Hendrik Wüst blickt in Köln-Porz auf eine mögliche Zukunft im All: In der Luna-Halle trainieren Astronauten für Einsätze auf dem Mond.
Im DLR werden neue Raumanzüge getestet„Der Weg zum Mond führt über Köln“

Wissenschaftler testen in der Mondsimulationsanlage Luna am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der European Space Agency (ESA) Raumanzüge.
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Die weißen Raumanzüge der Astronauten glänzen hell im Sonnenlicht. Die Missionsmitglieder haben ihren Rover neben einem Hügel geparkt, jetzt sind sie dabei, Gesteinsproben mit einem Greifer aus dem Mondboden zu entnehmen. Diese Szene war am Donnerstag um 12.30 Uhr zu beobachten. Natürlich nicht auf dem Mond – sondern in der Luna-Halle des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz. Dort testet derzeit ein Start-up aus den Niederlanden die Leistungsfähigkeit von Raumanzügen, die das Unternehmen neu entwickelt hat.
Die Simulation wird an diesem Tag von einem prominenten Gast beobachtet, der mit Raumfahrt nur mittelbar zu tun hat. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) ist im Rahmen seiner Sommertour nach Köln-Porz gekommen, um sich von den deutschen Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer darüber informieren zu lassen, wie das DLR die Vorbereitung einer künftigen Mondmission unterstützt. Die Landesregierung ist stolz darauf, dass sich ein Spitzenstandort der Weltraumforschung in NRW befindet. „Der Weg ins All führt schon heute über Nordrhein-Westfalen. Bei uns trainieren die Astronautinnen und Astronauten Europas, auch für die Forschung und die Reise zum Mond.“
Aufwendiges Trainingsprogramm
Was in der Halle nach einem Ausflug auf einen fremden Planeten aussieht, ist ein aufwendiges Trainingsprogramm. Auf rund 700 Quadratmetern erstreckt sich eine künstliche Mondoberfläche. Rund 900 Tonnen Regolith-Simulant liegen dort, ein Material, das dem Mondboden möglichst nahekommen soll. Es wurde aus Basalt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis hergestellt und anschließend speziell aufbereitet. Astronauten können darauf Bewegungen und Arbeitsabläufe trainieren: Sie bedienen Werkzeuge, überwinden Hindernisse oder fahren mit einem Rover. Gleichzeitig werden die Raumanzüge, die Kommunikation mit der Bodenkontrolle und die Belastung für den menschlichen Körper getestet.
Luna soll dabei weit mehr sein als ein Trainingsgelände. Unternehmen und Forschungseinrichtungen können dort neue Technologien erproben. Neben der Mondlandschaft gibt es eine Sonnensimulationsanlage, mit der sich die extremen Lichtverhältnisse auf dem Mond nachbilden lassen. Auch das sogenannte FLEXhab gehört zur Anlage. In dem Wohn- und Arbeitsquartier können vier Astronautinnen und Astronauten untergebracht werden. Schlafkabinen, Luftschleuse und Laborbereich ermöglichen es, den Alltag einer Mondmission zu simulieren.
Alexander Gerst sieht für diese Entwicklung ein Vorbild, das auf der Erde längst Realität ist: die Antarktis. Vor 100 Jahren sei auch die Vorstellung, dauerhaft in der Antarktis zu forschen, neu gewesen. „Man ist dorthin gefahren, und die Menschen haben gesagt: Was wollen wir denn da? Da gibt es ja nur Eis.“ Heute sei klar, welche Bedeutung die Antarktis etwa für die Klimaforschung habe. „Und so wird die Entwicklung auch auf dem Mond laufen, sehr, sehr analog dazu.“

Die Astronauten Alexander Gerst (l.) und Matthias Maurer informierten NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst im DLR über die Vorbereitungen für die Mondmission.
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Es gehe künftig nicht mehr darum, nur eine Flagge auf dem Mond aufzustellen, sondern darum, eine Mondbasis zu bauen. Gerst spricht deshalb vom Mond als einem „achten Kontinent“. Entscheidend werde die Frage sein, wie Menschen unter den extremen Bedingungen dauerhaft leben und forschen können. Dazu gehöre auch die Versorgung mit Lebensmitteln. In der Antarktis wurde dafür drei Jahre lang ein Gewächshaus betrieben. Rund eine Tonne Gemüse konnte dort geerntet werden. Der Container soll nun für die Nutzung in Luna umgebaut werden. Pflanzen hätten dabei nicht nur einen praktischen Nutzen. „Wenn man ein halbes Jahr lang nichts Grünes sieht, dann wird das alles noch sehr viel attraktiver“, sagt Gerst. Etwas Grünes sei „nicht nur beim Vitaminhaushalt, sondern auch psychologisch“ wichtig.
Während Gerst vor allem die langfristige Perspektive der Mondforschung beschreibt, formuliert Matthias Maurer eine konkrete Forderung für Europa. Der Astronaut plädiert dafür, dass Europa bei der Raumfahrt unabhängiger wird. Im erdnahen Orbit, etwa bei einer Nachfolgestation der Internationalen Raumstation ISS, müsse Europa eigene Fähigkeiten entwickeln. „Wir wünschen uns als Europa eine eigene Kapsel für europäische Astronautinnen und Astronauten“, sagt Maurer. Derzeit fliege Europa mit amerikanischen und russischen Partnern ins All. Das sei angesichts der veränderten politischen Lage nicht mehr selbstverständlich. Europa müsse deshalb souveräner werden und dürfe sich nicht dauerhaft auf Partner verlassen, „die vielleicht nicht mehr ganz so zuverlässig sind, wie sie es in der Vergangenheit waren“.
Wüst sieht Nordrhein-Westfalen bei der Vorbereitung auf den Weg zum Mond bereits weit vorne. Zugleich müsse sich das Land auf bestimmte Bereiche konzentrieren: „Man muss sich auch ein bisschen spezialisieren. Hat auch keinen Sinn, wenn alle alles machen.“ Luna zeige bereits, dass Unternehmen und Start-ups aus NRW an entsprechenden Technologien arbeiteten.
Eine eigene Reise zum Mond kann sich Wüst dagegen eher nicht vorstellen. „Ich bin nicht sicher, ob es nicht welche gibt, die mich gern zum Mond schießen, aber ich fühle mich auf der Erde ganz wohl“, scherzt er. Vor allem habe er großen Respekt vor den Anforderungen einer solchen Mission. Astronauten müssten nicht nur körperlich und intellektuell leistungsfähig sein, sondern „auch mental wirklich sehr stabil sein“. Gerade die Enge und das Zusammenleben mit Menschen, die man sich nicht selbst ausgesucht habe, seien eine besondere Herausforderung.
