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Frankfurt und Hamburg
Chaos-Nacht nach „Gen Z“-Demos – Polizeischutz für geplünderte Geschäfte

5 min
Bei den Jugendprotesten unter dem Motto „Gen Z regelt“ kommt es in Hamburg am Samstag (31. Oktober) zu Ausschreitungen.

Bei den Jugendprotesten unter dem Motto "Gen Z regelt" kommt es in Hamburg am Samstag (31. Oktober) zu Ausschreitungen.

In mehr als 30 Städten fanden Jugendproteste statt. Es blieb überwiegend friedlich. In Köln flog Pyrotechnik, in Hamburg gab es Ausschreitungen, in Frankfurt kam es zu Plünderungen.

Die Initiative „Gen Z regelt“ hat ein positives Fazit der bundesweiten Jugendproteste gezogen. „Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen“, sagte ein Sprecher vom Presseteam der Initiative, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. Kurz vor 20.00 Uhr sprach er von mehr 100.000 Teilnehmern, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen.

Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. „Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“, sagte Amadeo.

Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.

Der Protest blieb überwiegend friedlich. Nach den Demonstrationen kam es aber in mehreren Städten zu gravierenden Zwischenfällen.

Kölner Demozug wegen Vermummung kurzfristig abgesagt

In Köln sagte die Polizei wegen der Vermummung einiger Teilnehmer und des Einsatzes von Pyrotechnik den Demonstrationszug kurzfristig ab. „Die Demo wird als Standkundgebung weitergehen“, sagte eine Polizeisprecherin. Im Anschluss an die Kundgebung kamen auch Wasserwerfer zum Einsatz, da Pyrotechnik in Richtung der Polizei flog.

In Stuttgart hat die Polizei die Demonstration mehrfach angehalten – weil Demonstranten von der offiziellen Route abwichen, sich vermummten und Pyrotechnik zündeten.

Ausschreitungen in Hamburg und Berlin

In Hamburg verlief der Protest bis zum späten Nachmittag zunächst friedlich. Später kam es dort zu Ausschreitungen, die Demonstration wurde offiziell beendet. Es wurden im Stadtteil St. Georg Barrikaden errichtet und angezündet. Die Polizei wurde mit Flaschen und teilweise sogar Pflastersteinen von teils Vermummten angegriffen. Mit Wasserwerfern wurde das Feuer gelöscht, wie der NDR berichtet. Mehrere Polizistinnen oder Polizisten wurden verletzt.

In Bremen eskalierte die Lage nach dem offiziellen Ende der Demo ebenfalls leicht. Es flogen immer wieder Böller, es wurden polizeifeindliche Parolen skandiert und es flogen Flaschen. Die Polizei kesselte die Teilnehmenden ein, wie „Buten un Binnen“ meldet. Eine Mülltonne wurde in Brand gesetzt, die Einsatzkräfte verfolgten mehrere Vermummte.

In Berlin mit mehreren Tausend Teilnehmern blieb es laut Polizei bei der eigentlichen Demo am Brandenburger Tor friedlich. Es gab jedoch einen weiteren Demonstrationszug rund um den Rosenthaler Platz, der von linksradikalen Gruppen geprägt war. Hier flogen Böller in Richtung Polizei, es wurde ein Feuerwerkskörper gezündet, wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Es kam zu vereinzelten Eier- und Flaschenwürfen.

Ein Polizeisprecher sagte am späten Samstagabend, bei der Versammlung am Rosenthaler Platz mit bis zu 3500 Teilnehmenden sei es zu „zahlreichen Straftaten“ gekommen. Darunter seien Sachbeschädigung, Körperverletzung sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. 27 Polizisten seien leicht verletzt worden, hätten ihren Dienst aber fortsetzen können, erklärte die Polizei. 56 Menschen seien festgenommen worden.

