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Nichts hat sich geändert“ Selenskyj spricht vom „Murmeltiertag“ und meint das untätige Europa

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Wolodymyr Selenskyj in Davos

Wolodymyr Selenskyj in Davos

Bereits am Freitag soll es ein Treffen zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der USA in den Vereinigten Arabischen Emiraten geben.

Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands wollen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über Bedingungen für ein Ende von Russlands Krieg gegen die Ukraine reden.

Die Gespräche auf Expertenebene sollen an diesem Freitag und Samstag (23. und 24. Januar) in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, wie Selenskyj am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos sagte.

Von diesen Gesprächen in Abu Dhabi hatte zuvor auch Trumps Sondergesandter Steve Witkoff gesprochen. Dieser soll am Abend zunächst nach Moskau fliegen, um mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu sprechen.

Selenskyj verkündete in Davos ebenfalls, dass es eine Einigung mit US-Präsident Donald Trump über US-Sicherheitsgarantien für das von Russland angegriffene Land gebe. Das Thema Sicherheitsgarantien sei „erledigt“, so Selenskyj. „Das Dokument muss von den Seiten, von den Präsidenten unterzeichnet werden und geht dann an die nationalen Parlamente“, sagte Selenskyj, der sich zuvor mit Trump in Davos getroffen hatte.

Selenskyj kritisiert Europäer

Selenskyj nutzte seine Rede in Davos, um die europäischen Staaten zu kritisieren. Es fehle nach wie vor an entschlossenem Handeln angesichts der globalen Bedrohungen, so der ukrainische Präsident. Er knüpfte an seinen Auftritt vor einem Jahr beim Weltwirtschaftsforum an, als er appellierte, Europa müsse verteidigungsfähig werden. Seitdem habe sich nicht genug getan, beklagte er laut „Kyiv Independent“.

„Ein Jahr ist vergangen, und nichts hat sich geändert. Ich bin gezwungen, dieselben Worte erneut zu wiederholen“, so Selenskyj. Er fühle sich mit seinen Warnungen an den „Groundhog Day“ („Murmeltiertag“) erinnert, sagte der Präsident und bezog sich damit auf den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem die Hauptfigur denselben Tag immer und immer wieder erleben muss. Gleichzeitig erlebe sein Land den Krieg auch wie in einer Endlos-Schleife. 

„Anstatt zur echten Weltmacht zu werden, bleibt Europa ein wunderschönes, aber fragmentiertes Kaleidoskop kleiner und mittlerer Mächte“, fügt er hinzu. Die Staaten seien untereinander zu zerstritten, während die russische Kriegsmaschinerie weiterlaufe.

Selenskyj: „Putin baut Raketen“ – auch mit Hilfe der USA und Europas

Selenskyj kritisierte auch die Nato. Das transatlantische Verteidigungsbündnis existiere lediglich dank des Glaubens, dass die USA im Falle eines Angriffs nicht tatenlos zusehen, sondern helfen würden. „Doch niemand hat das Bündnis bisher in Aktion erlebt“, sagte Selenskyj. Er forderte eine Aufstockung der Streitkräfte.

Obwohl er das Treffen mit Trump positiv hervorhob, nahm der ukrainische Präsident die USA von seiner Kritik nicht komplett aus. Europa und auch die USA hinderten Unternehmen nicht daran, weiterhin Raketenkomponenten an Russland zu verkaufen. „Europa sagt nichts, Amerika sagt fast nichts, und Putin baut Raketen“, sagt er.

Zuvor hatte sich der Ukrainer mit US-Präsident Donald Trump getroffen. Das Gespräch dauerte etwa eine Stunde und beinhaltete im Anschluss ein Vieraugengespräch. Selenskyj erklärte danach, er habe angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur die Stärkung der Luftverteidigung angesprochen. (mit dpa/afp)