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„Angriffe zur Selbstverteidigung“USA greifen Ziele im Iran trotz Waffenruhe an

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Schiffe in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Süden Irans. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran über die wichtige Schifffahrtsroute für Öl und Gas dauert an.

Schiffe in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Süden Irans. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran über die wichtige Schifffahrtsroute für Öl und Gas dauert an.

Die US-Armee übe sich im Rahmen der aktuellen Waffenruhe in Zurückhaltung, verteidige aber ihre eigenen Verbände.

Trotz Waffenruhe und laufenden Verhandlungen zur Beilegung des Kriegs hat das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Im Süden des Landes wurden Raketenstellungen getroffen und im Bereich der Straße von Hormus Boote attackiert, die Minen in der Meerenge verlegen sollten, wie das US-Militär mitteilte. Unterdessen brachte US-Präsident Donald Trump mit Blick auf die Verhandlungen eine mögliche Kompromisslösung für den Umgang mit Irans angereichertem Uran ins Spiel. US-Außenminister Marco Rubio sagte bei einem Besuch in Indien, das Festzurren der genauen Formulierungen in dem Abkommen mit dem Iran werde wohl noch ein paar Tage in Anspruch nehmen.

Ein Sprecher des Regionalkommandos der US-Streitkräfte für den Nahen Osten (Centcom) erklärte, die jüngsten „Angriffe zur Selbstverteidigung“ dienten dem Schutz der Truppen vor Bedrohungen durch das iranische Militär. Die US-Armee übe sich im Rahmen der aktuellen Waffenruhe in Zurückhaltung, verteidige aber ihre eigenen Verbände.

Iranische Medien berichteten, es habe nach einem US-Angriff im Bereich der Insel Larak in der Straße von Hormus mehrere Tote gegeben. Das US-Militär machte zunächst keine Angaben zu möglichen Opfern und nannte keine weiteren Details zu den Angriffen auf iranische Ziele.

Boote in Straße von Hormus attackiert: Meerenge als Zankapfel

Obwohl die Waffenruhe im Iran-Krieg weitestgehend hält, hat es rund um die Straße von Hormus schon mehrere gegenseitige Angriffe gegeben. Anfang Mai etwa attackierte der Iran US-Militärschiffe in der Meerenge mit Raketen und Schnellbooten, die USA griffen Ziele auf dem iranischen Festland an.

Nach dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar brachte Teheran die Schifffahrt in der Straße von Hormus mit Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen. Die Iraner sollen die Meerenge auch vermint haben. Die Passage ist entscheidend für den Export von Dünger, Öl und Flüssiggas aus den Staaten des Persischen Golfs. Infolge der Blockade stiegen die Weltmarktpreise rasant an. Das US-Militär reagierte mit einer Blockade iranischer Häfen - vor allem, um den Iran am Export von Öl zu hindern.

Die US-Regierung fordert in den Verhandlungen mit dem Iran eine bedingungslose Öffnung der Meerenge für die Schifffahrt. Der Iran hingegen beansprucht die Kontrolle über die Passage für sich und will für die Durchfahrt künftig Gebühren erheben.

Trump: Angereichertes Uran wird zerstört werden

Erklärtes Kriegsziel der USA und Israels ist es, den Iran davon abzuhalten, Atombomben zu entwickeln. Besonders kritisch sieht die US-Regierung dabei Irans Anreicherung von Uran, das als Rohstoff zum Bombenbau dienen könnte. Trump erklärte in sozialen Medien, der Iran müsse sein bisher angereichertes Uran entweder „sofort“ zur Vernichtung an die USA übergeben oder etwa einer Zerstörung unter Aufsicht im Iran zustimmen.

Der Prozess solle von Atomenergie-Experten überwacht werden, schrieb Trump und verwies dabei auf die „Atomenergie-Kommission“. Unklar war zunächst, ob er damit eine US-Behörde oder möglicherweise die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA mit Sitz in Wien meinte.

Der Iran verfügt über mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran, das relativ leicht in waffenfähiges Material umgewandelt werden könnte. Das radioaktive Material soll infolge von US-Angriffen auf unterirdische Lagerstätten aber tief unter Schutt begraben sein. Trump machte nicht deutlich, ob er bei seiner Forderung nach einer Zerstörung des angereicherten Urans nur diesen Vorrat meinte, oder auch Uran-Bestände mit einem niedrigeren Grad der Anreicherung. (dpa)