Die USA werfen Castro vor, den Abschuss von zwei US-Zivilflugzeugen vor 30 Jahren befohlen zu haben.
Videobotschaft von RubioUSA klagen früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro an

Havanna: Raúl Castro schwenkt eine kubanische Nationalflagge während der Parade zum 1. Mai auf dem Platz der Revolution in Havanna (Archivbild)
Copyright: Ramon Espinosa/AP/dpa
Die USA klagen den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro an. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Anklageschrift macht das US-Justizministerium den 94-jährigen Bruder des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro für den Abschuss von zwei US-Zivilflugzeugen mit vier Toten vor 30 Jahren verantwortlich. Die Organisation Brothers to the Rescue (BTTR) wollte mit den in Miami gestarteten Cessnas 1996 kubanische Staatsbürger retten, die über das Meer zu fliehen versuchten. Die USA werfen Raúl Castro unter anderem ein Komplott zur Tötung von US-Bürgern vor.
US-Außenminister Marco Rubio hatte zuvor in einem höchst ungewöhnlichen Videoappell die Kubanerinnen und Kubaner zur Abkehr von der sozialistischen Führung aufgerufen. „Präsident (Donald) Trump bietet einen neuen Weg zwischen den USA und einem neuen Kuba an“, sagte Rubio, selbst Sohn kubanischer Einwanderer, in seiner Videobotschaft auf Spanisch. Das Einzige, was einer besseren Zukunft für Kuba im Wege stehe, sei die Führungselite.
Die US-Vorwürfe gegen Raúl Castro
Raúl Castro hatte zudem den kubanischen Mischkonzern Gaesa gegründet, der vom kubanischen Militär gestützt wird und rund 40 Prozent der Wirtschaft der Karibikinsel kontrolliert. Rubio nannte Gaesa einen „Staat im Staat, der niemandem Rechenschaft schuldig ist und die Gewinne seiner Unternehmen zum Nutzen einer kleinen Elite hortet“. Er fügte hinzu: „Die einzige Rolle der sogenannten Regierung besteht darin, von euch zu verlangen, weiterhin ‚Opfer‘ zu bringen und jeden zu unterdrücken, der es wagt, sich zu beschweren.“
Raúl Castro folgte seinem Bruder Fidel 2008 als Präsident von Kuba nach und hatte das Amt bis 2018 inne. Unter seiner Führung leitete die Insel 2015 eine historische Annäherung mit den USA unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama in die Wege. Trump machte das Tauwetter in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) rückgängig und verschärfte die Sanktionen gegen Kuba wieder deutlich.
Heute werfen UN-Experten der Trump-Regierung vor, hinter einer Ölblockade gegen Kuba zu stehen und das Land damit in die Knie zu zwingen. Das US-Militär hatte im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und in die USA gebracht. Anschließend sorgte Washington dafür, dass Venezuela als der bis dahin wichtigste Öllieferant Kubas seine Lieferungen an den Karibikstaat einstellte. Kuba steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Zuletzt kam es mehrfach zu Protesten auf der Insel. (afp)
