Das Gespräch mit Trump eskalierte, als der US-Präsident erneut ohne Belege behauptete, die US-Wahl 2020 sei manipuliert gewesen.
„Wutanfall“ sorgt für EmpörungTrump beleidigt Journalistin und bricht Interview ab

Donald Trump bei einem früheren Interview im Rahmen der NBC-Sendung „Meet the Press“. (Archivbild)
Copyright: IMAGO/ZUMA Press Wire
US-Präsident Donald Trump hat ein Interview mit dem US-Sender NBC nach kritischen Nachfragen einer Journalistin verärgert abgebrochen. „Sie sind ein voreingenommener, unaufrichtiger Sender. Tut mir leid. Lasst uns aufhören, denn ich habe genug. Vielen Dank, Liebling“, sagte Trump zur Moderatorin der Sendung „Meet the Press“, Kristen Welker. Auslöser war, dass Welker den US-Präsidenten in dem am Sonntag ausgestrahlten Gespräch mit seinen Falschbehauptungen dazu konfrontierte, dass die Präsidentschaftswahl 2020 manipuliert gewesen sei.
Das Gespräch eskalierte, als Trump erneut ohne Belege behauptete, die Wahl 2020 sei manipuliert gewesen. Welker fragte: „Haben Sie Beweise?“ Trump antwortete: „Ich muss nur hinschauen.“ Als die Journalistin daraufhin entgegnete: „Das ist kein Beweis“, explodierte der 79-Jährige: „Sie sind entweder unaufrichtig oder Sie sind dumm.“ Danach verließ Trump das Sichtfeld der Kamera und beendete das Interview.
Interview mit Donald Trump vor Traktor und Heuballen
Aufgezeichnet wurde das Gespräch bereits am Freitag auf einem Bauernhof im US-Bundesstaat Wisconsin, wo Trump Landwirte traf. Ein Traktor und Heuballen dienten als Hintergrund. Der Regen, der auf das Dach prasselte, erschwerte zwar die Tonaufnahmen, doch Trump zeigte sich zunächst gelassen. Als Welker ihr Team fragte, ob man wegen der Bedingungen unterbrechen solle, entgegnete er: „Nein, die Leute werden das schon verstehen, wir sind auf einer Farm.“
Auch Fragen zum Iran-Krieg, zu Atomwaffen und zu seinem Wahlkampfversprechen, die USA nicht in ausländische Konflikte zu ziehen, beantwortete Trump anfangs noch vergleichsweise ruhig. „Zunächst einmal: Ich habe nicht garantiert, dass es keinen Krieg geben wird. Warum hätte ich sonst das weltweit stärkste Militär aufgebaut?“, sagte er auf den Hinweis, er habe im Wahlkampf stets behauptet, unter seiner Führung werde die USA nicht mehr in Kriege verwickelt.
Donald Trump attackiert NBC-Journalistin
Gleichzeitig griff der US-Präsident Welker auch an anderen Stellen des Gesprächs an und nannte sie etwa „eine große Liberale, eine große Progressive“ – in konservativen Kreisen gilt das als abwertende Bezeichnung. Die NBC-Journalistin entgegnete: „Nein, ich bin nur eine Journalistin.“
Gereizt zeigte sich Trump zudem, als es um einen von ihm ins Spiel gebrachten Entschädigungsfonds ging, der Menschen unterstützen soll, die seiner Ansicht nach unter seinem demokratischen Vorgänger Joe Biden zu Unrecht verfolgt wurden. „Ich liebe diese Idee, denn Leute wie Sie, die schmutzige Falschmeldungs-Presse, die unaufrichtige Presse, Leute wie der dumme Biden (…) – sie haben Leute zerstört“, sagte Trump.
Trumps Auftritt sorgt für Empörung bei seinen Kritikern
An Trumps Umgang mit der Journalistin wurde in den USA schnell Kritik laut. „Dieses Interview hat mir das Herz gebrochen“, schrieb etwa der demokratische Politiker Chris Welch auf der Plattform X.
„Die Art und Weise, wie dieser Präsident schwarze Frauen und Journalistinnen behandelt, ist geradezu beschämend und inakzeptabel.“ Welker sei „weder korrupt noch dumm“, fügte Welch hinzu. „Sie ist eine wegweisende Journalistin, die sich das Recht auf Respekt redlich verdient hat. Der Präsident sollte sich unverzüglich entschuldigen.“
Auch die Nichte des US-Präsidenten, Mary L. Trump, die bereits seit Jahren immer wieder Kritik an Trump äußert, kommentierte den wütenden Abgang des Republikaners und forderte Journalistinnen und Journalisten auf, Trump weiterhin scharfe Fragen zu stellen.
„Donald hatte im nationalen Fernsehen einen Wutanfall“
„Donald hatte im nationalen Fernsehen einen Wutanfall und verließ das Interview, nur weil Kristen Welker ihm eine einfache Tatsache vorhielt“, schrieb Trumps Nichte bei X und fügte hinzu: „Hinweis an andere Journalisten: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um nachzusetzen. Er wird damit nicht fertig werden.“
Es ist unterdessen nicht der erste Disput zwischen Trump und Journalistinnen. Bereits mehrfach bedachte der US-Präsident Reporterinnen mit herabwürdigenden Worten, wenn diese kritische Nachfragen an ihn gestellt hatten. So wurde etwa im November 2025 eine Szene an Bord der Air Force One breit diskutiert, als Trump die Bloomberg-Reporterin Catherine Lucey bei Fragen zu den Epstein-Akten schroff abkanzelte und sie mit einem „Ruhe, Schweinchen“ zum Schweigen bringen wollte. (mit afp)
