Nach dem Treffen von Russlands Außenminister Sergej Lawrow mit Amtskollege Johann Wadephul bleibt der Kreml auf Kollisionskurs.
Konzern aus NRW betroffenGoebbels-Heft, Bibelvers, Enteignung – Moskau legt gegen Deutschland nach

Sergej Lawrow (l.), Außenminister von Russland, verabschiedet sich von Johann Wadephul (CDU, r.), Außenminister, nach einem Treffen am Rande der Sitzung der UN Generalversammlung.
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Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul bei dem überraschenden ersten Treffen seit Jahren am Wochenende in New York offenbar ein 21-seitiges Pamphlet vorlegen lassen. Das Heft lag Medienberichten zufolge bereits auf Wadephuls Platz im Raum der russischen Delegation, bevor der deutsche Außenminister Platz nahm.
Das Pamphlet nimmt Bezug auf NS-Propagandaminister Joseph Goebbels: „‚Die Erben Goebbels‘: Fälschung der Ereignisse in Butscha und blutige Inszenierung des Kiewer Regimes“, lautet der Titel. In dem Heft wird die russische Verantwortung für die Tötung von Zivilisten im ukrainischen Butscha als westliche Inszenierung dargestellt.
Russland provoziert Wadephul in New York mit Butscha-Pamphlet
Ein Video zeigte, wie Wadephul kurz auf das Papier blickt, es mit einem Notizblock und einem Stift verdeckt und anschließend zur Seite schiebt. Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa verbreitete den Ausschnitt auf Telegram. Wadephul habe das Dokument „schamhaft bedeckt“, kommentierte sie die Szene.
Aus deutschen Delegationskreisen wurde das Vorgehen unterdessen als „billiger Versuch zu provozieren“ bezeichnet. Derartige Provokationen gehörten zum „ABC der russischen Propaganda“, hieß es weiter.
„Sie hätten mich einfach anrufen können“
Moskaus Außenminister Lawrow hat sich unterdessen bereits kurz nach dem Treffen mit Wadephul abschätzig geäußert. „Wenn man Berlins tägliche öffentliche Äußerungen betrachtet, habe ich nichts anderes gehört“, sagte Lawrow noch in New York. Dem deutschen Außenminister habe er gesagt: „Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können: ‚Lesen Sie meine Erklärung‘“, hieß es weiter.
Außenamtssprecherin Sacharowa unterstellte Wadephul unterdessen innenpolitische Motive. „Wadephul bat um Gespräche mit Lawrow, um diplomatische Aktivitäten zu demonstrieren und Merz’ sinkende Beliebtheitswerte zu verbessern“, behauptete sie mit Blick auf die zuletzt schwachen Umfragewerte für Kanzler Friedrich Merz (CDU).
Moskau attackiert Wadephul mit Bibelvers
Am Montag legte Sacharowa dann noch einmal gegen Wadephul nach, der nach seinem Treffen mit Lawrow erklärt hatte, dass die Welt sich Frieden wünsche, Russland diesen Wunsch jedoch noch beweisen müsse. Die Außenamtssprecherin konterte Wadephuls Worte nun mit einem Bibelvers aus dem Matthäusevangelium.
„Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen“, sagte sie laut der russischen Nachrichtenagentur Tass in Richtung des deutschen Außenministers.
„Ich erinnere ihn als CDU-Mitglied daran, damit er einen Anlass hat, das Evangelium aufzuschlagen, da er ja ein Christdemokrat ist“, fügte Sacharowa hinzu, ohne zu erläutern, was sie mit ihrer Replik konkret ausdrücken will.
Sacharowa kommentierte derweil auch einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach die deutschen Geheimdienste die Überwachung der russischen Botschaft in Berlin drastisch verschärft hätten. Auch in Russland gebe es „Menschen mit Fantasie“, erklärte Sacharowa dazu.
Kreml: Beziehungen zu Deutschland „tendieren gegen Null“
Auch der Kreml äußerte sich am Montag zu dem überraschenden Treffen am Wochenende. Zwar sei Dialog immer besser als nicht zu reden, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow, „aber natürlich wäre es verfehlt, daraus konzeptionelle Schlüsse über bevorstehende Veränderungen und dergleichen zu ziehen.“
Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau tendierten weiterhin „gegen Null“, fügte Peskow hinzu. „Es deutet auf gar nichts hin. Sie haben die Aussagen unseres Außenministers gehört, der sagte, er habe nichts Neues gehört.“
Wladimir Putin enteignet Handelskonzern Metro in Russland
Am Nachmittag ergriff Moskau dann weitere Maßnahmen gegen Deutschland. Per Dekret stellte Präsident Wladimir Putin am Montag die Vermögenswerte des Düsseldorfer Großhandelskonzerns Metro in Russland unter staatliche Zwangsverwaltung. Das geht aus dem auf dem offiziellen Rechtsportal der Russischen Föderation veröffentlichten Präsidialerlass Nummer 689 hervor.
Moskau spricht hinsichtlich des Schritts offiziell von einer „temporären Verwaltung“. Die Europäische Union bewertet derartige Maßnahmen unterdessen als Verstaatlichung und damit als Enteignung. Westliche Unternehmen verlieren durch die russische Zwangsverwaltung die Kontrolle über ihre Vermögenswerte – ohne Entschädigung oder rechtliche Handhabe.
Bereits in der Vergangenheit ist Moskau nach diesem Muster verfahren. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 wurden auf diesem Weg zahlreiche westliche Unternehmensvermögen unter russische Kontrolle gebracht.
