Abo

„Wird bald aufhören zu existieren“Ukraine kontert Putins „Büchse der Pandora“ mit massiven Angriffen

3 min
Ein Screenshot aus einem Video soll ein brennendes Ozon-Logistikzentrum in Russland zeigen.

Ein Screenshot aus einem Video soll ein brennendes Ozon-Logistikzentrum in Russland zeigen.

Nach den jüngsten Drohungen von Kremlchef Wladimir Putin brennen zu Wochenbeginn gleich vier Logistikzentren in Russland. 

Die ukrainischen Streitkräfte haben Russland erneut mit schweren Angriffen überzogen. Das Unternehmen Ozon, der zweitgrößte russische Einzelhändler, meldete in der Nacht auf Montag (24. August) Schläge gegen mindestens vier seiner Logistikzentren. Verletzte oder Tote gab es nach Angaben des Unternehmens nicht.

Russischen Angaben zufolge wurden drei Menschen bei einem der Angriffe in der Millionenstadt Krasnodar getötet. Bei der Attacke in der Nacht seien Drohnentrümmer auf eine private Kinderbetreuungseinrichtung gestürzt, teilten lokale Behörden mit. Drei Kinder seien getötet, sechs weitere verletzt worden. Die russischen Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Massive Angriffswelle trifft Ozon-Logistikzentren

Auch in anderen Regionen Russlands gab es Drohnenschläge gegen Ozon-Lagerhallen. Mindestens vier Zentren gerieten laut Behörden in Brand – so viele wie noch nie an einem Tag. Es war der dritte Tag in Folge mit Schlägen gegen die Ozon-Standorte.

Die Aktien des Unternehmens brachen zum Wochenauftakt an der Moskauer Börse ein. Zuvor hatte die Ukraine über Wochen die Logistikzentren des größten russischen Onlineversandhändlers Wildberries attackiert. Dabei entstand ein Milliardenschaden.

Ukrainische Drohnentruppen melden Angriffe auf 66 russische Ziele

Der Kommandeur der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, gratulierte mit den Treffern seinem Land zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit. „Moskau wird fallen“, schrieb er wie bereits in der Vergangenheit nach erfolgreichen ukrainischen Angriffen bei Telegram.

Nach Browdis Angaben sollen 66 russische Ziele getroffen worden sein, darunter auch ein Kampfjet im Gebiet Rostow. Die Angaben sind von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. Der in der Ukraine populäre Kommandeur der Drohnentruppen hatte derweil bereits am Sonntag deutliche Worte für Moskau und die russischen Angriffe auf zivile Ziele wie zuletzt auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih gefunden.

„Wir schicken dem Feind den Schmerz zurück“

„Diese Scheißkerle üben massiven Terror gegen die Zivilbevölkerung unseres Vaterlandes aus“, schrieb Browdi in den sozialen Netzwerken, versicherte seinen Landsleuten jedoch: „Seid gewiss, wir schlagen zurück, ohne Unterlass. Wir schicken dem Feind den Schmerz zurück.“ 

Auch das ukrainische Zentrum für strategische Kommunikation (SPRAVDI), eine staatliche Behörde, kommentierte die jüngsten Angriffe auf Ozon-Logistikzentren in den sozialen Netzwerken – und veröffentlichte Aufnahmen, auf denen die brennenden Lagerhäuser des russischen Unternehmens zu sehen sein sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen ebenso wie andere in den sozialen Netzwerken kursierende Videos nicht.

Ozon im Visier: „Unternehmen wird bald aufhören zu existieren“

„Das zweitgrößte Logistikunternehmen des Landes wird bald aufhören zu existieren“, hieß es nun aus Kyjiw. Ozon werde seine hohen Schulden bei russischen Banken in Zukunft nicht mehr bedienen können. Zudem werde kein Strom von „dringend benötigten Steuereinnahmen“ mehr in die „Kriegsmaschinerie des Kremls“ fließen, hieß es weiter. 

Das ukrainische Verteidigungsministerium hatte bereits am Samstag (22. August) Angriffe gegen Ozon angekündigt. „Nachdem ukrainische Einheiten die 15 größten Logistikzentren von Wildberries getroffen haben, ist nun Ozon an der Reihe.“ Wildberries ist der größte und Ozon der zweitgrößte Online-Marktplatz Russlands. Beide Unternehmen werden häufig mit dem US-Konzern Amazon verglichen.

Ukraine reagiert mit neuer Angriffswelle auf Putins Worte

Die Angriffe gegen die Wildberries-Logistikzentren begründete die Ukraine damit, dass das Unternehmen Komponenten an das russische Militär liefere. Bereits seit Mitte Juli waren zahlreiche Standorte in verschiedenen Teilen Russlands und auf der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim getroffen worden.

Die jüngsten Schläge gegen Ozon folgen unterdessen auf eine Drohung von Kremlchef Wladimir Putin, der sich am vergangenen Wochenende zu den ukrainischen Angriffen geäußert hatte. 

Kremlchef Wladimir Putin droht mit „Büchse der Pandora“

Mit den Schlägen gegen die russische Wirtschaft habe die Ukraine die „Büchse der Pandora“ geöffnet, hieß es von Putin, der ankündigte, die „sensibelsten Wirtschaftssektoren“ der Ukraine im Gegenzug attackieren zu wollen. „Wir stehen zwar vor Herausforderungen beim Versand unserer Waren“, räumte der Kremlchef zwar ein, betonte jedoch zugleich, dass Russland „diese Probleme lösen werde“.

Auch die ukrainischen Angriffe gegen die russische Ölindustrie hatten in Russland zuletzt Wirkung gezeigt – immer wieder kommt es zu Kraftstoffmangel in verschiedenen Regionen des Landes. Aufnahmen von langen Schlangen an Tankstellen kursieren bereits seit Wochen in den sozialen Netzwerken. (mit dpa)