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„Ekliger“ Reflecting PoolTrumps Prestigeprojekt ist voller Algen – Spott über Chemie-Einsatz

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Der Reflecting Pool in Washington ist grün (Bild vom 16 Juni).

Der Reflecting Pool in Washington ist grün (Bild vom 16 Juni).

Trump wollte die Mall in Washington zum 250. Gründungstag der USA verschönern. Das Gegenteil ist ihm gelungen.

Donald Trump ist für symbolträchtige Gesten bekannt und möchte seiner Präsidentschaft auch optisch Größe und Gewicht verleihen. Er sieht sich in einer Reihe mit historisch bedeutenden US-Persönlichkeiten und -Präsidenten – wenn er sie nicht sogar übertrumpfen möchte. Das funktioniert in der Realität aber nicht bei allen Projekten des US-Präsidenten. Die Umbenennung des Kennedy Center in Trump-Kennedy Center werteten viele Amerikaner als Beleg für Trumps Größenwahn. Die Umbenennung wurde nach einer richterlichen Entscheidung wieder rückgängig gemacht.

Spektakulär ist der Abriss des East Wing des Weißen Hauses zugunsten eines protzigen Ballsaales, der viele Amerikaner angesichts der Missachtung der historischen Bausubstanz erschaudern ließ. Auch hier schritten Gerichte ein und erließen einen zumindest vorübergehenden Baustopp. Bei der Kostenfrage steht Trump unter Druck: Der Saal wird wohl deutlich teurer als geplant, und zuletzt ergaben Recherchen der „Washington Post“, dass anders als angekündigt doch Steuergelder dafür eingesetzt werden.

Trump will Reflecting Pool sanieren lassen

Eine andere bauliche Maßnahme, die Trump initiierte, scheint ebenfalls unter keinem guten Stern zu stehen und sorgt nun für Häme bei seinen Kritikern. Der Reflecting Pool in Washington war dem US-Präsidenten ein Anliegen. Bei der Anlage auf der National Mall zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument handelt es sich um eine flache, spiegelnde Wasserfläche, die seit Jahrzehnten ihre Umgebung in Szene setzt.  

Das über 600 Meter lange Becken wurde 1922/23 gebaut und war laut Trump sanierungsbedürftig, er bezeichnete es als „dreckig“. Aufgrund der geringen Wassertiefe und des warmen Klimas in Washington wurde der Pool häufig von Algen befallen, die das Wasser trüb und grün färbten. Trump wollte dies durch einen speziellen Industrie-Anstrich dauerhaft verhindern, damit die Prachtmeile in der Hauptstadt für die Feierlichkeiten zum 250. Gründungstag der Vereinigten Staaten erstrahlen kann.

Der helle Steinboden wurde nun also mit einer blauen Farbe angestrichen, wie sie in Swimmingpools zum Einsatz kommt. Trump verkaufte die Farbe als „amerikanisches Flaggenblau“, allerdings sahen viele darin eine Vulgarisierung des nationalen Monuments. Hinzu kam, dass der Auftrag offenbar ohne Ausschreibungsverfahren an ein Unternehmen ging, das zuvor in einem von Trumps Golfklubs gearbeitet hatte.

Die Maßnahmen kosteten 14 Millionen US-Dollar, obwohl ursprünglich nur 1,8 Millionen Dollar veranschlagt worden waren.

Grüne Algen sind zurück

Kurz nach der aufwändigen Sanierung des Reflecting Pools stellte sich jedoch heraus: Die Algen sind zurück, und offenbar stärker als zuvor. Eine These: Durch den dunklen Boden erwärmt sich das Wasser noch schneller als zuvor und veralgt stärker. Statt Blau ist Grün die dominierende Farbe, und es machten Scherze über „Flaggengrün“ die Runde. Es ist vielfach die Rede von „rausgeworfenem Geld“. 

Dabei hatte Trump am 5. Juni auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social behauptet, die Renovierung des Reflecting Pools werde dauerhaft sein. „Das war kein einfacher Anstrich“, sagte er. „Es handelte sich um ein hochmodernes, industrietaugliches Material, das 100 Jahre halten kann und von sehr talentierten Fachleuten verarbeitet wurde.“

Arbeiter schütten Chemie in Reflecting Pool

Selbst wenn das Material quasi unvergänglich sein sollte – der gewünschte Effekt wurde definitiv verfehlt. Um die Algen abzutöten, griff man in Washington in den vergangenen Tagen nun zu drastischen Mitteln. Arbeiter des National Park Service hantierten mit Skimmern, um die Algen aus dem Wasser zu holen. Zudem kippten sie am Dienstag flaschenweise Wasserstoffperoxid ins flache Wasser, um das Wachstum zu stoppen.

Wasserstoffperoxid (H₂O₂) ist eine chemische Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff, die als starkes Oxidations- und Bleichmittel wirkt. Ob das sinnvoll ist, wurde in den sozialen Medien diskutiert. Angesichts der kleinen Flaschen berechnete ein User, man bräuchte für den Reflecting Pool mindestens 8.000 Liter 12-prozentiges Wasserstoffperoxid, „um die Konzentration von 50 Teilen pro Million zu erreichen, die nötig ist, um Algen abzutöten“. Das passiere also, wenn die Regierung nicht auf die Wissenschaft höre.

In der Tat ist auf Luftaufnahmen zu sehen, dass lediglich die Ränder der Wasserfläche wieder blau wurden, in der Mitte blieb der Reflecting Pool satt grün. Ein User schreibt bei X, das Wasser sei mit der Chemie noch „widerwärtiger“ geworden, mit „variierenden Streifen von ekligem Grün. Es ist eine passende visuelle Metapher für diese gescheiterte Präsidentschaft“, heißt es weiter.

Ob das Problem in den Griff zu bekommen ist, bleibt unklar. Der Sender CNN entnahm Wasserproben und ließ diese untersuchen. Ergebnis: Die Phosphatwerte überschritten bei weitem die empfohlenen Grenzen. Algen lieben Phosphat: „Die haben hier also ein wahres Fest“, erklärte ein Experte bei CNN. Phosphat kann auf natürlichem Wege oder durch menschliche Einflüsse wie Dünger in den Pool gelangt sein.

Fachleute weisen darauf hin, dass Wasserstoffperoxid und mechanische Maßnahmen die Algen zwar kurzfristig eindämmen können, aber nicht automatisch die Ursachen beseitigen. Wärme, Nährstoffe, die Wasserquelle und das Leitungssystem bleiben entscheidend.