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Spannung vor Frankreich-WahlWo Le Pen deutlich vor Macron liegt

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Le Pen Macron

Wahlplakate von Le Pen und Macron 

Chauny – Nur ein einziges Wahlplakat hängt etwas verwaist am Parkplatz vor dem Bahnhof von Chauny. Es zeigt eine lachende Marine Le Pen und daneben die Aufschrift „Den Franzosen ihr Land zurückgeben“. Das Plakat von Präsident Emmanuel Macron, den Le Pen in der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahl am Sonntag herausfordert, muss jemand heruntergerissen haben. Oder es wurde gar nicht erst aufgehängt. Weil es sich in dem knapp 12000 Einwohner zählenden Städtchen ohnehin nicht lohnen würde?

Das Département Aisne, in dem Chauny liegt, gehört zu Le Pens Hochburgen, so wie der gesamte Nordosten des Landes. Die Region ist ländlich geprägt, durchzogen von kleinen Städten und Gemeinden. Handelte es sich einst um ein industrialisiertes Gebiet, das historisch in der Hand der Kommunisten war, so erzielen die Rechtsextremen hier seit einigen Jahren Spitzenergebnisse. In der ersten Runde am 10. April wählten 39 Prozent der Bewohner des Départements Aisne die Rechtspopulistin, während 22 Prozent für den Mitte-Politiker Macron stimmten.

Er habe Le Pen seine Stimme gegeben, sagt ein junger Mann, der vor einem Imbiss steht und kurz von seinem Handy aufblickt. Als 19-Jähriger wählte er zum ersten Mal. „Ich glaube, dass es uns mit ihr besser gehen wird. Sie tut mehr für unsere Kaufkraft.“ Warum sie ihn stärker überzeugt als die anderen Kandidaten? Der angehende Immobilienmakler sucht nach Worten. „Sie ist für die Franzosen, und Macron ist für alle.“ Die Aufgabe des Präsidenten sei doch, die Nation zu schützen. Macron gehe es um Europa.

Stadtbewohner für Macron

Laut Demoskopen neigen die Bewohner von Städten eher Macron zu und die Menschen im ländlichen Raum Le Pen. Es handele sich um eine „Klassen-Wahl“, sagt der Politologe Jérôme Sainte-Marie. „Die Entscheidung für Le Pen ist eng verbunden mit schwachen Immobilienpreisen, das heißt mit der Entfernung von den Metropolen, aber auch den Küsten.“ Dass die Rechtspopulistin, die sich als Anwältin der „kleinen Leute“, der Schwachen gibt, selbst in einer Villa in einem Vorort von Paris aufwuchs, stört ihre Wähler nicht. Sie steht gegen den „Block der Elite“, wie Sainte-Marie es ausdrückt.

Schlagabtausch in TV-Debatte

Vier Tage vor der entscheidenden Runde der französischen Präsidentschaftswahl treffen Präsident Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen am Mittwochabend in ihrem einzigen Fernsehduell aufeinander. Von 21.00 Uhr an werden beide zwei Stunden lang ihr Programm verteidigen und um die Wählerstimmen kämpfen.

Umfragen zufolge kommt Macron derzeit auf 55 bis 56,5 Prozent, etwa zehn Punkte weniger als vor fünf Jahren.  Am Freitag um Mitternacht beginnt die politische Funkstille, in der weder Umfragen noch Interviews erlaubt sind. Die Wahllokale sind am Sonntag von 8.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, in Großstädten auch bis 20.00 Uhr. Erste Hochrechnungen werden um 20.00 Uhr veröffentlicht. (kol/ju)

Während Macron überwiegend von Menschen mit guter Ausbildung und höherem Einkommen gewählt wird, hat sie ihre treuesten Anhänger unter Arbeitern im niedrigen Lohnbereich und den Arbeitslosen. Davon gibt es viele in Chauny. Mit 12,3 Prozent gehört die Arbeitslosenquote zu den höchsten des Landes. Nach Paris, das mit dem Zug in knapp eineinhalb Stunden zu erreichen ist, pendeln nur wenige.

Eine Haltestelle mit dem Regionalzug weiter liegt das Städtchen Tergnier. Hier erhielt Marine Le Pen in der ersten Wahlrunde 43 Prozent. Die Häuser sind flacher, ein Eisenbahnkreuz verläuft quer durch den Ort. Viele Vitrinen einstiger Geschäfte sind abgedeckt, oft hängt ein Schild davor mit der Aufschrift „Zu verkaufen“. Es gibt kaum Cafés oder Restaurants, aber mehrere Döner-Läden. Nach der Präsidentschaftswahl befragt, setzt die junge Verkäuferin der Bäckerei „La Bakery“ ein geschäftsmäßiges Lächeln auf. Eigentlich interessiere sie sich nicht für Politik. Viele im Ort seien unzufrieden, dabei fehle es gar nicht unbedingt an Jobs. „In Frankreich bekommt man viel staatliche Unterstützung“, sagt sie. „Wenn Sie mehrere Kinder haben, müssen Sie nicht unbedingt arbeiten für ein gutes Einkommen.“ Dankbarkeit schaffe diese Situation aber trotzdem nicht.

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Ein Rentner steht mit seinem Fahrrad an einer Baustelle hinter dem Rathaus und sieht den Arbeitern zu. Er habe für Macron gestimmt, sagt er. Viele hier wählten rechtsextrem, aber zum Glück entspreche das Ergebnis nicht dem im ganzen Land. Dort lag der Präsident mit 27,8 Prozent vor Le Pen mit 23,1 Prozent. „Macron wird durchkommen“, sagt der Mann, so als gelte es, auf den aussichtsreichsten Kandidaten zu setzen. Zwar sagen die Umfragen dem amtierenden Präsidenten den Sieg voraus, aber es dürfte knapper werden als 2017. Diesmal kann Le Pen mit rund 45 Prozent rechnen. „Die hat keine Chance“, prophezeit hingegen der Mann. Langsam schiebt er sein Rad weiter durch den verlassen wirkenden Ort.