Wenn Klassenzimmer zu heiß sind, schicken die Schulen die Kinder nach Hause. Ein Nachteil für Kinder, die ohnehin schon schlechte Noten haben?
Schüler unbetreut zuhause„Hitzefrei wird zum bildungspolitischen Problem“

Zwei Kinder haben Hitzefrei und laufen mit ihren Büchertaschen im Sonnenschein nach Hause.
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Anhaltende Hitzewellen können sich negativ auf die Bildungsgerechtigkeit in NRW auswirken – das befürchtet Jochen Ott, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. „Es bringt nichts, die Kinder nach Hause zu schicken, wenn die Eltern beide arbeiten und es dort genauso heiß ist wie in der Schule“, sagte Ott vor Journalisten in Düsseldorf.
In der derzeitigen Situation bleibe den Schulen nichts anderes übrig, als den Kindern bei hohen Temperaturen Hitzefrei zu gewähren. „Das kann perspektivisch zu einem massiven Unterrichtsausfall führen, der Kinder, die zu Hause nicht betreut werden, benachteiligt.“ Der Klimawandel könne zu einem bildungspolitischen Problem werden. „Das dürfen wir nicht akzeptieren. Das Land muss alles unternehmen, um die Schulen resilienter gegen Hitze zu machen.“
Schulleiter schlagen Alarm
Viele Schulleiter an Grundschulen hätten wegen der aktuellen Situation bereits Alarm geschlagen. „Da herrschen zum Teil schon morgens um acht Uhr Temperaturen von mehr als 30 Grad in den Klassenzimmern.“ Ein Zustand, der nicht hinnehmbar sei. „Die Hitze ist kein reines Wetterereignis mehr, sie ist längst eine politische Herausforderung“, sagte der Politiker aus Köln.
Oft seien die Maßnahmen nicht abgestimmt. „Wenn der Schulbus nicht fährt, macht es keinen Sinn, die Kinder kilometerlang zu Fuß durch die Hitze zu schicken“, sagte Ott. Ihm seien Fälle bekannt, in denen Schüler in einer solchen Situation mit hochrotem Kopf zu Hause erschienen seien.
Die Städte und Gemeinden wüssten genau, wie sie auf die Hitzebelastung reagieren müssten. Für mehr Grün, mehr Wasserspeicher und kühlere öffentliche Räume fehle aber „schlicht das Geld“. Die Hitze stelle auch für Alte und Kranke eine hohe Belastung dar. „Es darf doch nicht sein, dass wir in einem reichen Land Sorge haben müssen, ob hochbetagte Menschen in Pflegeheimen die nächsten Hitzetage überleben“, warnte Ott.
Keine Verlängerung der Sommerferien
In Köln waren am vergangenen Wochenende 120 Menschen gestorben – deutlich mehr als sonst. Die Landespolitik rede schon seit Jahren über Klimaanpassung, konkret geschehen sei aber bislang zu wenig. Es sei „offensichtlich eine Aufgabe der Länder die Ausstattung von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern und Altenheimen zu gewährleisten“.
Die SPD will in der nächsten Plenarwoche einen Antrag zum Hitzeschutz einbringen. „Darin fordern wir u.a. die Förderung von „Cooling Zones“ im öffentlichen Raum – unsere Städte brauchen mehr begrünte Rückzugsorte und Hitzeschutzräume. Die SPD unterstütze auch die Forderung nach einem Sofortprogramm für Klimaanlagen. Die Förderung könne von der NRW-Bank aufgelegt werden. „Die Kommunen können jede Unterstützung gebrauchen – sie spielen beim Schutz der Bevölkerung vor Hitzewellen eine zentrale Rolle“, sagte Ott.
Von einer Verlängerung der Sommerferien hält der SPD-Fraktionschef nichts. Es sei unrealistisch zu glauben, dass sich die 16 Bundesländer auf eine Reform der rollierenden Ferien einigen würden können. „Es ist viel sinnvoller, die politische Energie darauf zu verwenden, die Schulen hitzeresistenter zu machen.“

