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„Es ist einfach nur peinlich“Ukraine startet Großangriff und sorgt für Frust in Russland – Ölterminal getroffen

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Ein in den sozialen Netzwerken kursierendes Video soll den jüngsten ukrainischen Angriff auf ein Ölterminal in Primorsk zeigen.

Ein in den sozialen Netzwerken kursierendes Video soll den jüngsten ukrainischen Angriff auf ein Ölterminal in Primorsk zeigen.

Die Ukraine hat erneut mit zahlreichen Drohnen Ziele in Russland angegriffen. Insbesondere im Grenzgebiet sorgen die Attacken für Ärger.

Das russische Militär berichtet von einem großen ukrainischen Drohnenangriff in der Nacht. 283 feindliche Fluggeräte seien abgefangen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Ein Schwerpunkt des Angriffs lag demnach im südrussischen Gebiet Rostow. Dort wurden nach Mitteilung von Gouverneur Juri Sljussar etwa 90 ukrainische Drohnen ausgeschaltet.

Solche Angaben sind nicht im Detail überprüfbar, sie vermitteln aber einen Eindruck vom Ausmaß des Angriffs. Moskau berichtet seit Kriegsbeginn nur über Drohnen, die angeblich von der russischen Luftabwehr erfolgreich abgefangen worden seien – erfolgreiche ukrainische Angriffe verschweigen die russischen Behörden unterdessen oftmals.

Ukraine überzieht Russland mit Drohnengroßangriff

Auch bei dem jüngsten Großangriff scheint das der Fall zu sein: Nach Berichten auf Telegramkanälen wurde eine Stickstofffabrik in der Stadt Toljatti an der Wolga getroffen. Ölraffinerien im Wolgagebiet seien ebenfalls angegriffen worden. Offizielle Angaben gab es nur zu einem Treffer auf einen unbewohnten Hochhausneubau in der Stadt Ufa, die etwa 1.600 Kilometer von ukrainischem Gebiet entfernt liegt. Die ukrainischen Drohnen störten auch den Flugverkehr an mehreren russischen Flughäfen, darunter in Moskau.

Laut ukrainischen Medienberichten soll zudem eines der größten Ölterminals Russlands im Hafen von Primorsk angegriffen worden sein. „Ein Treibstofftank wurde beschädigt, wodurch ein Brand entstand. Die Löscharbeiten sind im Gange, und das Personal wurde evakuiert“, schrieb der Gouverneur der Region in seinem Telegram-Kanal. In sozialen Netzwerken kursierten zudem Videoaufnahmen, die eine große Explosion im Hafen von Primorsk zeigen sollen. 

Klare Strategie: Krieg soll nach Russland getragen werden

Mit derartigen Angriffswellen verfolgt die Ukraine nach eigenen Angaben eine klare Strategie: Einerseits sollen die russischen Einnahmen aus Öl- und Gashandel durch Angriffe auf wichtige Infrastrukturanlagen gesenkt werden, zum anderen geht es auch darum, den „Krieg nach Russland zu tragen“, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits im Frühjahr 2025 angekündigt hatte. „Der Krieg wurde von Russland hergebracht, und dorthin muss er zurückgebracht werden“, hieß es damals von Selenskyj.

Seitdem hat die Ukraine immer wieder größere Drohnenangriffe gestartet – und das Ziel, die russische Bevölkerung spüren zu lassen, dass der Krieg auch sie treffen kann, offenbar erreicht. Zuletzt warnte sogar der ehemalige russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu öffentlich, dass keine Region in Russland noch sicher vor ukrainischen Drohnen sei. 

Frust wird in Russland sichtbar: „Es gab überhaupt keinen Schutz“

Insbesondere in den russischen Grenzregionen lebten die Bewohner mittlerweile „in ständiger Angst aufgrund regelmäßiger Drohnenangriffe, Luftverteidigungsaktivitäten und alltäglicher Störungen wie Internetausfällen und Sirenenalarm“, zitierte etwa die ukrainische Zeitung „Kyiv Independent“ den Analysten Andrii Sukharyna, der die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe untersucht hat.

Auch in russischen Telegram-Kanälen wird der Frust vieler Russen oft sichtbar. Speziell die offiziellen Behauptungen der russischen Behörden, dass alle ukrainischen Drohnen abgefangen worden seien, sorgen regelmäßig für Argwohn und Häme in den sozialen Netzwerken. „Es heißt, alles sei abgefangen worden – aber es gab überhaupt keinen wirklichen Schutz. Keine Luftverteidigung, keine Sicherheit. Es ist einfach nur peinlich“, beklagte sich etwa kürzlich ein Bewohner der Region Kursk.

Wolodymyr Selenskyj: Russland erleidet hohe Verluste an der Front

Auch an der Front vermeldet die Ukraine zu Wochenbeginn militärische Erfolge. „Diese Woche haben wir beobachtet, wie die Russen versucht haben, ihre Offensivbemühungen zu intensivieren und dabei die günstigeren Wetterbedingungen auszunutzen“, erklärte der ukrainische Präsident Selenskyj am Sonntag in einer Videoansprache. „Das einzige greifbare Ergebnis für die russische Armee war ein Anstieg ihrer Verluste – mehr als 8000 getötete und schwer verwundete russische Soldaten allein in diesen sieben Tagen“, fügte Selenskyj hinzu. 

Auch Russland setzte seine Attacken auf die Ukraine unterdessen fort: Ein russischer Drohnenangriff in der Nacht legte die Stromversorgung im nordukrainischen Gebiet Tschernihiw weitgehend lahm, wie Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus auf Telegram mittelte.

In der Stadt Saporischschja im Süden kamen nach Behördenangaben bei einem Treffer auf ein Wohnhaus ein Mann und eine Frau ums Leben, zwei Kinder wurden verletzt. Die ukrainische Luftwaffe ortete nach eigenen Angaben 154 feindliche Drohnen, von denen 148 ausgeschaltet worden seien. (mit dpa)