinter dem Vorfall steckt. In Deutschland laufen dazu Ermittlungen.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte auf dem Flughafen von einem hybriden Angriff fremder Mächte gesprochen, ohne direkt Moskau verantwortlich zu machen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte am Dienstag an, dazu in Kürze Erkenntnisse bekanntzugeben. Die Urheber würden für diese Bedrohung „bezahlen“, sagte Merz.
Kreml dämpft Hoffnungen auf Verbesserungen
Der Kreml dämpfte unterdessen Hoffnungen auf eine Verbesserung der angespannten Beziehungen zwischen den USA und Russland. Derartige Gespräche seien zwar ein „positiver Prozess“, erklärte Kremlsprecher Peskow. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, inwieweit dies dazu beitragen könnte, das Verhältnis zwischen beiden Ländern aus der gegenwärtigen „tiefen Krise“ herauszubringen.

US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
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Am Mittwoch äußerte sich dann auch US-Präsident Donald Trump zu dem rätselhaften Besuch des amerikanischen Geheimdienstchefs in Moskau – und blieb bei seinen Aussagen ebenfalls vage.
Auch Donald Trump bleibt vage
Bei den Gesprächen „könnte möglicherweise etwas bei herauskommen“, erklärte Trump lediglich und sprach von einem „halbwegs routinemäßigen“ Treffen. Details nannte der US-Präsident nicht, betonte jedoch, dass Washington „möchte, dass der Krieg in der Ukraine beendet wird“.
Der letzte Besuch eines CIA-Direktors in Moskau fand im November 2021 statt, als William Burns Russland vor einem Truppeneinsatz in der Ukraine warnte. Wochen später begann der Kreml seinen umfassenden Krieg gegen die Ukraine. Die nunmehrige Visite Ratcliffe hat deshalb auch im Westen für Verwunderung und Spekulationen gesorgt.
Experten verwundert: „Es sei denn, es gibt einen besonderen Grund“
„Die Amerikaner schicken normalerweise keinen so hochrangigen Beamten unangekündigt und kurzfristig nach Moskau, es sei denn, es gibt einen besonderen Grund“, zeigte sich etwa der frühere britische Militärattache John Foreman erstaunt im Gespräch mit der BBC.
Ähnlich äußerte sich der deutsche Sicherheitsexperte Peter R. Neumann auf der Plattform X. „Wahrscheinlich ist Ratcliffes Ziel, russische Absichten auszuloten und vor weiterer Eskalation zu warnen – in der Ukraine, gegenüber der NATO, im Iran-Konflikt oder bei hybriden Angriffen“, schrieb Neumann.
„Die Botschaft könnte lauten: Wir wissen, was ihr tut“, führte der Sicherheitsexperte aus. „Diese Art von Kommunikation – zusammen mit entsprechenden Belegen – ist klassische Geheimdiplomatie“, schrieb der Sicherheitsexperte und erinnerte ebenfalls an den Besuch von Burns kurz vor Kriegsbeginn. Der frühere US-Präsident Joe Biden habe den damaligen CIA-Chef nach Russland geschickt, um Moskau vor einer Invasion der Ukraine zu warnen. „Putin ließ sich davon aber nicht abhalten.“
„Dann betrifft das Deutschland und Europa unmittelbar“
Eine andere Parallele sei jedoch relevanter, betonte Neumann – und erinnerte an Vorfälle aus 2024. „Nach mehreren versuchten Paketbomben-Angriffen warnten die Amerikaner Russland vor weiterer Eskalation. Danach hörten die Angriffe sofort auf.“
Sorgen müsse man sich deshalb weniger um den Besuch, sondern um den Anlass dahinter machen, führte Neumann aus. „Wenn Washington tatsächlich Hinweise auf eine weitere Eskalation Russlands hat, dann betrifft das Deutschland und Europa unmittelbar.“
Ratcliffes überraschende Reise nach Moskau hat unterdessen auch für Aufsehen gesorgt, da der CIA-Direktor als Ukraine-Unterstützer gilt, der von russischen Medien mitunter als „einer der ‚Falken‘ in Trumps Kabinett“ bezeichnet wurde. Bisher setzte Washington bei Gesprächen mit Moskau vorwiegend auf Trumps Sondergesandten Steve Witkoff, der für seinen freundlichen Umgang mit Kremlchef Putin bekannt ist. (mit dpa)