In Ungarn wird bald gewählt – und Viktor Orbán steht massiv unter Druck. Nun sorgen ein Bericht und der Besuch von JD Vance für Wirbel.
Bericht über brisantes TelefonatOrbán will angeblich Putins „Maus“ sein – und bekommt Hilfe von Vance
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán steht im Wahlkampf unter Druck. In Ungarn wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Die Fidesz-Partei des seit 2010 ununterbrochen regierenden Orbán liegt Umfragen zufolge deutlich hinter der Partei Tisza von Oppositionspolitiker Péter Magyar. Nun sorgen sowohl ein brisanter Bericht als auch erneute Unterstützung aus den USA für Aufsehen im ungarischen Wahlkampf-Endspurt.
In einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin soll Orbán im vergangenen Oktober erklärt haben, er sei bereit, Russland jede erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen, berichtete am Dienstag (7. April) die Nachrichtenagentur Bloomberg. „Gestern hat unsere Freundschaft ein solches Niveau erreicht, dass ich Ihnen in jeder Hinsicht helfen kann. In jeder Angelegenheit, in der ich Ihnen behilflich sein kann, stehe ich Ihnen zur Verfügung“, soll der ungarische Ministerpräsident in dem Gespräch mit Putin demnach erklärt haben.
Bericht: Orbán bietet sich als „Maus“ für den „russischen Löwen“ an
Die jetzt zitierten Äußerungen Orbáns stammen laut Bloomberg aus einem Gesprächsprotokoll, das die Nachrichtenagentur einsehen konnte. Demnach erklärte Orbán auch, er sei bereit, eine „Maus“ für den „russischen Löwen“ zu werden, und bediente sich dabei einer in Osteuropa bekannten Fabel über eine Maus, die einen in einem Netz gefangenen Löwen befreit, nachdem der das Nagetier zuvor verschont hatte. Laut dem Gesprächsprotokoll habe Orbán mit der Bemerkung für Gelächter bei Putin gesorgt.
Der Kremlchef habe in dem Telefonat wiederum Ungarns „unabhängige und flexible“ Haltung hinsichtlich Russlands Krieg gegen die Ukraine gelobt. Orbán und seine Regierung blockieren immer wieder EU-Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine und lieferten sich zuletzt eine Schlammschlacht mit der Regierung des angegriffenen Nachbarlands, in der es vorrangig um die Druschba-Pipeline geht, über die Ungarn weiterhin russisches Öl bezieht.
JD Vance reist zur Unterstützung von Viktor Orbán nach Ungarn
Beide Staatschefs hätten in ihrem Telefonat zudem „Dankbarkeit“ gegenüber US-Präsident Donald Trump zum Ausdruck gebracht, berichtete Bloomberg weiter über die Inhalte des Gesprächsprotokolls. Gleichzeitig kann Orbán sich nun auch über Unterstützung aus den USA freuen: Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Ungarn traf US-Vizepräsident JD Vance zu einem Treffen mit Orbán ein. Flugdaten zufolge landete Vance am Dienstagvormittag in Budapest. Die Reise gilt als Unterstützung für den ungarischen Ministerpräsidenten in der Schlussphase des Wahlkampfs.

US-Vizepräsident JD Vance zusammen mit Viktor Orbán in Budapest.
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„Wir werden über eine Reihe von Themen im Kontext der US-ungarischen Beziehungen sprechen“, hatte Vance vor seinem Abflug in Washington gesagt. Auch „Europa und die Ukraine“ würden dabei eine „ziemlich wichtige“ Rolle spielen. Nach Angaben seines Büros will Vance Orbán treffen und eine Rede über die „fruchtbare Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Ungarn“ halten. Der 41-jährige US-Vizepräsident wird von seiner Ehefrau Usha Vance begleitet.
Kritik von Oppositionspolitiker an Vance-Besuch: „Das ist unser Land“
Die US-Regierung hatte bereits im Februar Wahlkampfhilfe für den Rechtsnationalisten Orbán geleistet, der enge Beziehungen zu Trump pflegt und im Ukraine-Krieg einen russlandfreundlichen Kurs fährt. Damals reiste US-Außenminister Marco Rubio nach Budapest und stellte sich demonstrativ hinter den umstrittenen Regierungschef: „Ich kann Ihnen mit Zuversicht sagen, dass Präsident Trump sich zutiefst für Ihren Erfolg einsetzt, denn Ihr Erfolg ist unser Erfolg“, sagte Rubio bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Orbán.
Für die erneute Unterstützung aus Washington fand der derzeit in Wahlumfragen führende Oppositionspolitiker Péter Magyar am Dienstag deutliche Worte. „Kein anderes Land darf sich in ungarische Wahlen einmischen. Das ist unser Land. Die ungarische Geschichte wird nicht in Washington, Moskau oder Brüssel geschrieben – sie wird auf Ungarns Straßen und Plätzen geschrieben“, schrieb Magyar auf der Plattform X und fügte hinzu: „Noch fünf Tage!“ (mit dpa)
