Rom – Die Ernennung von Kardinälen wird traditionell mit einer Zeremonie im Petersdom gefeiert. Doch sie ist in erster Linie ein kirchenpolitisches Machtinstrument. An diesem Mittwoch wird Papst Franziskus zum vierten Mal während seiner Amtszeit neue Kardinäle "kreieren", wie die theologisch korrekte Bezeichnung lautet.
Denn der Papst als Stellvertreter Christi auf Erden schafft seine engsten Mitarbeiter und den Kreis, aus dem eines Tages sein Nachfolger gewählt wird, selbst. Dass Franziskus überraschenderweise in seinem vierten Amtsjahr bereits das vierte Konsistorium einberuft, ist dabei offenbar seinem Willen geschuldet, das Kollegium so stark und so schnell wie möglich nach seinen Vorstellungen zu prägen. Die Kreierung von Kardinälen ist das wirksamste Instrument des Papstes, den Kurs der katholischen Kirche über die eigene Amtszeit hinaus mitzubestimmen.
Ähnlich verfuhr Benedikt XVI.
Auffällig ist dabei, dass Franziskus am 28. Juni nur fünf neue Kardinäle ernennt, die alle unter 80 Jahre alt sind und damit in einem möglichen Konklave wahlberechtigt wären. Bislang ernannte Franziskus immer mindestens ein Dutzend neuer Kardinäle gleichzeitig. Ähnlich verfuhr Benedikt XVI. im November 2012, als er den Entschluss zu seinem Rücktritt bereits gefasst hatte und nur sechs Kardinäle kreierte.
Ob auch Franziskus seinen Rücktritt ins Auge fasst, ist nicht bekannt. In einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstages im vergangenen Dezember erklärte der Papst, er denke, sein Pontifikat werde kurz sein, "vier, fünf Jahre". Er wurde am 13. März 2013 gewählt und ist damit seit über vier Jahren im Amt.
Gremium, das seinen Nachfolger wählt, wesentlich mitbestimmt
Nach dem Konsistorium am Mittwoch hat die katholische Kirche 121 wahlberechtigte Kardinäle, von denen Franziskus 49 persönlich kreiert hat. Damit hat der amtierende Papst das Gremium, das eines Tages seinen Nachfolger wählen wird, bereits wesentlich mitbestimmt.
Franziskus lässt eine klare Linie bei den Ernennungen erkennen. Er will das Kollegium internationalisieren. Am Mittwoch kreiert Franziskus Bischöfe aus Mali, Laos, San Salvador und Schweden. Der spanische Erzbischof Juan José Omella, der ebenfalls Kardinal wird, stammt aus Barcelona, einem traditionellen Kardinalssitz. (mmj)
