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„Könnten alle mit Freude singen“Ramelow will Abstimmung über Nationalhymne und hat bereits Lied im Auge

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Bodo Ramelow bei einem Wahlkampfauftritt 2024 (Archivbild)

Bodo Ramelow bei einem Wahlkampfauftritt 2024 (Archivbild) 

Laut Bodo Ramelow fremdeln viele Menschen mit der deutschen Nationalhymne. 

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich für eine neue deutsche Nationalhymne und eine Abstimmung über die schwarz-rot-goldene Bundesflagge ausgesprochen. Der „Rheinischen Post“ (Freitag) sagte Ramelow, er kenne viele Ostdeutsche, die aus vielerlei Gründen nichts von der aktuellen Hymne hielten. „Ich würde daher tatsächlich gerne die Kinderhymne von Bertolt Brecht zur Abstimmung stellen.“ Diese habe einen „wunderbaren Text“, so der ehemalige thüringische Ministerpräsident.

Bodo Ramelow setzt sich für neue deutsche Hymne ein

Die Kinderhymne ist ein Gedicht Bertolt Brechts aus dem Jahr 1950, das im Kinderliedzyklus auch vertont wurde. Brecht schrieb seine Hymne nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst als Gegenstück zum von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichteten Deutschlandlied, das seiner Meinung nach durch den Nationalsozialismus korrumpiert worden war.

„Über die Passage, dass ein besseres Deutschland blühe, könnten wir Zugang zu einer gesamtdeutschen Hymne finden, die wir alle zusammen mit Freude singen könnten“, so der Linken-Politiker weiter. Zugleich sagte Ramelow, er selbst singe die dritte Strophe der aktuellen Hymne mit Begeisterung, „weil ich sie einordnen kann“.

Ramelow forderte außerdem eine Abstimmung über die Flagge der Bundesrepublik Deutschland. Dazu sagte er: „Ich weiß, dass Schwarz-Rot-Gold die Absage an totalitäre Strukturen ist. Viele fremdeln aber auch mit der Nationalfahne. Ich würde das alles mit Artikel 146 zur Abstimmung stellen wollen.“ Diese Passage des Grundgesetzes ermögliche das Inkrafttreten einer neuen Verfassung, die vom deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossen worden sei. Für eine solche Volksabstimmung wolle er sich einsetzen, so der Vizepräsident des Bundestags.

CDU und AfD lehnen Vorschlag von Ramelow ab

Eine neue Nationalhymne hatte Ramelow bereits 2019 als Ministerpräsident vorgeschlagen und damit eine vielstimmige Debatte ausgelöst.

Nach seinem jüngsten Vorstoß äußerten sich zunächst nur einige wenige Politikerinnen und Politiker. „Die Linke hat offenbar nicht nur ein Problem mit offenem Antisemitismus in den eigenen Reihen, sondern auch mit Einigkeit und Recht und Freiheit“, schrieb die Berliner CDU-Ottilie Klein auf X ohne inhaltlich auf den Vorschlag einzugehen. 

Bei der AfD fand Ramelows Vorstoß wenig überraschend ebenfalls keinerlei Unterstützung. Der Linken-Politiker sei eine „Anti-Deutsche Type“, befand Frank Grobe, AfD-Abgeordneter im Hessischen Landtag. 

Die frühere AfD-Chefin Frauke Petry kommentierte entrüstet. „Keine Volksabstimmung zum Euro, keine zur Energiewende, keine zur illegalen Massenmigration, keine zur Einschränkung der Bürgerrechte zZv Corona, aber jetzt eine zur Flaggenänderung??? Habt Ihr sie noch alle in Berlin?“ (pst/kna)