Abo

Mobilfunker fordern TV-Aus2,3 Millionen Haushalte wären von Abschaltung betroffen

3 min
Fernsehantenne

Eine Fernsehantenne auf dem Dach eines Wohnhauses: Diese Übertragungsform kommt aus der Mode.

Mobilfunk-Konzerne fordern die Frequenzen des Antennenfernsehens. Für Millionen Haushalte könnte dies das TV-Aus bedeuten.

Die Mobilfunk-Provider in Deutschland erheben Anspruch auf die Frequenzen des Antennenfernsehens. Für eine große Zahl an Haushalten würde dies das Aus für den gewohnten TV-Empfang bedeuten.

Das Ende für das Fernsehen über Antenne wird von den führenden Mobilfunkanbietern in Deutschland angestrebt. Eine von der Deutschen Telekom, Vodafone sowie O2 Telefónica in Auftrag gegebene Untersuchung wurde in Berlin präsentiert. Die von WIK Consult durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass spezifische Frequenzspektren ab dem Jahr 2031 dem Mobilfunk zur Verfügung gestellt werden sollten, welche aktuell noch für das Antennenfernsehen (DVB-T2) reserviert sind.

Ein Zugriff der Mobilfunkkonzerne auf diese Sendebereiche hätte die Einstellung des TV-Empfangs per Antenne zur Folge. Die Untersuchung legt dar, dass eine Umwidmung zugunsten von Mobilfunknetzen aus ökonomischer Sicht sinnvoll wäre. In Deutschland empfangen schätzungsweise noch 2,3 Millionen Haushalte ihr Fernsehprogramm auf diesem Weg, allerdings mit abnehmender Tendenz. Der Großteil der deutschen Haushalte nutzt für den TV-Empfang Satellitenschüsseln, Kabelanschlüsse oder immer häufiger auch das Internet.

Welche Folgen hätte die Umstellung für die Verbraucher?

Bernd Sörries, Autor der WIK-Studie, erklärt, dass Konsumenten keine höheren Ausgaben zu erwarten hätten. Auch nach einem potenziellen Ende der DVB-T2-Übertragung blieben die Programme der öffentlich-rechtlichen Anstalten kostenfrei im Internet verfügbar. „Es gibt keine Kostensteigerung aus Sicht der Endkunden, wenn man dieses Netz abschaltet“, unterstrich Sörries.

Er merkte überdies an, dass die Relevanz des linearen Fernsehens via Antenne abnehme, während der Bedarf an zeitlich flexibel abrufbaren Inhalten aus dem Internet wachse. Laut den Verfassern der Studie könnten die öffentlich-rechtlichen Sender bei einer Einstellung von DVB-T2 in einem Zeitraum von zehn Jahren Einsparungen von bis zu 369 Millionen Euro realisieren.

Auch Sicherheitsbehörden zeigen Interesse an den Frequenzen

Allerdings sind die Mobilfunkkonzerne nicht die alleinigen Bewerber um die betreffenden Frequenzen. Ebenso wollen Sicherheitsorgane die niederen Frequenzbänder für den Aufbau eines neuen, separaten Funknetzes verwenden. Für die zukünftige breitbandige mobile Kommunikation von Sprache und Daten werde eine Zuweisung angestrebt, wie die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) verlauten ließ.

Ein Frequenzband im 600-Megahertz-Bereich, welches zusammen mit der Bundeswehr betrieben werden soll, steht im Mittelpunkt der behördlichen Überlegungen. Nach aktuellem Kenntnisstand kommen alternative Frequenzbänder für die Umsetzung der BOS-Breitbandkommunikation nicht in Betracht.

Die Untersuchung von WIK beurteilt die Vorhaben der Sicherheitsorgane skeptisch. Laut dem Studienautor Sörries wäre für ein separates behördliches Funknetz die Errichtung von circa 23.000 Basisstationen notwendig. Ein derartiges Netz würde Kosten von über neun Milliarden Euro verursachen und seine Errichtung mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Die Mobilfunkunternehmen plädieren im Gegensatz dazu für eine kostenpflichtige Mitnutzung ihrer bestehenden Netze durch die Behörden. Gemäß der Studie wäre diese Option mit 1,8 Milliarden Euro erheblich preiswerter. Die Erfüllung des Wunsches der Mobilfunkanbieter bleibt ungewiss. Über die zukünftige Verteilung der Frequenzen wird nächstes Jahr auf der Weltfunkkonferenz beraten, ehe die deutsche Politik eine Entscheidung trifft. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.