Die Ukraine betrachtet die Serie als kulturelles Werkzeug Moskaus, um Russland ein positives Image zu verschaffen.
Bei Netflix und KiKA zu sehenUkraine geht gegen russische Kinderserie vor – Moskau außer sich

Ein Spielzeugladen bietet Produkte mit „Mascha und der Bär“-Thema an. (Archivbild)
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Die ukrainische Regierung hat Sanktionen gegen die beliebte russische Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ erlassen. „Russische Propaganda hat keinen Platz auf den Bildschirmen von Kindern, weder in der Ukraine noch sonst irgendwo auf der Welt“, teilte die ukrainische Kulturministerin Tetjana Bereschna am Freitag mit.
Die 2009 vom russischen Trickfilmstudio Animaccord geschaffene Serie „Mascha und der Bär“ wird in zahlreichen Ländern in aller Welt ausgestrahlt, ihr ukrainischsprachiger Youtube-Kanal hat mehr als 18 Millionen Abonnenten.
Russische Serie in Deutschland bei KiKa zu sehen
In Deutschland ist die Serie um ein kleines Mädchen und einen tollpatschigen, aber gutmütigen Bären unter anderem in der Mediathek des Kinderkanals KiKA der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF zu sehen. Kiew betrachtet die Serie als kulturelles Werkzeug Moskaus, um Russland ein positives Image zu verschaffen. Der Bär gilt als ein Symbol für Russland.
Mit den Sanktionen werde eine rechtliche Grundlage geschaffen, „um diese Inhalte in der Ukraine zu blockieren“, erklärte Kulturministerin Bereschna. Onlineplattformen sollten dazu gebracht werden, die Verbreitung der Serie einzuschränken.
„Pro-russische Erzählungen versteckt in Inhalten für Kinder“
Einem am Donnerstagabend veröffentlichten präsidialen Dekret zufolge transportieren die Macher der Serie „pro-russische Erzählungen versteckt in Inhalten für Kinder“. Zudem generiert „Mascha und der Bär“ laut der Ukraine Steuereinnahmen für Russland.
Ende Juni hatte die ukrainische Regierung bereits dagegen protestiert, dass der Streamingdienst Netflix die Rechte für zwei weitere Staffeln der Serie gekauft hatte.
„Russland führt Krieg nicht nur mit Raketen“
Kritik an der Serie und Netflix hatte es deshalb auch aus Estland gegeben. „Russland führt Krieg nicht nur mit Raketen, sondern auch mit Narrativen“, schrieb Außenminister Margus Tsahkna in den sozialen Netzwerken. „‚Mascha und der Bär‘ transportiert kremltreue und militaristische Botschaften über Kinderunterhaltung und normalisiert Russlands Aggression und imperiale Ambitionen.“
Im Juli gab es auch in Großbritannien Diskussionen über den Propagandagehalt von „Mascha und der Bär“. Mehr als 50 britische Abgeordnete forderten laut BBC in einem Schreiben ein Ende der Serie bei Netflix, die Propaganda sei „kaum subtil“, hieß es.
„Dass die Ukraine nun auch gegen Zeichentrickfilme Krieg führt, zeigt wohl einmal mehr die Abscheulichkeit des Kyjiwer Regimes“, kommentierte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag. Die Serie habe die ganze Welt erobert und vermittle nur „die besten menschlichen Eigenschaften“, betonte er.
Moskau empört: „Eine Entscheidung von kosmischer Dummheit“
Elena Perminova, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Internationale Angelegenheiten des russischen Föderationsrates, zeigte sich ebenfalls empört. „Das ist eine Entscheidung von kosmischer Dummheit“, zitierte die russische Staatsagentur RIA die Politikerin, die ihre Äußerungen nutzte, um den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj dazu aufzufordern, sich Moskaus Maximalforderungen zu beugen.
„Anstatt gegen Kinderserien vorzugehen, die Millionen von Familien und Kindern auf der ganzen Welt lieben, sollte sich Selenskyj lieber mit ganz anderen, realen Dingen beschäftigen: darüber nachdenken, wie er das Leben seiner eigenen Bürger retten, die Bedingungen der Russischen Föderation akzeptieren und die Truppen abziehen kann“, erklärte Perminova.
Auch das Animationsstudio Animaccord wies die Anschuldigungen laut eines Berichts des „Spiegel“ zurück. Die Serie stehe in keiner Weise mit Propaganda in Verbindung, es gebe auch keine staatliche Förderung, erklärte die Macher demnach. (mit afp)
