Trotz Waffenruhe: Das US-Militär hat neue Angriffe auf den Iran ausgeführt. Teheran reagierte mit Gegenschlägen.
Nach US-Angriffen auf IranKuwait erneut unter Beschuss – Alarm auch in Bahrain

Im Golf von Oman, entlang der Schifffahrtsrouten zwischen der Straße von Hormus und dem Arabischen Meer Tanker und Frachtschiffe zu sehen. (Archivbild vom 16. Juni) Die Kämpfe zwischen Iran und USA sind wieder aufgeflammt.
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Nach den erneuten Angriffen des US-Militärs auf Ziele im Süden des Irans ist der Golfstaat Kuwait laut kuwaitischen Armeeangaben unter Beschuss geraten. Die Luftabwehr wehre feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee des mit Washington verbündeten Landes am frühen Morgen auf X mit. Genauere Angaben gab es zunächst nicht. Auch in Bahrain heulten die Sirenen. Die Bevölkerung solle sich in Sicherheit bringen und ruhig verhalten, teilte das Innenministerium des Inselstaats im Persischen Golf mit.
Irans Militär hatte zuvor Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die US-Angriffe angekündigt. Es werde eine „entschiedene Antwort auf die Aggression und den Terrorakt der USA geben“, zitierten die staatliche Nachrichtenagentur Irna und der regierungstreue Sender Press TV das iranische Hauptquartier Khatam al-Anbiya.
Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärstützpunkte, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.
Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben in Reaktion auf den jüngsten Beschuss von Tankern in der Straße von Hormus mehr als 80 Ziele attackiert. Die Angriffe erfolgten trotz der geltenden Waffenruhe im Iran-Krieg.
Rutte nennt jüngste US-Angriffe auf den Iran „absolut notwendig“
Nato-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die jüngsten Angriffe der USA unterdessen als „absolut notwendig“. Der Iran habe die bestehende Waffenruhe „im Grunde genommen verletzt“, argumentierte Rutte am Rande des Nato-Gipfels in Ankara am Mittwoch. Es sei „absolut entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren“ fügte er hinzu.
Auf dem Nato-Gipfel in Ankara diskutieren die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses am Mittwoch unter anderem über den Iran-Krieg. Er erwarte von den Verbündeten, „dass sie erneut bekräftigen, dass der Iran niemals in den Besitz von Nuklearfähigkeiten gelangen darf“ und dass die Freiheit der Schifffahrt vollständig wiederhergestellt werden müsse, sagte Rutte.
Iran pocht auf Kontrolle in der Straße von Hormus
Das iranische Militär werde „unter keinen Umständen eine Einmischung“ in die Angelegenheiten bezüglich der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Meerenge oder deren Verwaltung zulassen, zitierten die iranischen Medien das Hauptquartier. Es wies erneut darauf hin, dass die einzige sichere Route für die Durchfahrt von Handelsschiffen und Öltankern in der Straße von Hormus die von der Islamischen Republik festgelegte Route sei.
Zuvor waren mehrere Tanker in der Straße von Hormus beziehungsweise nahe der strategisch wichtigen Meerenge getroffen worden. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einer Drohne getroffen und leicht beschädigt. Fast zeitgleich meldete die Behörde einen weiteren Vorfall, bei dem ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden sei.
Diplomatischer Prozess gerät ins Stocken
Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker „al-Rekajat“ gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung.
Zuvor waren erneut mehrere Tanker in der Meerenge unter Beschuss geraten. Die USA machten dafür Teheran verantwortlich. Für die Angriffe auf Handelsschiffe müsse der Iran einen hohen Preis zahlen, erklärte das US-Militär. Das Vorgehen des Irans sei ein Verstoß gegen die Waffenruhe gewesen. (dpa)