„100 linksextremistische Gewalttäter“ in Frankfurt – Plünderungen

In Frankfurt kam es ähnlich wie in Hamburg zu Ausschreitungen. Die Polizei beklagt massive Angriffe auf Einsatzkräfte. Zunächst blieb der Protest über Stunden friedlich, wie die „Hessenschau“ meldet, dann eskalierte die Situation. An der Konstablerwache flogen Böller, Flaschen und Steine. Es ist die Rede von einer verletzten Person. Mehrere Menschen wurden festgenommen, Wasserwerfer kamen zum Einsatz.

Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach davon, dass die Demonstration von Linksextremisten unterwandert worden sei.  „Wir gehen von ungefähr 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus. Diese haben die Polizei massiv angegriffen mit Flaschenwürfen, mit Steinen und mit Pyrotechnik“, so Poseck. Mehrere Polizeibeamte seien verletzt worden.

Frankfurt am Main: Jugendliche haben die Scheiben von einem Geschäft eingeschlagen, um zu plündern.

Frankfurt am Main: Jugendliche haben die Scheiben von einem Geschäft eingeschlagen, um zu plündern.

Später kam es zu Plünderungen in der Frankfurter Innenstadt. Mehrere Jugendliche drangen laut „Hessenschau“ ins Schuhgeschäft „Snipes“ auf der Zeil ein und kamen mit Kartons und Sneakern in der Hand wieder raus. Die Polizei bestätigte zudem einen Plünderungsversuch in der Hasengasse, Mülltonnen brannten. Die Polizei arbeitete sich mit Wasserwerfern und Panzerwagen vor.

Mehrere Personen wurden nach einer Attacke auf ein Waffengeschäft festgenommen. Beamte waren schnell vor Ort und stellten nach Polizeiangaben zwei Waffen sicher. Diese seien aus dem Laden gewesen, sagte ein Sprecher. Um was für Waffen es sich handelte, war zunächst nicht bekannt.

Nach den Krawallen ist die Polizei in Frankfurt weiter in der Stadt im Einsatz. Jetzt müssten erst einmal die Schäden begutachtet werden, die „erheblich“ seien, aber noch nicht beziffert werden könnten, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Geschäfte müssten geschützt werden, die am Samstagabend bei den Ausschreitungen geplündert worden waren. Wie viele Menschen bei den Krawallen verletzt wurden, sei noch unklar. Die Polizei zählt mehr als 30 vorläufige Festnahmen.

In Leipzig blieb es weitgehend friedlich, teils wurde auch dort Pyrotechnik abgefeuert. Nach dem offiziellen Ende der Demo lieferten sich dort nach Informationen der „Leipziger Volkszeitung“ Teilnehmende und Polizei ein Katz- und Maus-Spiel. Eine Straße in den Stadtteil Connewitz wurde abgesperrt.

In Hannover flog vereinzelt Pyrotechnik, sonst blieb es friedlich.

In Bonn versammelten sich 500 Personen ohne Genehmigung. Es kam zu Faustschlägen gegen Beamte, zudem wurde Pyrotechnik entdeckt.

Organisatoren enttäuscht über Debatte um Gewalt

Die Sicherheitsbehörden des Bundes hatten vor den Demonstrationen keine weitergehenden Erkenntnisse zu Gewaltaufrufen oder geplanten gewalttätigen Ausschreitungen bei den geplanten Protesten. Gleichwohl griffen auch „Teile der linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus“ die Aufrufe auf, um sich an der Mobilisierung zu beteiligen, hatte eine Sprecherin des Innenministeriums zuvor gesagt.

Vertreter von „Gen Z regelt“ hatten den starken Fokus auf die Sorge vor Gewalt kritisiert. „Das zeigt ja, dass unser Punkt, dass wir nicht ernst genommen werden und nicht gehört werden, auch stimmt. Denn keiner will sich mit uns um die Inhalte kümmern, sondern es ist immer nur das Thema Gewalt auf der Agenda“, hatte einer der Organisatoren gesagt. (cme, mit dpa und afp)