NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist in Sachsen-Anhalt, um CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze vor der Landtagswahl zu unterstützen.
Wüst macht Wahlkampf in Sachsen-Anhalt„Die mit den dicken Sprüchen haben uns noch nie geholfen“

Hendrik Wüst (l, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, steht neben Marco Tullner, stellv. Landesvorsitzender CDU Sachsen-Anhalt, bei einem Unternehmensbesuch bei der Günther Papenburg AG vor einem Fahrschul-Lkw.
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Arthur Viera Pereira ist Azubi beim Bauunternehmen Papenburg in Halle an der Saale. Der 23-Jährige stammt aus Brasilien und macht eine Lehre, um Berufskraftfahrer zu werden. Dieser Tag in der Firma läuft anders als sonst. Pereira sitzt mit anderen Azubis, die eine Migrationsgeschichte haben, in einem Konferenzraum und spricht mit einem Mann, der in einem blauen Anzug mit am Tisch sitzt. Soeben ist NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst eingetroffen. Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will der CDU-Politiker für die Wahl von CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze werben. „Wenn hier Kräfte an die Macht kommen, die den jungen Menschen Angst machen, ist das nicht gut für unser Land“, sagt Wüst.
Einen Tag nach Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Dienstag auch der Ministerpräsident von NRW nach Sachsen-Anhalt gekommen, um den CDU-Wahlkampf zu unterstützen. Für Sven Schulze kommt die Wahlkampfhilfe zur rechten Zeit. Die CDU liegt in Sachsen-Anhalt in den Umfragen weit hinter der AfD. Während die AfD auf etwa 40 bis 42 Prozent kommt, erreicht die CDU nur rund 22 Prozent. Wüsts Auftritt soll vermitteln, dass die Wahl noch nicht entschieden ist. Die Abstimmung sei auch eine Entscheidung über die Person, die künftig in Magdeburg regiert, sagt der Ministerpräsident von NRW.
In der Firma Papenburg hört sich Wüst an, wie die jungen Leute auf die politische Lage in Sachsen-Anhalt blicken. Der Brasilianer berichtet, dass er und seine Freunde in der vergangenen Woche in der Straßenbahn rassistisch beleidigt wurden. „Da hat uns einer den Hitlergruß gezeigt und gesagt, dass Araber in Deutschland nicht willkommen seien“, sagt der Azubi. Auch eine angehende Industriekauffrau aus der Ukraine zeigt sich besorgt: „Ich habe Angst, dass ich einen Brief bekomme, dass ich ausreisen muss, wenn die AfD an die Macht kommt“, berichtet Anastasiya.
Wüst betont, dass die Azubis in Deutschland gebraucht würden. „Ohne Menschen, die ihre Wurzeln woanders haben, wäre am Wochenende kaum noch eine Notaufnahme besetzt, es würde keine Pizza mehr geliefert, und der Müll würde stehen bleiben“, sagt Wüst. Bei der Wahl gehe es um mehr als darum, „Dampf abzulassen“. „Es braucht keine Protestwahl, um deutlich zu machen, dass sich die Dinge verbessern müssen.“
Sven Schulze sei „ein anständiger Mann“. „Ein nachdenklicher Mann, der nicht die dicken Sprüche raushaut. Aber die mit den dicken Sprüchen haben uns noch nie gutgetan.“
CDU hängt Besuch nicht an die große Glocke
Am Dienstagabend trafen die beiden Ministerpräsidenten in einer Dorfgaststätte zusammen. Wüst sagte den Gästen: „Sie werden sich fragen: Warum ist der Kerl aus NRW hier? Ich verbürge mich für Sven Schulze. Es kommt auf den Charakter an, einen klaren Kompass und eine seriöse Herangehensweise. Er ist der richtige Mann an der Spitze.“ Schulze sagte über Wüst: „Er ist mein Freund. Auch Hendrik hatte bei seinem Amtsantritt nur wenig Zeit, um vor der Wahl bekannt zu werden. Aber er hat Gas gegeben und Erfolg gehabt. Wir ticken ähnlich.“

Hendrik Wüst (l.) leistet Wahlkampfhilfe für seinen CDU-Parteikollegen Sven Schulze (r.) in Sachsen-Anhalt.
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Die NRW-CDU wollte den Auftritt von Wüst nicht an die große Glocke hängen. Die Visite sollte nicht als Gegenmodell zum Kanzlerbesuch inszeniert werden. Jede offene Personaldebatte in der Union würde das Bild einer zerstrittenen Partei verstärken und könnte vor allem der AfD helfen.
